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Mit den Flüchtlingen kommt das Licht

An der Belmsdorfer Straße in Bischofswerda sollen ab Montag Laternen aufgebaut werden. – Ein Problem ist gelöst, ein anderes entsteht.

© Steffen Unger

Gabriele Naß

Bischofswerda. Der kostenfreie Großparkplatz vorm Heizhaus und neben den Flüchtlingsunterkünften an der Belmsdorfer Straße in der Südstadt Bischofswerda soll ab Montag Groß-Baustelle sein. Das teilt die Stadtverwaltung mit. Nutzer müssen sich demnach auf weitreichende Einschränkungen einstellen. Halteverbote gelten bereits. Ab Montag soll dazu die innenstadtnähere Zufahrt gesperrt werden, kann nur die Zufahrt zwischen Seniorenwohnhaus und Parkplatz genutzt werden. Insgesamt sollen an die 80 Prozent der rund einhundert Stellplätze wegen des Baugeschehens wegfallen. Laut Rathaus ist die Baustelle für einen Monat angemeldet. Je nach Baufortschritt sollen nach und nach Stellplätze freigegeben werden. Wer im Halteverbot steht oder widerrechtlich parkt, dem droht der Abschleppwagen.

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Wo sollen die Autos hin?

Warum wegen vier Laternen so viel Fläche in Anspruch genommen werden muss und so viele Parkflächen auf einmal wegfallen, ist fraglich. Die Stadtverwaltung argumentiert auf Anfrage mit dem Inhalt des Antrages der Baufirma. Demnach werden auf dem Mittel-Grünstreifen vier Laternen aufgestellt und auf dem Gelände die dazugehörige Stromleitung verlegt. Geplant ist ein Schacht, der parallel zur Straße auf einen Ritt mittig durchs Gelände gezogen wird. Dadurch ist der äußere Parkstreifen am Heizhaus zu Beginn der Arbeiten gar nicht anfahrbar. Darüber hinaus beanspruche die Baufirma einen Arbeits- und Schachtbereich über etwa die Hälfte des Platzes. Warum nicht etappenweise geschachtet, verlegt und wieder zugeschüttet werden kann, blieb zunächst offen.

Wo die Leute, die den Parkplatz in der Regel voll ausnutzen, ihre Autos lassen sollen, ist ebenso unklar. Ausweichparkplätze in der Nähe wurden bisher keine angeboten. Betroffen sind vor allem die vielen Anwohner und Mitarbeiter des Seniorenwohnhauses „Am Belmsdorfer Berg“. Entsprechend bedient und in Sorge sind die Ersten schon. Anwohner Hans Jürgen Stange: „Die Parkplätze in der Nähe sind am Abend alle belegt – egal, ob auf der Bonhoeffer-, der Thälmann- oder der Kolbestraße. Wenn die Stadt den Parkplatz zu großen Teilen sperrt, sollte sie auch sagen, wo wir unsere Autos abstellen können. Warum wird während der Bauzeit nicht nur halbseitig gesperrt, sodass entweder der eine oder der andere Bereich zur Verfügung steht?“ Bekannt war die Sperrung am Mittwochabend keinem von zehn vor Ort befragten Betroffenen. „Wir wohnen ja nur hier, uns muss man nicht informieren“, moniert eine Frau mittleren Alters.

Monatelanges Hin und Her

Der Tatsache, dass Licht auf den Parkplatz kommt, geht ein monatelanges schriftliches und telefonisches Hin und Her zwischen Stadt und Freistaat voraus. Der Büroleiter von OB Holm Große, Joachim Clemens, bestätigte auf Anfrage die Vermutung, dass mit den Flüchtlingen Geld für Licht auf den Parkplatz kommt. Die Stadt habe dies so gefordert, nachdem im September gleich daneben in einer leer stehenden Halle der ehemaligen Hero eine der größten Flüchtlings-Erstaufnahmeeinrichtungen des Freistaates eingerichtet worden ist.

In zwei Bürgerversammlungen und darüber hinaus hatten Schiebocker darüber gesprochen, dass sie sich auf dem dunklen, von vorhandenen Straßenlaternen am Rand nicht ausgeleuchteten Platz unsicher fühlen, erst recht, seit sich auf dem Parkplatz die Flüchtlinge treffen. Mitarbeiterinnen des Seniorenheimes und Anwohner, die spätabends dort unterwegs sind, tragen diese Ängste besonders mit sich herum. Die Stadt habe deswegen darauf bestanden, dass der Parkplatz beleuchtet wird und der Freistaat –  verantwortlich für die Erstaufnahme – die Kosten übernimmt. Ein direkter Kontakt OB – Innenminister soll den Durchbruch gebracht haben. Allerdings laufen auf Freistaatebene zu der Baustelle in Bischofswerda immer noch Gespräche, hieß es bei der Landesdirektion. Ob das heißt, dass der Auftrag offiziell noch gar nicht raus ist und nicht ab Montag gebaut werden kann, blieb offen.

Debatte in Gang

Dass Geld für Licht auf dem Parkplatz da sein soll und das im Zusammenhang steht mit den Hunderten aufgenommenen Flüchtlingen, heizt die Debatte an. Anwohnerin Cindy Kretschmar: „Seit Jahren ist der Platz unbeleuchtet. Dass jetzt plötzlich Geld da sein soll, finde ich, ist befremdlich.“ Andere, wie Peter Quilitzsch, sagen: Egal wie, warum und durch wen: „Gut, dass was gemacht wird. Es gibt in der Stadt noch viele andere dunkle Ecken.“

Die Kamenzer Straße gehört nicht mehr zu den finsteren Ecken. Dort stehen nach monatelangem Totalausfall seit Ende letzten Jahres neue Leuchten. An den vielen anderen schlecht oder unbeleuchteten Ecken sei die Stadt dran, versicherte OB Große auf Anfrage. Eine Wartungsfirma habe zum Beispiel den Auftrag, stadtweit und in den Ortsteilen kaputte Leuchten zu reparieren. (mit SZ/ir).