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Mit der Schüler-Monatskarte zur Wahl

© Thorsten Eckert

Radebergs Pestalozzi-Oberschule beteiligt sich an einem ungewöhnlichen deutschlandweiten Politik-Projekt.

Von Jens Fritzsche

Radeberg. Nun gut, mit der Schüler-Monatskarte als Ausweis dürfte es am Wahlsonntag ein bisschen schwer werden, seine beiden Stimmen zur Bundestagswahl abzugeben. Aber sonst ging es am gestrigen Donnerstagvormittag in der Radeberger Pestalozzi-Oberschule zu, wie bei der „echten“ Wahl.

Im Obergeschoss der Schule war ein Wahllokal eingerichtet worden, dort warteten Wahlhelfer, es gab natürlich eine Wahlurne, ein Wählerverzeichnis – und Wähler. Die Schüler der beiden neunten und drei zehnten Klassen nämlich. Und die bekamen dann einen Wahlzettel, der im Prinzip dem originalen für den Radeberger Wahlkreis entsprach; dem Wahlkreis Dresden II/Bautzen II. Mit den Namen der hiesigen Direktkandidaten und der Parteien, die hier auf die Zweitstimme aus sind.

Die Pestalozzi-Schule beteiligt sich an der bundesweiten Junior-Wahl. Einem Projekt, bei dem Schüler deutschlandweit lernen, wie eine Wahl funktioniert, bei dem sie ihre Stimmen abgeben können – und eine Wahl, bei der es am Ende auch ein Ergebnis geben wird. „Ein Gesamtergebnis und auch eines für unsere Schule“, sagt Grit Jäpel, die als Gemeinschaftskunde-Lehrerin an der Pestalozzi-Oberschule den Hut für das Projekt auf hat. Und natürlich ist sie gespannt, wie dieses Ergebnis aussehen wird. „Wobei ich glaube, so sehr wird sich das gar nicht vom Ergebnis der Bundestagswahl unterscheiden“, sagt sie.

Intensiv mit Inhalten beschäftigt

Die Schüler werden auf diese Weise an das Thema Wahl herangeführt, lernen im Unterricht auch, warum es wichtig ist, in einer Demokratie wählen zu gehen. „Aber natürlich haben die Schüler auch die Freiheit, nicht zu wählen“, stellt Grit Jäpel klar. Dennoch, mit rund 80 Prozent zeigt die Wahlbeteiligung der Pestalozzi-Schüler, dass sie sich durchaus für das Thema Wahl und damit auch für Politik interessieren. „Ich finde es jedenfalls richtig cool, dass wir auf diese Weise lernen, wie das mit der Wahl funktioniert und dass wir einen Einblick bekommen, welche Parteien mit welchen Programmen antreten“, ist Kevin Panier aus der Klasse 10b hörbar begeistert. Seine Klassenkameradin Anabell Schulze sieht das ähnlich, „aber ich würde mir trotzdem noch nicht zutrauen, jetzt wirklich eine Entscheidung zu treffen“. Dafür, sagt sie, müsste sie sich dann noch ein Stück intensiver mit den Wahlprogrammen befassen und Nachrichten verfolgen.

Spannend waren die vergangenen Wochen aber auch für Lehrerin Grit Jäpel. „Es war interessant zu erleben, wie die Schüler zum Beispiel die Wahlplakate interpretiert haben und dass sie sich sehr intensiv mit Inhalten beschäftigt haben“, freut sie sich. Wobei das Ganze überhaupt den Horizont durchaus erweitert hat; „denn wir haben ja auch den Wahlomaten im Internet genutzt, bei dem wir uns dann ja auch mit Begriffen wie Schuldenschnitt für Griechenland oder Pkw-Maut befassen mussten“, beschreibt die Lehrerin.

Kurz vor Mittag wurden die Stimmen dann im Wahllokal ausgezählt; aber das Ergebnis bleibt noch geheim. Erst am Bundestagswahltag, 18 Uhr, wird es öffentlich.