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Mit der Seilbahn zum Fernsehturm?

Für die touristische Wiederbelebung des Bauwerks hat der Fernsehturmverein zahlreiche Ideen - nur ein Turmcafé zu betreiben, hält er für unwirtschaftlich.

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© Visualisierung: Fernsehturmverein

Von Simone Burig

Eberhard Mittag und der Fernsehturm haben Eines gemeinsam: Sie haben am selben Tag Geburtstag, am 7. Oktober. Doch nicht nur deswegen hat der Vorsitzende des Fernsehturmvereins eine besondere Beziehung zu dem „langen Kerl“, wie er das Bauwerk nennt. Der Verein hat viele Visionen entwickelt, wie der Turm touristisch wiederbelebt werden könnte. Das Exposé stellte er am Mittwoch vor.

„Allein mit dem alten Turmcafé trägt sich der Betrieb des Bauwerkes nicht“, sagte Mittag. „Wir brauchen eine zeitgemäße, moderne Variante, die auch den Wissenschaftsstandort Dresden demonstriert“, heißt es dazu im 20-seitigen Exposé. So könnte unter dem Titel „Televersum“ am Fuße des Turms ein futuristisches Gebäude entstehen, darin eine Ausstellung zu Themen wie Nachrichtentechnik oder Kommunikation untergebracht werden. Auch ein Planetarium oder ein Studio des MDR könnte dort einziehen. Auf der vorgelagerten Fläche am Hang ist eine eine grüne Oase für Erholung, Bildung, Sport und Spaß vorgesehen. Auf rund zwölf Millionen Euro schätzt der Verein die Kosten dafür.

Rund 400 000 Gäste jährlich sollen das Areal besuchen. Und um die Anwohner zu schützen, nimmt der Verein eine alte Idee auf: Das Gelände könnte über eine Seilbahn erreicht werden. Die Station könnte an der Ostseite des geplanten Schulkomplexes in Tolkewitz errichtet werden: einsteigen, über die Elbe schweben und am Fernsehturm aussteigen. Nach heutigem Standard würde solch eine Bahn zwischen zehn und zwölf Millionen Euro kosten.

Auch zu Plattform und Café hat der Verein Ideen. Aber wie schon gesagt: Allein die Plattform zu betreiben, wäre laut Exposé unwirtschaftlich. Rund acht Millionen Euro müssten investiert werden beispielsweise in Brandschutz und neue Aufzüge. Außerdem müsste der Parkplatz saniert werden. „Eine schwarze Null würde man erwirtschaften, wenn zusätzlich auch das Café wieder eröffnet“, so Mittag. Diese Variante entspricht der letzten Nutzung vor der Schließung 1991. Allerdings müsste ein Interessent bei dieser Version zwölf Millionen Euro berappen.

Insgesamt könnten durch die Nutzung rund 100 neue Arbeitsplätze entstehen. Doch wer soll das alles bezahlen? „Wir als Verein können das nicht leisten, sondern nur die Ideen liefern“, sagte Mitglied Barbara Lässig. Und der Besitzer des Turms, die Telekom, untermauert seit Jahren seine Meinung: „Wir sind kein Restaurantbetreiber“, erklärte Sprecher Georg von Wagner. „Sollte sich aber ein Investor finden, der einen entsprechenden Vorschlag macht und auch das Geld bereitstellt, wird die Telekom Gespräche führen.“ Mit einem Investor könnte der Verein gut leben, will aber auch die Stadt und das Land ins Boot holen, um Fördermittel in Anspruch zu nehmen.

Bis jetzt ist alles Zukunftsmusik. Die Ideen des Vereins sind Visionen, die längst nicht spruchreif sind. Doch Eberhard Mittag lässt sich nicht entmutigen. Als Student war er regelmäßig oben, blickte mit Freunden und Verwandten von der Aussichtsplattform in die Ferne. „Ich möchte, dass viele Menschen wieder diesen Blick erleben können“, sagt der 62-Jährige. Ganz oben auf der Agenda steht für den Verein nun erst einmal eine Machbarkeitsstudie. Die kostet rund 150 000 Euro und soll durch Spenden finanziert werden. „Ohne Studie geht es mit unseren Vorschlägen nicht weiter“, so Lässig. Und Mittag ergänzt: „An meinem 75. Geburtstag möchte ich mit dem Ministerpräsidenten von der Plattform über Dresden schauen.“