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Mit explosiver Fracht an die Ostsee

Ein Zabeltitzer sorgt zum Jahreswechsel für Lasershow und Feuerwerk. Zum Feiern bleibt kaum Zeit.

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Jens Schütze hat kurz nach Weihnachten die Koffer gepackt. Der Inhalt ist nicht gerade herkömmlich. In den Kisten befinden sich Laser-, Pyro-, Licht- und Tontechnik. Denn der 55-jährige Zabeltitzer sorgt zu Silvester in einem Hotel in Bansin für die angem
Jens Schütze hat kurz nach Weihnachten die Koffer gepackt. Der Inhalt ist nicht gerade herkömmlich. In den Kisten befinden sich Laser-, Pyro-, Licht- und Tontechnik. Denn der 55-jährige Zabeltitzer sorgt zu Silvester in einem Hotel in Bansin für die angem © Anne Hübschmann

Von Thomas Riemer

Zabeltitz. Ich packe meinen Koffer und nehme ... ein paar Kilometer Kabel mit.“ Das beliebte Gesellschaftsspiel für Familien ist für Jens Schütze kurz nach den Weihnachtstagen eine sehr ernste Angelegenheit. Denn vor seiner Reise auf die Insel Usedom darf er tatsächlich nichts vergessen. Mit Feuerwerk- und Laserausrüstung sowie seiner Ton-, Video- und Lichttechnik hat sich der erfahrene Laserschutzbeauftragte aus Zabeltitz am 28. Dezember auf den Weg ins Ostseebad Bansin gemacht.

Ein Urlaubsvergnügen ist das allerdings höchstens in zweiter Instanz. Denn der 55-Jährige ist in einem Hotel an zwei Abenden für Pyro- und Lasershow zuständig. Schon am Sonntag sorgte er bei einem Begrüßungsabend für die rund 250 Hotelbesucher für eine Laservorführung sowie ein etwa zwölfminütiges Feuerwerk – draußen und drinnen. Am Silvestertag folgt ein weiterer Show-Teil – dann in einem etwas kleineren Rahmen. Die Hotelleitung hat als Thema „Rund um die Welt“ gewünscht, so Jens Schütze. 

Entsprechend habe er so etwa vor einem Vierteljahr mit der Zusammenstellung seines Programms begonnen. Denn Laser, Feuerwerk, Ton und Licht müssen genau aufeinander abgestimmt werden, der „Knall“ muss im richtigen Moment und passend zur Musik ausgelöst sein. „In der Regel haben wir nur einen Versuch, eine zweite Chance gibt es nicht“, sagt Schütze und schmunzelt. Klar, Fehler im Aufbau, aber auch an der Technik können immer passieren. Zum Beispiel, wenn Kickboxen nicht zünden, ein Kabel „streikt“.

Damit genau so etwas nicht passiert, hat Jens Schütze mit einem kleinen Team seit Freitag das Hotel „analysiert“ und das Wetter permanent beobachtet. „Der Wind kann beim Feuerwerk immer dazwischenfunken“, sagt er. Wird es bitterkalt, brauche auch die Technik besondere Liebe. Für den Laserteil habe er daher auch immer eine Indoor-Variante im Paket.

Während sich die Hotelgäste für die große Fete bereitmachen, hat Jens Schütze Stress: Ab dem Vormittag werden Scheinwerfer aufgebaut, einige Kilometer Kabel verlegt, die Programmierung eingerichtet und gecheckt. Das alles unter den Augen eines neugierigen Publikums während des ganz normalen Hotelbetriebes. Aber Sicherheit geht vor. Sobald der letzte Aufbauakt vollzogen und die Zünder „angekabelt“ sind, müssen die Schaulustigen hinter der Absperrung sein, werden die Anlagen ständig kontrolliert.

„Die Anspannung kommt kurz vor dem Start“, gesteht Jens Schütze aus Erfahrung. Dann sei absolute Konzentration gefragt, muss jedes Detail stimmen. „Wir verwenden bei der Pyroshow nur geprüfte Sachen von Firmen mit Weltruf“, sagt er. Auf das übliche Glas Sekt müssen alle Beteiligten um Mitternacht verzichten. Allein am Silvestertag stehen fünf verschiedene Showteile von jeweils knapp einer Viertelstunde auf dem „Wunschzettel“ des in Feierlaune befindlichen Publikums. Der letzte Punkt Mitternacht. „Eine Kanne Kaffee und zum Anstoßen eine Apfelschorle“, beschreibt der Experte seine „Verpflegung“ für den Abend und die Nacht.

Und während sich irgendwann die Gäste im Neujahrsrausch in die Betten zurückziehen, beginnt für Jens Schütze die nächste Schicht. „So ab 1 Uhr wird abgebaut. Das dauert etwa fünf Stunden – und das sieht kein Besucher mehr“, so Jens Schütze. Reste werden professionell entsorgt, die Technik in ihren Kisten und Kartons verpackt, Kabel wieder eingerollt. Wenn die Hotelgäste zum Frühstück kommen, sollen alle Spuren beseitigt sein.

Erst dann, nach ein paar Stunden Schlaf, bleibt Zeit für Ostseefeeling. Jens Schütze ist es nicht anders gewohnt zu Silvester und Neujahr. In Bansin ist er Stammgast zum Jahreswechsel. Voriges Jahr allerdings legte er eine Pause ein. „Da haben wir ganz in der Nähe von Zabeltitz mit Laser und Feuerwerk in einen 50. Geburtstag reingefeiert.“

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