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Mit Falschgeld durch die Nacht

Zwei Männer aus Halle haben versucht, in Dresdner Kneipen und Apotheken mit ihren Blüten Kasse zu machen. Einzig eine Bardame war wachsam.

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Von Alexander Schneider

Wie auch immer die beiden Männer an die falschen Hunderter gekommen sind – das wäre wohl die einzige spannende Frage dieses Prozesses am Amtsgericht Dresden gewesen. Doch sie blieb offen. Drei Jahre nach ihrer Falschgeld-Tour durch Dresden mussten sich zwei 25 und 23 Jahre alte Angeklagte aus Halle wegen Geldfälschens vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Die lange Dauer erklärte Staatsanwalt Thomas Hellmich mit den aufwendigen Ermittlungen, auch zu den Hintermännern.

Laut Anklage haben sich die beiden jungen Männer mindestens 25 gefälschte 100 Euro-Scheine besorgt, mit denen sie dann am 26. Juli 2013 in Dresden unterwegs waren: In der Neustädter „Schokoladenbar“ zahlten sie eine Cola und einen Birnensaft für 4,61 Euro mit einer ihrer Blüten und ließen sich 93,39 Euro echtes Wechselgeld zurückgeben. Ähnlich krumme Geschäfte machten sie im „Espitas“ und im „Chillhouse“ in der Alaunstraße. Offenbar sind niemandem die Blüten aufgefallen. Spätabends kamen Notschalter von Apotheken an die Reihe: In der Eibenstockstraße kauften sie Hustenbonbons für 1,20 Euro und bekamen 98,80 Euro zurück. In Mickten und in der Friedrichstadt erwarben die Angeklagten Schmerztabletten wie Aspirin und Thomapyrin. Die Pillen waren zwar deutlich teurer als die Bonbons, doch auch in diesen Apotheken blieb der Schwindel unbemerkt.

Weitere Blüten-Fälle in Leipzig

Die Blütenserie endete erst kurz nach Mitternacht im Kraftwerk Mitte. Dort fiel einer Frau an der Bar der falsche Hunderter auf. Die Täter flüchteten aus der Disco – doch in der Nähe entdeckten Polizeibeamte das Auto der Täter und fanden in einem Gebüsch ein Bündel mit elf weiteren gefälschten 100 Euro-Scheinen. Die Männer wurden festgenommen und saßen sieben Wochen in Untersuchungshaft. Dem 23-Jährigen wurde auch Urkundenfälschung vorgeworfen. Er soll drei Tüv-Gutachten für Autos gefälscht haben – mit Stempeln, Tüv-Plaketten und allem, was dazugehört.

Neben den acht Dresdner Falschgeldfällen gab es weitere in Leipzig. Daher gehen die Ermittler von mindestens 25 gefälschten Banknoten aus. Die Angeklagten schwiegen dazu. Sie gaben nach einem Rechtsgespräch nur zu, was in der Anklage stand. Sie hätten 500 Euro für die 25 Blüten bezahlt, an wen, das sagten sie nicht.

Der 25-jährige Iraker und der 23-jährige Mazedonier leben seit ihrer Kindheit in Halle und sind inzwischen gut integriert. Der Ältere hat einen Friseur-Salon, der Jüngere lernt Kraftfahrer. Er sagte, mit dem Geld habe er seiner an Krebs erkrankten Mutter, die inzwischen verstorben ist, helfen wollen. Eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe kritisierte, dass der Mazedonier aufgrund seiner Sprachprobleme als Zehnjähriger von der fünften in die zweite Klasse zurückgestuft worden sei: „Sozialpädagogisch ist das sehr verwerflich.“

Das Gericht verurteilte den Iraker zu einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten. Der Jüngere erhielt nach Jugendstrafrecht einen vierwöchigen Arrest, der aufgrund der U-Haft als verbüßt gilt. Außerdem muss er eine Geldauflage von 500 Euro zahlen.