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Mit guter Laune zum Weltrekord

Beim Tag der Sachsen in Limbach-Oberfrohna feiern Tausende friedlich miteinander. Und schaffen es ins Guinness-Buch.

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© Ronald Bonß

Von Nina Schirmer

Die Piccolo-Sektflasche liegt noch im Auto. Eigentlich wollte die Besuchergruppe mit den orangefarbenen Einheitsshirts damit im Shuttle-Bus anstoßen. Jetzt muss die Fahrt nach Limbach-Oberfrohna auch ohne gehen. Der Stimmung tut das früh halb zehn keinen Abbruch. Denn eines ist am Sonnabend zum Tag der Sachsen ungeschriebenes Gesetz: Geärgert wird sich nicht. Das legt allein das Festprogramm nahe. Im Gute-Laune-Zelt, auf der Gute-Laune-Bühne und bei der Gaudiade hat man fröhlich zu sein.

Der Sachsentag ist keine Veranstaltung nur für Rentner. Auch viele junge Leute und Familien kamen nach Limbach-Oberfrohna.
Der Sachsentag ist keine Veranstaltung nur für Rentner. Auch viele junge Leute und Familien kamen nach Limbach-Oberfrohna. © Ronald Bonß
Am Sonntag mussten sich die Besucher immer wieder vor Regenschauern schützen.
Am Sonntag mussten sich die Besucher immer wieder vor Regenschauern schützen. © Ronald Bonß
Am Stand der Numismatischen Gesellschaft konnten sich die Besucher einen Sachsengroschen selber prägen.
Am Stand der Numismatischen Gesellschaft konnten sich die Besucher einen Sachsengroschen selber prägen. © Ronald Bonß
Überschlag mit dem Fahrrad: Am Stand des ADAC traten Mutige in die Pedale. Manche hielten über fünf Minuten durch.
Überschlag mit dem Fahrrad: Am Stand des ADAC traten Mutige in die Pedale. Manche hielten über fünf Minuten durch. © Ronald Bonß

TdS in Limbach-Oberfrohna

25. "Tag der Sachsen" in Limbach-Oberfrohna  Zu den Hoehepunkten des "Tag der Sachsen" am Samstag in Limbach-Oberfrohna zaehlten der Weltrekordversuch im Mensch-aerger-dich-nicht-Spiel   Familie Erfurt-Trommler, mkit den KindernMoritz (vorn), Mutter Conny (re), Vater Michael, die Kinder Bruno und Felix (hi)   Foto: ronaldbonss.com/ Bonss
25. "Tag der Sachsen" in Limbach-Oberfrohna Zu den Hoehepunkten des "Tag der Sachsen" am Samstag in Limbach-Oberfrohna zaehlten der Weltrekordversuch im Mensch-aerger-dich-nicht-Spiel Familie Erfurt-Trommler, mkit den KindernMoritz (vorn), Mutter Conny (re), Vater Michael, die Kinder Bruno und Felix (hi) Foto: ronaldbonss.com/ Bonss
Zu den Höhepunkten zählte der Weltrekordversuch im Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel
Zu den Höhepunkten zählte der Weltrekordversuch im Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel
25. "Tag der Sachsen" in Limbach-Oberfrohna  Marie, Max, Emma und Cilly freuen sich ueber ihre Zuckerwatte.   Foto: ronaldbonss.com/ Bonss
25. "Tag der Sachsen" in Limbach-Oberfrohna Marie, Max, Emma und Cilly freuen sich ueber ihre Zuckerwatte. Foto: ronaldbonss.com/ Bonss
Die kleine Prinzessin ärgerte sich auf keinen Fall, die würfelnde Begleiterin dagegen wirkt schon etwas angespannt.
Die kleine Prinzessin ärgerte sich auf keinen Fall, die würfelnde Begleiterin dagegen wirkt schon etwas angespannt.
Platte Buletten für den Limbo-Burger.
Platte Buletten für den Limbo-Burger.
Am Stand der Numismatischen Gesellschaft konnte man sich einen sogenannten Sachsengroschen selber praegen.
Am Stand der Numismatischen Gesellschaft konnte man sich einen sogenannten Sachsengroschen selber praegen.
Auch die kleinen und großen zivilen Panzerfahrer der Bundeswehr haben Spaß.
Auch die kleinen und großen zivilen Panzerfahrer der Bundeswehr haben Spaß.
Sachsen in den Straßen.
Sachsen in den Straßen.
Freude auf der Wiese.
Freude auf der Wiese.
Lässig in Limbo.
Lässig in Limbo.
Flanieren durch Limbo.
Flanieren durch Limbo.
Futtern in Limbo.
Futtern in Limbo.
Riesenradfahren in Limbo.
Riesenradfahren in Limbo.
An der Seite von Maskottchen "Limbo" schwingen Ann-Marie Göbel (l) und Vanessa Keller von den Schönburger Fahnenschwingern die Fahne mit dem Wappen der Stadt und dem Wappen des Freistaats.
An der Seite von Maskottchen "Limbo" schwingen Ann-Marie Göbel (l) und Vanessa Keller von den Schönburger Fahnenschwingern die Fahne mit dem Wappen der Stadt und dem Wappen des Freistaats.
Besucher schlendern beim  25. ·Tag der Sachsen durch Limbach-Oberfrohna.
Besucher schlendern beim 25. ·Tag der Sachsen durch Limbach-Oberfrohna.
Liebevoll restaurierte Motorräder und Roller, darunter auch eine MZ Trophy und ein SR2 E (v.r.), präsentiert die Oldtimerrestaurierung Chemnit "Knatter-ra-dadder".
Liebevoll restaurierte Motorräder und Roller, darunter auch eine MZ Trophy und ein SR2 E (v.r.), präsentiert die Oldtimerrestaurierung Chemnit "Knatter-ra-dadder".
Mit ihrem Showprogramm begeistern die Schönburger Fahnenschwinger, darunter auch Ann-Marie Göbel, beim 25. ·Tag der Sachsen· in Limbach-Oberfrohna (Sachsen) die Besucher auf dem Johannisplatz.
Mit ihrem Showprogramm begeistern die Schönburger Fahnenschwinger, darunter auch Ann-Marie Göbel, beim 25. ·Tag der Sachsen· in Limbach-Oberfrohna (Sachsen) die Besucher auf dem Johannisplatz.
Mit seinem Stuhlhandwerk präsentiert sich Ralf Stregel aus Rabenau auf der Handwerkermeile.
Mit seinem Stuhlhandwerk präsentiert sich Ralf Stregel aus Rabenau auf der Handwerkermeile.
In ihren Hexenkostümen treffen Julia (l) und Pauline von der Erlebniswelt Seilbahnen Thale im Harz beim 25. ·Tag der Sachsen· in Limbach-Oberfrohna (Sachsen) auf Maskottchen "Limbo"
In ihren Hexenkostümen treffen Julia (l) und Pauline von der Erlebniswelt Seilbahnen Thale im Harz beim 25. ·Tag der Sachsen· in Limbach-Oberfrohna (Sachsen) auf Maskottchen "Limbo"
Kopfüber am Stand des ADAC.
Kopfüber am Stand des ADAC.

Umzug zum TdS

Ministerpraesident Stanislaw Tillich und seine Frau Veronika verfolgen den Festumzug durch die Stadt
Ministerpraesident Stanislaw Tillich und seine Frau Veronika verfolgen den Festumzug durch die Stadt

„Herzlich willkommen“ haben Einwohner in grün-gelber Schrift auf ein Bettlaken geschrieben und es aus dem Fenster gehängt. An vielen Häusern flattern Wimpel. Für Limbach-Oberfrohna ist der Sachsentag das Ereignis des Jahres. Zwölf Monate hat man sich hier auf das Megaevent vorbereitet. 800  Helfer sind das Wochenende über im Einsatz, mit dem Ziel, allen Besuchern ein paar schöne Stunden zu bescheren. Bei der Truppe aus dem Shuttle-Bus klappt das gleich ganz gut. Mit einem zünftigen „Jetzt geht`s los“ schwingen sie sich von den Sitzen, als der Fahrer hält. Aus der Ferne scheppert Blasmusik. 14 Bühnen und 15 Festmeilen liegen vor den Besuchern. Im Laufe des Tages sollen sie sich so sehr mit Menschen füllen, dass am Abend einige Bereiche abgesperrt werden müssen.

Gar nicht genug Besucher sind dafür gegen Mittag im Spielezelt gefragt. „Wir brauchen noch dringend Teilnehmer“, ruft eine Helferin. Immerhin geht es hier um etwas. Der Weltrekord im „Mensch, ärgere dich nicht“-Spielen soll aufgestellt werden: 1 000 Menschen, die gleichzeitig um die Wette würfeln. Doch ausgerechnet das Spiel, das die Aufforderung zum Spaß haben im Namen trägt, sorgt bei den Spielern kurzzeitig für Entrüstung. Rausschmeißen ist keine Pflicht, und am Anfang darf man nicht dreimal würfeln, erklärt der Regelvorleser. Viele im Zelt kennen das von zu Hause aber anders. Buhrufe und Pfiffe folgen. Ein richtiger Grund zum Ärgern ist das aber am Ende doch nicht. Immerhin schaffen die Besucher ihren Rekord. Auch deshalb, weil viele Schüler aus Limbach tags zuvor extra schulfrei hatten, damit sie beim Rekordwürfeln dabei sind. Jeder hilft, wo er kann. Neben vielen Familien mit Kindern haben sich auch ein paar Ältere zum Spielen überreden lassen. Mit Brettspielen können sie ohnehin mehr anfangen als mit Pokémon Go. „Das ist viel kommunikativer“, findet ein Rentner aus Limbach.

Während die einen Gefallen am Spielen haben, brüllen sich andere Festbesucher lieber an. Warum? „Weil wir alle einen Klatsch haben“, sagt Uwe Völkel. Er ist der Hauptmann der Wolkenburger Landsknechte. Die Truppe stellt den Dreißigjährigen Krieg nach. Das derbe Schreien gehört dazu. „Wir sind hart im Nehmen“, sagt der Hauptmann. Am Rande des Festgebiets hat die Gruppe ein Zeltlager aufgeschlagen. Sie sind einer von 409 Vereinen, die sich beim Tag der Sachsen vorstellen. Außerdem haben 80 Händler und 91 Gastronomen ihre Stände aufgebaut.

An fast jeder Bude hängt ein Hinweis auf die Sicherheitszone, in der man sich befindet. Damit Sanitäter und Polizei im Notfall sofort wissen, wo sie hin müssen. Die Besucher bekommen vom umfangreichen Sicherheitskonzept aber so gut wie nichts mit. Rucksack- und Taschenkontrollen gibt es kaum. Nur im Zelt der Staatsregierung muss man sein Gepäck an der Garderobe abgeben. Bei vielen Besuchern beschränkt sich das eh auf Tüten voll mit Gratis-Kugelschreibern, Gummibärchen und Werbeflyer. Dass der Tag so reibungslos und fröhlich abläuft, freut auch Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). Der Tag der Sachsen sei ein tolles Gemeinschaftserlebnis, sagt er. Im nächsten Jahr wird das Fest wieder näher an seiner Heimat gefeiert: in Löbau. Und 2018 treffen sich die feierwütigen Sachsen dann in Torgau.

In Limbach-Oberfrohna rollen die Busse noch bis tief in die Nacht zum Parkplatz. Auf der Rückfahrt zieht ein älterer Herr sein Fazit zum Fest: „Naja, ein Waldspaziergang ist erholsamer.“ Stimmt. Aber auch viel weniger aufregend.