merken

Mit Heißdampf gegen den Wildwuchs

Der Friedhof verzichtet bei der Unkrautbekämpfung vollständig auf Chemie. Zeit sparen lässt sich damit aber nicht.

© André Braun

Von Tim Blumenstein

Roßwein. Auf dem Roßweiner Gottesacker wird dem Unkraut jetzt der Kampf angesagt – und das mit Volldampf. Für stolze 32 000 Euro wurde dafür eigens ein spezielles Heißdampfgerät samt Fahrzeug angeschafft. Eine große Investition für den kleinen Friedhofsbetrieb, der allein für die finanziellen Mittel aufkam.

Anzeige
Riesa im Shopping-Glück
Riesa im Shopping-Glück

Click-and-Collect in der Elbgalerie Riesa - hier wächst und gedeiht die Freude auf einen neuen Einkaufs-Frühling!

Ob sich dies lohnt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. „Mit der Anschaffung haben wir uns ein bisschen aus dem Fenster gelehnt“, erzählt Friedhofsmeister Matthias Fritz. „Doch der Umwelt zuliebe haben wir uns dafür entschieden“, so Fritz weiter. Denn statt wie viele andere Betriebe auf den Einsatz von chemischen Unkrautmitteln wie etwa Herbizide zu setzen, wollen die Mitarbeiter des Friedhofs ihre Grünflächen nicht unnötig belasten. Auch alternative Methoden wie das Abflammen oder das Beseitigen per Hand, kamen für die Anlage am Gottesacker nicht infrage. Dafür sei die zu bearbeitende Fläche, die in etwa so groß ist wie drei Fußballfelder, zu groß. Außerdem wäre das Jäten per Hand bei all den anderen Arbeiten, die auf einem Friedhof anfallen, für die zwei Vollzeitmitarbeiter zeitlich nicht zu stemmen.

So soll es jetzt die neue Dampfmaschine richten. Dabei ist die Arbeit mit der Anlage nicht weniger zeitaufwendig wie herkömmliche Methoden. Knapp eineinhalb Wochen brauchen Matthias Fritz und sein Mitarbeiter, um den gesamten Friedhof zu behandeln. Dieser Vorgang müsse, so schätzt Fritz, vier bis fünf mal im ersten Jahr wiederholt werden, um ein schnelles Nachwachsen des Unkrauts zu verhindern. In den folgenden Jahren sei die Prozedur dann noch zwei bis drei mal notwendig, sagte Fritz.

Im Allgemeinen erfreut sich die umweltschonende Heißdampfmethode wachsender Beliebtheit. Auf den ersten Blick ist das Prinzip dabei so einfach wie wirkungsvoll. Der heiße Wasserdampf wird direkt auf die Pflanze gesprüht. Dies sorgt dafür, dass die Zellen des Unkrauts zerstört werden. Schon kurze Zeit später verfärbt sich die Pflanze dunkel, vertrocknet und zerfällt schließlich. Wiederholt man diesen Vorgang, wird auch das Nachwachsen gehemmt. Bei dieser Technik wird gänzlich auf den Einsatz chemischer Wirkstoffe verzichtet.

Doch ob diese Methode in der Praxis wirklich dauerhaft zuverlässig funktioniert, muss sich in Roßwein noch zeigen. Denn die Maschine ist erst seit knapp zwei Wochen im Einsatz. „Jetzt müssen wir erst einmal die ersten Einsätze abwarten und Erfahrung sammeln“, sagt Fritz. Durch die späte Lieferung der Maschine habe man zusätzlich noch einiges an Mehraufwand nachzuholen, erzählt er.Mit der neuen Anlage übernimmt der Friedhof in gewisser Weise eine Vorreiterrolle in der Region. Als erster Friedhofsbetrieb setzen die Roßweiner in der Unkrautbekämpfung voll auf Wasserdampf. Und die Technik könnte auch schon bald weiter Schule machen. So habe auch der Friedhof in Mittweida bereits eine Heißdampfmaschine geordert, so Fritz.