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Mit Hip-Hop fing alles an

Das Kuta-Werk Freital bietet jungen Leute eine sportliche Heimat – und feiert auch Erfolge.

© Andreas Weihs

Von Stephan Klingbeil

Die Arme gehen hoch, dann zur Seite, Beine wirbeln im Takt durch die Luft. Plötzlich stoppt die Musik. Kurze Pause, und schon wird es wieder laut im Saal „Grasmücke“ in den Ballsälen Coßmannsdorf. Schon vor Jahrzehnten wurde hier im Freitaler Stadtteil Hainsberg getanzt, nur anders. Jetzt fegen die „Happy Beats“ über das Parkett. Jeden Dienstag trifft sich die Formation mit elf Mädchen und einem Jungen zum Training in dem früheren Gasthof. Hip-Hop heißt ihre Tanzdisziplin.

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© Andreas Weihs

Die Crew ist die jüngste Wettkampftruppe des Vereins Kultur- und Tanzwerkstatt in Freital, auch Kuta-Werk genant. Die neun und zehnjährigen Schüler hatten erst im April ihren Bronze-Platz von 2017 bei der diesjährigen Dance Competition im Elbepark Dresden verteidigen können.

Nun proben die „Happy Beats“ wie weitere Kuta-Gruppen für die Vereinsgala am 3. Juni im Stadtkulturhaus. Trainerin Linda Liebert aus Freital zeigt ihren Schützlingen die Schritte. Die 21-jährige Mediengestalterin ist Jugendwart und seit Anfang an im Kuta-Werk, das 2012 aus dem Verein Windberg Arena hervorgegangen war. Die Veranstaltungshalle war abgerissen worden, der alte Verein stand vor der Auflösung. Die ehrenamtlichen Mitglieder wollten sich weiter im Bereich Kultur engagieren.

Für Kerstin Mager-Baran, die zuvor mit Hip-Hop-Trainerin Ulrike Faber und anderen Mitgliedern wie Linda Liebert das Tanzteam Wilsdruff verlassen hatte, bot sich in Freital die Chance, neu anzufangen. Zusammen mit Ehemann Thorsten Mager, dem Vereinschef, und vielen anderen Mitstreitern wuchs dann etwas zusammen, von dem inzwischen viele junge Leute aus Freital und Umgebung profitieren – das Kuta-Werk. Der Verein besteht seit seiner Neuausrichtung aus drei Abteilungen: die Tanz-, die Kultur-, und die Techniksparte. Letztere organisiert für Feste und andere Veranstaltungen passendes Equipment. „Kultur erleben, gestalten, mitmachen“ ist nicht nur Motto, sondern Programm.

Doch vor allem die Tänzer und ihre zahlreichen Erfolge haben das Kuta-Werk Freital überregional bekannt gemacht. Die Hip-Hop-Gruppen und auch Solisten aus ihren Reihen siegten in den vergangenen Jahren bei zahlreichen Regionalturnieren, errangen Landesmeistertitel und holten auch Goldmedaillen bei Ostdeutschen Meisterschaften. An Deutschen Titelkämpfen nahmen Formationen des Klubs ebenfalls teil.

Die derzeit erfolgreichste von insgesamt 21 Kuta-Formationen sind die „Fresh Beats“. Die jungen Teenager räumten 2017 alles ab, siegten bei vier renommierten Turnieren. Die Tanzgruppe ist aktuell die erfolgreichste Hip-Hop-Jugendformation aus der Region. Nachdem sie aber in diesem Jahr mit Platz drei beim renommierten DDP-Cup, dem größten Hip-Hop und Showdance-Wettbewerb Ostdeutschlands, etwas hinter ihren eigenen Erwartungen zurückgeblieben waren, wollen sie nun wieder angreifen. Dazu bereiten sich momentan auch auf die Streetdance Meisterschaft im Juni in Berlin vor. Wer dort überzeugen kann, gehört bundesweit zu den Besten.

Momentan trainieren durchschnittlich 200 bis 240 Kinder, Jugendliche und auch ein paar Erwachsene in den Kuta-Trainingsgruppen – an mehreren Tagen an fünf Standorten in Freital, Es gibt die Stile Hip-Hop, Jazz Modern Dance, Show Dance, Breakdance und Oriental Dance. Rund 20 Trainer und Assistenten betreuen die Gruppen mit viel Einsatz. Die meisten sind selber in Formationen aktiv oder waren es.

Vor allem, weil „der Spaß am Tanzen im Vordergrund“ stehen sollte, wechselte Spartenleiterin Kerstin Mager-Baran einst von Wilsdruff an ihren Wohnort nach Freital. Schon in ihrer Heimat Saalfeld hatte sie einst als Tanzlehrerin eine schlagkräftige Jazz-Modern-Dance-Truppe aufgebaut. Darauf ist die heute als Leiterin des Soziokulturellen Zentrums Freital tätige 46-Jährige stolz. Und auch im Kuta-Werk wächst seit einiger Zeit das Interesse an Jazz-Modern-Dance. Die Formation „In Fire“ mit Acht- bis Zwölfjährigen und die Jugendtruppe „In Flames“ erfreuen sich eines regen Zuspruches. Beide fahren diesen Sonnabend nach Frankenberg, für die „In Fire“ steht der erste Wettkampf überhaupt an.

„Der Verein entwickelt sich aber immer weiter“, erklärt Kerstin Mager-Baran. Das liege auch an den jungen Trainern, die nachrücken, eigene Erfahrungen einbringen, an den verschiedenen Einflüssen. Früher hätten 80 Prozent der Formationen Hip Hop getanzt, inzwischen machen sie „nur“ noch die Hälfte aus. „Stile vermischen sich, sind nicht mehr klar zu unterscheiden“, sagt sie. „Das ist ein normaler Prozess.“