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Mit Hochdruck gegen verstopfte Kanäle

Spezialtechniker holen Dreck aus Prohliser Abwasser-Rohren. In anderen Stadtteilen haben sie viel schwierigere Fälle.

© SZ/Peter Hilbert

Von Peter Hilbert

Dienstagmorgen am Ostende der Trattendorfer Straße. Hier im Herzen von Prohlis stehen Alexander Würzburg und Denis Jurk von der Stadtentwässerung Dresden vor ihrem orange leuchtenden Reinigungsfahrzeug. Nach einem Jahr ist der Kanal wieder an der Reihe, durch den das Abwasser aus dem gesamten Prohliser Plattenbaugebiet in Richtung Klärwerk Kaditz fließt. Spezialtechniker Jurk steht am Steuerpult. Langsam lässt der 27-Jährige den Hochdruckschlauch in den Schacht hinab. „Gib noch ein Stück“, ruft sein 39-jähriger Kollege, der den faustdicken Schlauch im Blick hat, bis er in fünf Metern Tiefe den Kanal erreicht hat.

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Jetzt folgt der viel dickere Saugschlauch seinem Vorgänger hinab. Nur im Duo können sie den Kanal von Schmutz und Dreck befreien. „Jetzt geht es los“, erklärt Spezialtechniker Würzburg. Jurk schaltet mit einem kleinen Hebel das Wasser und am grünen Knopf den Hochdruck zu. Mit bis zu 100 Bar drückt sich der Schlauch jetzt durchs Rohr. Möglich machen‘s die nach hinten gerichteten Düsen an seinem Kopf, sodass er sich mit Hochdruck nach vorn bewegt, 37 Meter, 38, 39 und 40 Meter zeigt die Digitalanzeige am Steuerpult binnen weniger Sekunden.

58 Meter – der nächste Schacht ist nach wenigen Minuten erreicht, jetzt beginnt die eigentliche Reinigung in Fließrichtung des Abwassers, erläutert Würzburg. Langsam zieht die Hydraulikwinde den Schlauch zurück. Sogleich schaut Würzburg in den Schacht. Das Wasser rauscht. Ein gutes Zeichen, dass unten kein Dreckberg liegt, hinter dem sich das mit Hochdruck in den Kanal gepumpte Wasser staut. Währenddessen rauscht es – vom Vakuum beflügelt – durch den Saugschlauch in die Schmutzkammer des 8 000-Liter-Tanks auf dem Spezialfahrzeug. Allerdings ist nur die knappe Hälfte für Schlamm, Sand, Kies & Co. bestimmt. Rund 4 500 Liter sind für sauberes Spülwasser reserviert.

Über ein Filtersystem erhält diese Kammer immer wieder Nachschub. Das Herzstück – der ein Meter lange Drehfilter. „Der sieht wie eine große Lockenbürste mit kleinen Löchern aus“, erzählt Würzburg. So wird verschmutztes Wasser permanent gereinigt. Allerdings gibt es auch Grenzen. Deshalb hat Spezialtechniker Jurk eine große Glasröhre im Blick, den Füllstandsanzeiger. „Die Schmutzkammer ist gleich voll“, erklärt er. Also schaltet Jurk mit einem Knopfdruck die Vakuumpumpe ab, unterbricht das Absaugen. Währenddessen hat der Drehfilter kräftig zu tun. Nach wenigen Minuten ist wieder genug Luft im Schmutzkessel, so kann Jurk den Saugschlauch zuschalten.

Eine knappe halbe Stunde ist vorbei. Der Kanalabschnitt, den Würzburg fachmännisch Haltung nennt, ist sauber. Weiter geht‘s zum nächsten Stück. „Für die gesamte Trattendorfer Straße brauchen wir etwa zwei Tage“, sagt der Spezialtechniker.

„Wenn wir nicht regelmäßig reinigen würden, könnte sich der Kanal zusetzen und im Extremfall verstopft sein“, nennt er die Konsequenz. So gut wie hier in Prohlis funktioniert es jedoch nicht überall. Zwar hat die Stadtentwässerung bereits einen Teil des Kanalnetzes saniert. Allerdings gibt es noch einige Problemstellen. „Es gibt Senken, wo sich das Wasser staut. Da lagern sich oft Sand, Kies und Fett ab“, berichtet Würzburg. Da muss das Reinigungsteam öfter ran. So eine Senke ist auf der Johannstädter Pfeifferhannsstraße. Dort wird im Vierteljahres-Rhythmus gespült.

Einen besonders extremen Fall gibt es auf der Johannstädter Lortzingstraße. Dort sind bei der Sanierung von Häusern Farbstoffe und Bitumen ins Kanalsystem gekommen. Jetzt liegen teilweise Bitumenschollen im Abwasserrohr. Also müssen die Spezialtechniker bei der Reinigung mit dem Spülschlauch hin und her und sogar selbst in den Schacht hinuntersteigen, um die Schollen herauszuholen, hinter denen sich der Dreck sammelt. Im Gegensatz zur Trattendorfer Straße kann die Reinigung so eines Kanalabschnitts zweieinhalb Stunden dauern, also die fünffache Zeit.

Schwierig sei es auch, wenn sich ein großer Dreckberg im Kanal aufgehäuft hat, wie kürzlich auf der Pillnitzer Landstraße. Bei einer Nachtschicht hatte es das Filtersystem des Spezialfahrzeugs nicht mehr geschafft, das abgesaugte verschlammte Wasser zu reinigen. In solchen extremen Fällen hilft nur eins: Einen Schlauch an den Hydranten anschließen und so für den nötigen Frischwasser-Nachschub sorgen. „Wir haben eben viele kleine Tricks“, sagt der Spezialtechniker schmunzelnd.