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Mit Pauken und Trompeten durch Afrika

Von Amerika bis Fernost: Das Riesaer Bläserensemble gibt weltweit Konzerte. Nun waren die Musiker in Namibia.

© Sebastian Schultz

Von Luca Sing

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Riesa. Posaune und Baritonhorn liegen schon wieder geputzt auf dem Tisch. Jetzt haben die Musiker des Bläserensembles Zeit, sich auf dem Laptop die Bilder der jüngsten Orchesterreise nach Afrika anzusehen. Sie sind seit zwei Wochen wieder in Riesa – einige Tage, bevor auch die letzten Instrumente wieder in Deutschland gelandet waren. Aufgrund von Flugausfällen hatte sich die ohnehin schon 17 Stunden dauernde Flugzeit um einiges verlängert.

In Namibia gaben die Riesaer neun Konzerte © privat

Im Reisegepäck war alles mit dabei: von der Querflöte, über Fagott und Waldhorn bis hin zu einem kleinen Paukensatz. „Den haben wir in präparierten Regentonnen transportiert“ sagt Alexander Gruhl, der Schlagzeuger des Ensembles. „Alles eine Frage des Einfallsreichtums.“ Die Instrumente haben die Reise nahezu unbeschadet überstanden. „Bis auf kleine Probleme mit einer Posaune und den Pauken“ sagt der Schlagzeuger.

Die Vorbereitung für die Reise war lang: Ein Jahr vorher ging es mit der Visa-Beantragung und der Organisation los. Viel Unterstützung kam dabei von der Familie Raddatz, die Kontakte nach Namibia pflegt. „Ohne sie und ihre Organisation vor Ort wäre die Reise nicht möglich gewesen“, sagt Wolfgang Haufe, der Leiter des Bläserensembles. Große finanzielle Unterstützung bekamen die Riesaer Musiker von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

Neben der bürokratischen Vorbereitung war viel Probenarbeit nötig. Ein halbes Jahr arbeiteten die Musiker intensiv an den Stücken für das Programm der neun Konzerte. Kurz vor der Reise trafen sie sich jede Woche – auch wenn die Mitglieder aus ganz Sachsen anreisen. „Da war die Koordination nicht einfach“, so Haufe. Es sei überhaupt schwer, passende Musiker für das Ensemble zu finden. Das Ausbilden der Musiker übernahm der Leiter in der 20-jährigen Geschichte des Ensembles oft selbst. „Wie es in der Zukunft weitergeht, weiß niemand so genau“, sagt der 69-Jährige. Denn seine Ära als Dirigent geht zu Ende.

Nicht nur die musikalische, sondern auch die geschichtliche Bildung war Haufe immer wichtig. So ist die Untermalung der Gedenkveranstaltungen in der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain ein fester Bestandteil des Konzertkalenders. Während der Orchesterreisen gehört auch immer ein Kulturprogramm dazu. In Namibia reichte die Zeit jedoch oft nur für einen kleinen Stadtrundgang.

„Wir waren nicht auf Erholungsfahrt“, sagt Ensembleleiter Haufe. Man sei des Öfteren um sieben Uhr losgefahren, und wenn man nachmittags angekommen war, blieben manchmal nur zwei Stunden, um durchzuatmen. Dann begann schon das Konzert. Der Erlös der Auftritte ging an die „Autism Association of Namibia“, ein Verband, der sich für autistische Kinder und Erwachsene in Namibia einsetzt. Haufe hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt: „Autismus wird in Namibia viel zu wenig beachtet. Deshalb unterstützen wir die Gesellschaft, damit sie mehr Projekte für autistische Kinder verwirklichen kann“.

Einzig an drei Tagen standen die Musiker dafür nicht auf der Bühne. Namibia, die ehemalige deutsche Kolonie „Südwestafrika“, ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland. So reiste das Ensemble insgesamt 4 000 Streckenkilometer im Bus – und das größtenteils auf Schotterpisten. Nicht nur die Landschaft, sondern auch die Speisekarte bot einiges an Abwechslung zu hiesigen Verhältnissen: So kam auch einmal Steak von der Oryxantilope mit Kartoffelbrei und Rote-Bete-Salat auf die Teller.

„Die Temperaturen stiegen tagsüber regelmäßig auf über 35 Grad. Man hat jedes Stückchen Schatten ausgenutzt, das man finden konnte“, erinnert sich Nicolle Gross, eine der Flötistinnen des Bläserensembles. „Auch wenn es in den meisten Konzertsälen eine Klimaanlage gab, war es dennoch sehr drückend.“ Alle sind froh, dass die Reise ohne größere Zwischenfälle verlief. „Das einzige Problem war einmal eine Maus in einem Koffer. Die Kleider der Besitzerin hatten dann einige Löcher, aber das ist ja kein Weltuntergang“ lacht die Musikerin.

Das Bläserensemble hat jedenfalls auch die Konzerte dieser Reise mit Bravour absolviert. Damit haben sie die Bekanntheit Riesas in der Welt weiter gesteigert. Denn dem weit gereisten Ensemble unter Wolfgang Haufe ist es zu verdanken, dass im Riesaer Rathaus regelmäßig Post mit lobenden Worten einging, sogar von Diplomaten aus Chile und Israel. Bei den Musikern bleibt jedenfalls die Erinnerung an eine weitere unvergessliche Konzertreise.