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„Mit Talent und Ideen“

Thomas Zenker tritt zur OB-Wahl im Juni an. Im SZ-Gespräch sagt er, was er für ein Mensch ist und was ihn antreibt.

© SZ Thomas Eichler

Von Mario Heinke

In der Soziokultur ist Thomas Zenker kein Unbekannter. Als Stadt- und Kreisrat der neuen Wählervereinigung „Zittau kann mehr“ (ZKM) schnuppert er seit Mai 2014 auch kommunalpolitische Luft. Nun tritt der Fraktionschef als OB-Kandidat an.

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Herr Zenker, warum wollen Sie Zittauer Oberbürgermeister werden?

Seit ich 2009 aus Berlin zurückgekommen bin, ärgert mich die schlechte Stimmung in unserer Stadt. Um das zu ändern habe ich mit Gleichgesinnten „Zittau kann mehr“ gegründet. Ich möchte erreichen, dass Zittau wieder das echte Mittelzentrum der südlichen Oberlausitz wird.

Welche Eigenschaften machen Sie zu einer Führungskraft für ein so großes Haus wie die Zittauer Stadtverwaltung?

Ich habe zwei Studiengänge abgeschlossen, die sich genau darauf beziehen was Führung bedeutet: Kommunizieren und Managen. Außerdem kann ich gut Menschen motivieren und hinter einem Ziel vereinen. Das sind die Voraussetzungen, um Verwaltung und Stadtrat voran zu bringen und die Bevölkerung mitzureißen.

Sie haben lange studiert aber keine praktischen Erfahrungen in Führungspositionen ...

Das ist so nicht richtig. In Berlin war ich Selbstständiger und habe internationale Führungskräfte auf den deutschen Markt und Besonderheiten der Personal- und Verhandlungsführung vorbereitet. In Zittau trage ich seit drei Jahren Verantwortung für andere Mitarbeiter. Übrigens bin ich Vorsitzender einer ernstzunehmenden politischen Kraft in Zittau.

Bei der Abstimmung zur Verkehrsregelung auf dem Markt hat ZKM sowohl für als auch gegen die Vorlage gestimmt und eine Abgeordnete hat sich enthalten? Haben Sie Ihre Fraktion im Griff?

Dass es innerhalb der Fraktion unterschiedliche Ansichten zu einem Thema gibt, ist doch legitim. Wir haben auch keinen Fraktionszwang, so verstehen wir Demokratie. Außerdem halte ich das Thema Marktplatz nicht für so wichtig, um eine einheitliche Linie zu erzwingen. Den beschlossenen Kompromiss mögen die einen mehr, die anderen weniger. Mal sehen, wie lange er hält.

Sie sind Projektleiter für politisch-historische Bildung bei der Hillerschen Villa. Was sind dort Ihre Aufgaben?

Das sind zwei Bereiche. Erstens die politisch-historische Bildung für Schüler und die Weiterbildung von Pädagogen und Amtsmitarbeitern. Vereinfacht gesagt unterrichten wir, wie unsere Demokratie entstanden ist und wie sie funktioniert. Zweitens koordiniere ich ein Förderprogramm für den Landkreis, das Vereinen Projekte zu ähnlichen Themen finanziert.

Welche Schwächen haben Sie?

Ich steige fachlich oft so tief in ein Thema ein, dass mir am Ende manchmal die Zeit wegläuft.

ZKM ist mit dem Anspruch angetreten „mehr zu können“?

Wir haben nie behauptet alles besser zu können. Wir sind in der Realität zu Hause, sind uns aber sicher, dass ganz Zittau zusammen mehr kann.

Gehören Strukturveränderungen in der Stadtverwaltung dazu?

Den anstehenden Generationswechsel in der Stadtverwaltung müssen wir nutzen, um bei jeder Neubesetzung genau zu überprüfen, ob die betreffende Stelle in dem Referat noch benötigt wird.

Nennen Sie drei Projekte, die Sie – wenn Sie OB werden – in Ihrer ersten Amtszeit umsetzen wollen?

Ich werde die grenzüberschreitende Zusammenarbeit aktivieren. Liberec ist uns inzwischen doch viel näher als Dresden, siehe B178n. Die enge Kooperation mit Liberec ist unsere „Achse der Zukunft“. Wir könnten gegenseitig von der Ansiedlung von Unternehmen profitieren. Zittau hat kaum noch freie Gewerbeflächen, die Hochschule und das Internationale Hochschulinstitut (IHI) produzieren gut ausgebildete Fachkräfte. In Liberec wird der Wohnraum knapp. Wenn wir diese Potenziale zusammenbringen, auch in der gemeinsamen Wirtschaftsförderung, wird es für Investoren hochinteressant.

Ihr zweites Projekt?

Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung und die Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft sollen noch enger zusammenarbeiten. Vom Stadtmarketing haben sich viele Zittauer mehr versprochen, inzwischen ist der Mitarbeiter für Stadtmarketing zum Pressesprecher geworden. Wann soll er sich ums Marketing kümmern? Auch die Wirtschaftsförderung muss personell und finanziell besser ausgestattet werden. Die drei Bereiche prägen neben der politischen Arbeit des Oberbürgermeisters und der touristischen Werbung Zittaus Außenwahrnehmung entscheidend. Potenzielle Investoren oder Einwohner schauen sehr genau hin, wie das Klima am Standort ist.

Was soll die Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft anders machen?

Die Stadtentwicklungsgesellschaft (ZSG) hat vor allem im Sanierungsbereich unglaublich viel erreicht. Dennoch möchte ich das Konzept dieser wie auch das der anderen städtischen Gesellschaften überprüfen. Deren Ziele müssen von Oberbürgermeister und Stadtrat vorgegeben werden. So könnte die ZSG gemeinsam mit der Wohnbaugesellschaft denkmalgeschützte Gebäude sanieren. Sie haben den Zugriff auf die Immobilien. Wir brauchen mehr Einwohner, also müssen attraktive Angebote für junge Familien her.

Und das dritte Projekt?

Wir haben über 2 000 Studenten in der Stadt, die nach dem Studium die Stadt verlassen. Wir müssen Bedingungen schaffen, damit mehr Absolventen der Hochschule und des IHI in Zittau bleiben. Deren Studienrichtungen passen in vielen Fällen zur ortsansässigen Industrie. Wir müssen eine gründerfreundliche Atmosphäre schaffen und einen Gründerfonds auflegen. Und wer nicht hierbleiben kann oder will, der soll wenigstens von der tollen Stadt Zittau schwärmen.

Gehört es zu den Aufgaben der Stadt einen Gründerfond aufzulegen?

Nein, nicht die Stadt allein. Ich denke da an eine Zusammenarbeit mit den Kammern, regionalen Unternehmen und dem Landkreis. Am Internationalen Hochschulinstitut gibt es bereits eine Stiftungsprofessur, die ähnlich finanziert wird. Ich denke, dass sollte doch auch für Absolventen möglich sein.