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Mit Trillerpfeife und Sirene für mehr Geld

Lehrer der Kreismusikschule haben in Zittau wiederholt für einen Tarifvertrag gestreikt – und hoffen nun auf Unterstützung.

© Rafael Sampedro

Von M. Sefrin u. M. v. Appeldorn

Zittau/Oberlausitz. Michael Kopp gibt sich auf dem Zittauer Markt kämpferisch. „Wir werden einen langen Atem brauchen. Doch den haben wir“, sagt der Mann von der Gewerkschaft Verdi. Gemeinsam mit 15 Musiklehrern der Kreismusikschule Dreiländereck hat Kopp am Dienstagnachmittag vor dem Zittauer Rathaus für eine bessere Bezahlung der Musikschullehrer demonstriert – gut sichtbar mit Plakaten und Bannern, gut hörbar mit Trillerpfeifen und Handsirene.

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Wie schon früher in Weißwasser, Löbau und Görlitz hatte Verdi die gewerkschaftlich organisierten Musiklehrer von allen Schulstandorten zum Warnstreik aufgerufen. Der Streik wird an diesem Mittwoch fortgesetzt. In Zittau haben sich Gewerkschaftsvertreter und Musiklehrer dabei nicht ohne Grund getroffen: „Wir wollen mit Oberbürgermeister Thomas Zenker über die Ungerechtigkeit der Bezahlung der Kreismusikschullehrer sprechen und ihn um Unterstützung für unser Anliegen bitten“, sagt Michael Kopp.

Dieses Anliegen ist aus Sicht des Gewerkschafters, das den Lehrern der Kreismusikschule ein Haustarifvertrag – angelehnt an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) – seitens des Landkreises Görlitz verweigert wird. Schlimmer noch: „Landrat Bernd Lange blockiert als Gesellschafter der Musikschule sogar Gespräche über einen Haustarifvertrag“, so Kopp. Er beklagt Ignoranz und Respektlosigkeit seitens des Landratsamtes. Der Landkreis ist über die kreiseigene Kultur- und Weiterbildungsgesellschaft (Kuweit) in Löbau Träger der Kreismusikschule. Kopp ist überzeugt: „Die Arbeitgeber wollen das Problem offensichtlich aussitzen.“

Die schlechte Bezahlung ist ein großes Problem, sind sich die in Zittau erschienenen Musiklehrer und der Gewerkschaftsvertreter einig. „Die Lehrer an der hiesigen Kreismusikschule sind alles hoch qualifizierte Leute, verdienen aber bis zu 30 Prozent weniger als Musikschullehrer mit Tarif. Und die Gehaltsschere geht immer weiter auseinander“, sagt Michael Kopp. Das macht sich auf vielfältige Weise bemerkbar: Die Lehrer bekommen jetzt weniger Geld, aber auch später bei der Rente. Dadurch fehlt wiederum Geld, das in der Region ausgegeben werden könnte, so Kopp. Und er verweist auf ein weiteres Problem: „Den Musikschulen rennen die Lehrer weg, unter anderem an staatliche Schulen, wo sie deutlich mehr verdienen können.“

Darum setzt die Gewerkschaft auch auf die Strategie, an den Standorten der Kreismusikschule öffentlich für Aufmerksamkeit zu sorgen. Das gewünschte Gespräch mit Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) kommt jedenfalls kurzfristig und unkompliziert zustande. Zenker, der auch im Görlitzer Kreistag sitzt, verspricht, sich für das Anliegen einzusetzen und den Gesprächswunsch der Lehrer über einen Haustarifvertrag in den Kreistag mitzunehmen. „Ich kenne aber auch die Haushaltslage des Landkreises und kann darum keine goldenen Brücken versprechen. Irgendwo muss das Geld ja herkommen“, sagt Thomas Zenker. Von anderer Seite können die Musikschullehrer dagegen kaum Unterstützung erwarten. Sie haben ihre Situation und ihre Forderungen nämlich auch in einem Brief dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) geschildert. Dieser antwortete auf Nachfrage der Sächsischen Zeitung: „Es ist vollkommen in Ordnung, wenn die Musikschullehrer für ihre Interessen kämpfen. Der Freistaat Sachsen hat die Förderung für die Musikschulen im Land immer wieder angehoben. Über die konkrete Verwendung entscheiden die Landkreise.“

Bei vielen Eltern von Musikschülern finden die Musiklehrer mit ihren Forderungen aber Unterstützung. Zum Beispiel bei Sabine Zahn aus Großschweidnitz. Sie ist Mutter zweier Kinder, die dank der Musikschule seit vielen Jahren sehr erfolgreich Akkordeon spielen und Preise abräumen. Sie sagt: „Ich habe das vollste Verständnis für die Musiklehrer, die seit vielen Jahren schlecht bezahlt werden.“ Schlimmer wäre es aus ihrer Sicht, die Lehrer würden nichts sagen und einfach an allgemeinbildende Schulen wechseln, wo sie wesentlich besser bezahlt werden. Sabine Zahn hat das erlebt: „Die Musiklehrerin unserer Kinder ist vor einem halben Jahr an eine solche Schule gewechselt, und die Kreismusikschule findet kaum geeigneten Ersatz. Wir haben das Glück, dass diese Lehrerin unsere Kinder weiter auf Honorarbasis unterrichtet. Aber viele Kinder mussten genau aus diesem Grund den Musiklehrer wechseln.“

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Sven Rössel, der Leiter der Kreismusikschule, sieht dagegen Probleme bei einer Bezahlung der Lehrer nach Tarif. Er glaubt, das würde eine Angebotseinschränkung und eine Erhöhung der Entgelte zur Folge haben. „Das Geld für eine bessere Bezahlung haben wir einfach nicht. So sehr auch wir uns das wünschen würden“, so Rössel.