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Bautzen

Mit Wut gegen den Klimawandel

Etwa 400 Jugendliche nahmen an der ersten Fridays-for-future-Demonstration in Bautzen teil. Es war ihr Tag.

Etwa 400 Schüler aus Bautzen und Umgebung haben am Freitag für eine nachhaltigere Klimapolitik demonstriert. Sie zogen vom Theaterplatz über die Karl-Marx-Straße bis zum Rathaus.
Etwa 400 Schüler aus Bautzen und Umgebung haben am Freitag für eine nachhaltigere Klimapolitik demonstriert. Sie zogen vom Theaterplatz über die Karl-Marx-Straße bis zum Rathaus. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Schultern nach vorne gestreckt steht Aina Vorberger vor dem Reichenturm. Mit jedem Wort scheint sie größer zu werden. Die roten Haare wippen im Takt ihrer Worte, die breiten Dr.-Martens-Stiefel stehen immer fester auf dem Boden. Kraft liegt in ihrer Stimme: Die 16-Jährige ist wütend. „Es muss sich etwas ändern“, ruft sie ins Mikrofon, die Betonung legt sie auf das Wort „muss“. „Die Durchschnittstemperatur ist um einen Grad angestiegen“, sagt sie, „wir können nicht sagen: Machen wir weiter so“, ruft sie laut.

Aina Vorberger ist eine der Organisatorinnen der ersten Bautzener Fridays-for-future-Demonstration. Gerade spricht sie zu den Teilnehmern, denn sie ist nicht die Einzige, die wütend ist. Etwa 400 Jugendliche sind laut Polizeiaussage zu dem Protest gekommen. Das sind deutlich mehr als bei dem ersten Protest im Nachbarkreis Görlitz. Dort demonstrierten im März etwa 250 Schülerinnen und Schüler für eine nachhaltigere Klimapolitik.

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Nun also auch in Bautzen. Der Grünen-Kreistagskandidat Jonas Löschau hat die Demonstration gemeinsam mit Schülerinnen des Schiller-Gymnasiums organisiert. Wenn er spricht, schlägt er mit der Faust in die Luft. Immer wieder stimmt er an: „Wir sind jung, wir sind laut – weil ihr uns die Zukunft klaut!“ Die Jugendlichen stimmen ein. Sie halten Schilder in den Händen, auf denen Dinge stehen, wie: „Die größte Bedrohung für unseren Planeten ist der Glaube, dass jemand anderes ihn retten wird“, „Weniger Plastik ist Meer“ oder „Das Klima ist aussichtsloser als unser Mathe-Abi“. Ein Schild zeigt eine Weltkugel, auf die ein Uhrzeiger gemalt ist: „Die Uhr tickt.“

Was die Schüler stört

Ganz vorne laufen Emma und Helena mit. „Auch unsere Nachkommen sollen doch was von unserer Welt haben“, sagt die elfjährige Emma vom Philipp-Melanchthon-Gymnasium. „Wir wollen, dass das Klima wieder mehr geschützt wird“, erklärt ihre ebenfalls elf Jahre alte Freundin Helena. „Uns ist das wichtig“, fügt sie hinzu. Vielen geht es heute um das Insektensterben. Eine Schülerin stört sich an begradigten Flüssen, die Hochwasser begünstigen. Eine andere erzählt von Eisbären und schmelzenden Eisbergen. Wiederum andere Teilnehmer erzählen von dem vielen Müll, den unsere Gesellschaft produziert.

„Diese Demo, das ist die Möglichkeit auch für Jüngere, sich einzumischen“, erklärt Nele, Abiturientin des Schiller-Gymnasiums. „Ich habe meine Wahl-Unterlagen im Rucksack. Aber viele dürfen eben noch nicht wählen, und die Erwachsenen sollen wissen, dass uns die Umweltpolitik wichtig ist“, sagt sie.

Was sich jeder fragen sollte

Tatsächlich ist Bautzen an diesem Tag bei Weitem nicht die einzige Stadt, in der Schülerinnen und Schüler auf die Straße gehen und für eine nachhaltigere Klimapolitik protestieren. Für diesen Tag hat die Fridays-for-future-Bewegung besonders viele Proteste angekündigt. In über 120 Ländern seien demnach mehr als 1.600 Kundgebungen geplant. Allein in Deutschland gehen die Jugendlichen laut der Bewegung in über 200 Städten auf die Straße. Anlass sind die ausstehenden Europawahlen. Viele der jungen Demonstranten, die noch nicht wählen dürfen, wollen ein Zeichen setzen.

So auch Aina Vorberger. „Jeder muss sich fragen: Brauche ich dieses neue T-Shirt wirklich?“, ruft sie ins Mikrofon. Muss ich wirklich von Mutti im Auto zu meiner Verabredung gebracht werden oder tut es nicht auch das Rad? Und will ich mein Getränk wirklich aus einem Plastebecher trinken? Aina Vorberger stellt diese Fragen – und erntet Getröte und Pfeifen. Nein, den Jugendlichen ist nicht egal, was mit dem Klima passiert – und mit ihrer Zukunft. 

Als der AfD-Bundestagsabgeordnete Karsten Hilse auftaucht, der dafür bekannt ist, den menschengemachten Klimawandel zu leugnen, diskutieren einige mit ihm. Auf einen Nenner kommen sie nicht. „Das ist unser Tag“, erklärt Nele. Sie und auch die anderen sind sich einig: Es geht um ihre Zukunft, jetzt wollen sie auch mal mitreden.


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