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Mitfiebern bis zum Schluss

Das Ausscheiden des DFB-Teams verfolgen Tausende gebannt vor dem Fernseher – mit Folgen für den Wasserverbrauch.

© Sven Ellger

Von Tobias Winzer

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Freital/Dippoldiswalde. Auf diesen Donnerstagabend haben die Menschen rings um Freital und Dippoldiswalde wohl seit Tagen hingefiebert: Deutschland steht im Halbfinale der Fußball-Europameisterschaft. Für den Einzug ins Finale muss die Elf Frankreich bezwingen – eine spannende Angelegenheit, die kein Fußballfan verpassen wollte. Spätestens ab 21 Uhr waren die Straßen leer gefegt. Die Mitarbeiter der hier zuständigen Wasserversorgung Weißeritzgruppe (WVW) können den Spielbeginn indes ziemlich genau ablesen – an den Werten des Wasserverbrauchs.

© Grafik: SZ

Ob beim Public Viewing im Biergarten oder vor dem Bildschirm daheim: Sobald das Spiel läuft, geht kaum jemand auf die Toilette, zum Duschen oder gießt gar seine Blumen. Normalerweise misst die WVW die Wassermengen, die ins Trinkwassernetz abgegeben werden, nur alle 15 Minuten. Für die Sächsische Zeitung wurden am Donnerstag am Hochbehälter Schweinsdorf in Freital genauere Daten erhoben (siehe Grafik). Sie entsprechen in etwa den Werten aller anderen Hochbehälter im Versorgungsgebiet. Demnach sinkt die Wassermenge, die vom Wasserwerk an der Talsperre Klingenberg zu diesem Hochbehälter und dann zu den einzelnen Haushalten geleitet wird, ab etwa 20 Uhr von fast 40 Kubikmetern pro Stunde auf etwa zehn Kubikmeter. Während der spannenden ersten Halbzeit, in der Frankreich in der Nachspielzeit ein Tor per Elfmeter erzielt, wird kaum Wasser verbraucht.

Pünktlich zur Halbzeitpause schnellen dann die Werte nach oben – auf wieder mehr als 35 Kubikmeter Wasser. Anschließend wollten wohl ziemlich viele Fernsehzuschauer wissen, ob die deutsche Mannschaft die Partie noch einmal drehen kann. Um 22 Uhr jedenfalls – zum Anpfiff der zweiten Halbzeit – ist der Wasserverbrauch wieder auf sehr niedrigem Niveau. Erst um 23 Uhr, nach dem Abpfiff, steigen die Werte wieder an – allerdings nicht so extrem wie zur Halbzeitpause, dafür aber über einen längeren Zeitraum. Vielleicht wollten einige Zuschauer nach der Niederlage noch das Interview mit Bundestrainer Jogi Löw sehen und verschoben den Gang zur Toilette noch ein wenig.

„Ob die Schwankungen beim Wasserverbrauch mit der Toilettenspülung zusammenhängen, können wir zwar nicht mit Sicherheit sagen, aber wir vermuten das stark“, sagt WVW-Chef Frank Kukuczka und fügt, nicht ganz ernst gemeint, hinzu: „Es sei denn, die Leute mussten sich nach dem nervenaufreibenden Spiel den Schweiß abduschen.“ Die starken Schwankungen im Wasserverbrauch während eines solchen EM-Spiels bringen den Versorger nicht in Nöte. Im Durchschnitt verbraucht jeder Mensch im Verbandsgebiet 82 Liter Wasser am Tag – mit Spitzen am Morgen, am Mittag und am Abend. Der Wasserverbrauch verteilt sich also nicht kontinuierlich auf 24  Stunden. Die Wassermengen, die während eines EM-Spiels mit deutscher Beteiligung gebraucht werden, übersteigen diese Spitzen nicht. Ungewöhnlich ist lediglich, dass sich die Zeiten der extremen Wasserverbräuche etwas verschieben – je nach Anstoßzeit.

„Ich kann mir vorstellen, dass das nach dem Tatort am Sonntag auch der Fall ist“, sagt Kukuczka. Aber gemessen werde so etwas nicht. „Wir sind schließlich nicht dazu da, die Fernsehgewohnheiten der Menschen zu erforschen.“