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Mittendrin – aber nicht dabei

Der Neu-Pirnaer Jannis Bäcker wäre gern der Anschieber von Francesco Friedrich gewesen. Das hat er denkbar knapp verpasst.

© Daniel Schäfer

Von Gunnar Klehm

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Pirna. Wenn in der Nacht zum Sonntag wieder die Fans des Bobsports ins Bootshaus in Pirna zum Public Viewing ziehen, wird auch Jannis Bäcker unter ihnen sein. Dabei wäre er gern woanders, ganz weit weg gewesen. Bäcker gehört als Anschieber seit Jahren zum Bobteam von Francesco Friedrich. 2013 sind sie zusammen zum ersten Mal Weltmeister im Zweier geworden. Verletzungen warfen ihn jedoch zurück. Friedrich war mit anderen erfolgreich. Monatelang hat Jannis Bäcker geschindert, um Anschluss zu finden und an den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang in Südkorea teilzunehmen. Doch kurz vor der Nominierung war dieser Traum geplatzt. In der Endausscheidung lag er wenige Zehntelsekunden hinter seinen Konkurrenten. Im Januar wusste er, dass er raus ist.

Der 33-Jährige stammt aus Unna in Nordrhein-Westfalen und war 2016 extra nach Pirna umgezogen. So war er noch näher am Team. Zusammen quälten sich die Sportler im Kraftraum, an der Bahn in Altenberg und im Sommer auf dem Sportplatz an der Rottwerndorfer Straße in Pirna. „Ich habe mich sogar verbessert“, sagt Bäcker. Gereicht hat es für Olympia dennoch nicht. Dass ihn das wurmt, darüber lässt er niemanden im Zweifel. „Aber alles ist absolut fair gelaufen. So ist es nun mal im Leistungssport“, sagt Bäcker.

Theoretisch wäre sogar noch die Möglichkeit gewesen, dass er für Olympia nachnominiert worden wäre, wenn sich andere Anschieber noch kurzfristig verletzt hätten. Bereit und fit wäre er gewesen. „Das ist dann auch mein Job, auf einen möglichen Anruf zu warten“, sagt Bäcker.

Die Ersatznominierung ist aber komplizierter, als man als Laie denkt. Gerade im Vierer sind nicht nur die Schubleistungen der Kraftpakete entscheidend. Es wird bis ins Letzte ausgetüftelt, wer wo sitzen muss, damit das Gewicht am besten verteilt ist, die Größen zueinander passen. Mit seinen fast zwei Metern Körpergröße gehört Jannis Bäcker zu den größeren Bremsern.

Nun sitzt er also in Pirna vor dem riesigen Bildschirm und fiebert von der Ferne mit seinen Teamkollegen mit. Natürlich schmerze ihn das, nicht selbst mithelfen zu können, nach dem Olympiasieg von Francesco Friedrich und Thorsten Margis im Zweier nun noch im Vierer nach einer Medaille zu greifen. „Aber hier zusammen mit all den Unterstützern und Freunden unseres Sports fällt es mir leichter, das zu ertragen“, sagte er am Montag beim Public Viewing im Pirnaer Bootshaus.

Doch es war nicht alles umsonst. Bäcker ist wie ein Familienmitglied aufgenommen worden. Nicht zufällig sitzt er mit am Tisch der Angehörigen von Francesco Friedrich. „Wir werden in gleicher Besetzung wie am Montag auch die Nacht zum Sonntag verbringen“, sagt Friedrichs Vater Maik. Da sei es auch egal, wie die ersten beiden Läufe im Vierer einen Tag zuvor ausgehen. In der Zweier-Konkurrenz lag Friedrich nach zwei Läufen auch noch auf Platz fünf und kam am Ende ganz nach vorn. Zudem ist mit Nico Walther ja noch ein zweiter Starter aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit dabei, der genauso unterstützt wird. Walther gilt sogar als der größere Favorit auf den Olympiasieg im Vierer.

Public Viewing, Pirna, An der Elbe 11, Einlass 24.2. ab 22 Uhr, 3. Lauf 25.2. ab 1.30 Uhr, Finale ab 3.15 Uhr