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Krankenhaus droht die Pleite

Wenn sich nichts ändert, ist das Unternehmen ab November nicht mehr zahlungsfähig. Jetzt sind die Mitarbeiter gefragt. Die Einschnitte wären erheblich.

© André Braun

Mittweida. Die rund 500 Mitarbeiter der Landkreis Mittweida Krankenhaus (LMK) gGmbH werden in dieser Woche befragt, ob sie bereit sind, „eine Anpassung des Tarifniveaus“ in Kauf zu nehmen. Das teilte Kreissprecher André Kaiser mit. Konkret heißt das: Die Beschäftigten müssen entscheiden, ob sie auf einen Teil ihres Gehaltes verzichten, um der wirtschaftlich angeschlagenen LMK aus der Misere zu helfen. „Die Liquiditätsplanung der Gesellschaft ist nachvollziehbar und plausibel und zeigt auf, dass spätestens mit der Auszahlung der Jahressonderzahlung im November die Kontokorrentlinie nicht mehr ausreicht“, so Kaiser. Heißt: Wenn sich nichts ändert, ist das Unternehmen ab November nicht mehr zahlungsfähig.

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Bisher gilt für das Pflegepersonal der LMK der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD). Nun soll stattdessen ein Haustarifvertrag erarbeitet werden. Der würde jedoch eine Absenkung der Gehälter nach sich ziehen. Vor reichlich zwei Wochen war die Belegschaft über diese Pläne informiert worden. Die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte daraufhin ein Gutachten gefordert, wie es um die finanzielle Lage der LMK bestellt ist.

Dessen Ergebnis liegt nun vor, wie Kaiser informierte. Eine Aussage des Gutachtens sei, „dass das bisherige Tarifniveau über dem Durchschnitt öffentlicher Krankenhäuser in Sachsen liegt“. Eine kurzzeitige Anpassung der Tarife, wie von der Gewerkschaft vorgeschlagen, verlagere zeitlich gesehen das Problem nach hinten und sei nicht nachhaltig, so der Kreissprecher.

Bernd Becker, zuständiger Verdi-Fachbereichsleiter, sagte am Mittwoch auf DA-Nachfrage: „Die durchschnittlichen Personalkosten sind tatsächlich höher. Das hat aber nichts mit einem höheren Tarifniveau zu tun. Stattdessen liegt es daran, dass es viele langjährige Beschäftigte gibt, die natürlich eine höhere Entgeltstufe haben als die jüngeren, neu eingestellten Mitarbeiter.“ Viele der Angestellten hätten bereits die Klinikschließungen in Rochlitz und Frankenberg mitgemacht. „Hiervon sind meist die jüngeren Beschäftigten betroffen und müssen gehen“, nannte Becker eine weitere Ursache.

Gehälter temporär abzusenken bis es der Klinik wieder besser gehe, sei eine denkbare Option. Für kommenden Montag sei von Verdi-Seite eine Infoveranstaltung geplant. „Die Belegschaft würde in so einem Fall freiwillig auf tarifliche Ansprüche verzichten. Deshalb verlangen wir vom Management, dass es dieses Geld auch für die Sanierung des Unternehmens einsetzt“, so Bernd Becker.

An der Helios-Klinik in Leisnig sowie dem Klinikum Döbeln, den beiden Kliniken im Altkreis Döbeln, gelten bereits Haustarifverträge. (DA/sol mit mf)