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Sachsen macht mobil für die Zukunft

Das Thema E-Mobilität fasst im Freistaat Fuß. Forscher arbeiten hier seit Längerem an neuen Ideen. Nun muss der Produktionsstandort nachziehen. Ideen „Made in Sachsen“ gibt es bereits.

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© dpa

Claudia Drescher

Zwickau/Dresden. Was wie eine Designer-Trinkflasche wirkt, bringt mehr Leistung als jeder Energiedrink. Bis zu 105 Kilometer Reichweite schafft der Fahrrad-Elektroantrieb der Firma Pendix. Entwickelt wird der nachrüstbare Bausatz in der Wiege des sächsischen Automobilbaus in Zwickau, produziert wenige Kilometer weiter in Wilkau-Haßlau. Pendix verwandle herkömmliche Fahrräder in ein E-Bike, erklärt Geschäftsführer Thomas Herzog.

Die Firma mit derzeit 31 Mitarbeitern gehört im Freistaat zu den Vorreitern in Sachen neuer Mobilität. „Doch gerade von Automobilseite wurde und wird unsere Idee als Hobby belächelt, dabei ist das Fahrrad besonders im urbanen Raum eine völlig unterschätzte Alternative zum eigenen Auto“, meint Herzog. Bei einem Anschaffungspreis ab 1500 Euro hat das Unternehmen eigenen Angaben zufolge bereits Umsätze im einstelligen Millionenbereich erzielt - dabei ist es erst seit 14 Monaten am Markt.

Auch Friedrich Fahlberg und sein Geschäftspartner Andy Illgen kennen die abschätzigen Blicke und skeptischen Fragen nach Reichweite, Anschaffungspreis oder Ladeinfrastruktur. Die beiden Ingenieure haben die 1923 gegründete Marke Framo wiederbelebt, die später in den VEB Barkas-Werken aufging. In Langenbernsdorf bei Zwickau werden seit 2014 vollelektrische Lkw entwickelt.

„Unsere Framos eignen sich zum Beispiel für die Warenanlieferung in der Stadt oder werksnahe Logistik“, sagt der Unternehmer. Noch gehe es nicht darum, mit einem E-Lkw den klassischen Überlandverkehr zu bestreiten. Die Reichweite von bis zu 250 Kilometern reiche bei vielen Anwendungen aber völlig aus. „Natürlich sind wir im Moment im reinen Anschaffungspreis noch sehr viel teurer“, gibt er zu. Die Erstinvestition sei aber nur die halbe Wahrheit. „Es geht darum, die Ressourcen nicht weiter auszubeuten, ohne über die Konsequenzen nachzudenken.“

Diese Erkenntnis scheint langsam anzukommen. „Sachsen war Automobilland, ist eines und möchte auch zukünftig Automobilland sein“, betont Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Die deutsche Automobilindustrie habe den Trend Elektromobilität in den letzten Jahren bereits ein wenig verschlafen. „Jetzt erlebe ich aber eine neue, ehrgeizige Dynamik, damit Deutschland Weltmarktführer bleiben kann“, so Dulig.

In Sachsen werde seit zehn Jahren über Elektromobilität geredet, jetzt aber wachse der Druck von außen und es komme Bewegung in die Sache, meint auch Dirk Vogel vom Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen (AMZ). Besonders in der Forschung sei Sachsen sehr gut aufgestellt. Demnach beschäftigen sich rund 30 Institute mit diversen Fragen rund um die neue Mobilität.

Allein die Sächsische Energieagentur koordinierte seit 2009 mehr als 30 Projekte zum Thema Elektromobilität, es flossen Fördermittel von rund 50 Millionen Euro. Aktuell gebe es 25 laufende Projekte im Bereich Elektromobilität, die von Bund, Freistaat oder EU gefördert werden, teilt das sächsische Wirtschaftsministerium mit.

„Jetzt muss Sachsen aber auch als Produktionsstandort noch an Bedeutung gewinnen“, sagt Dirk Vogel. Der neue Antrieb berge enorme Innovationschancen. So müssten beispielsweise neue Heiz- und Innenraumkonzepte her - entsprechendes Know-how gebe es im Freistaat. Das kommende Jahr werde entscheidend für das Autoland Sachsen sein, denn viele Entwicklungsaufträge würden in den nächsten zwölf Monaten vergeben.

Auch Lars Koch, Geschäftsführer der Fraunhofer-Allianz Automobilproduktion, in der bundesweit sechzehn Fraunhofer-Institute neue Ideen für die deutsche Automobilindustrie entwickeln, ist optimistisch. „Sachsen hat gute Chancen, sich als Autoland auch in Zukunft zu behaupten beziehungsweise seine Position sogar noch zu stärken.“ Der Freistaat sei gut aufgestellt - angefangen bei der Neuausrichtung der Gläsernen Manufaktur in Dresden, wo ab April 2017 der VW E-Golf vom Band rollen soll, bis hin zur modernsten und größten Batteriefabrik Europas, die Daimler in Kamenz für rund 500 Millionen Euro bauen will.

Noch ist die Mobilitätswende auf den Straßen aber erst im Ansatz erkennbar: Derzeit sind nach Auskunft des Statistischen Landesamts 1051 reine Strom-Fahrzeuge unterwegs, hinzu kommen rund 6 800 Hybrid-Fahrzeuge - das sind zusammen 0,3 Prozent von insgesamt 2,5 Millionen Fahrzeugen. (dpa)