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Modelleisenbahnausstellung kann stattfinden

Das Verbot der Ausstellung an drei Feiertagen wurde vom Sächsischen Ministerium des Inneren aufgehoben, wie der CDU-Landtagsabgeordnete Stephan Meyer bestätigte.

© Rafael Sampedro

Zittau. Karl-Heinz Stange, Schriftführer beim Zittauer Modelleisenbahn-Club, ist hocherfreut, als er erfährt, dass die Modelleisenbahnausstellung wie geplant, also auch am Volkstrauertag, am Buß- und Bettag sowie am Totensonntag ihre Türen öffnen darf. Nach der Berichterstattung der SZ über das drohende Verbot des Landratsamtes erhielt der Verein zahlreiche Anrufe und E-Mails von Modelleisenbahn-Freunden aus ganz Sachsen und Bayern, erzählt er. Die Modellbahner bekundeten ihre Solidarität mit den Zittauern und brachten ihr Unverständnis zum Ausdruck, dass die traditionelle Schau erstmalig nach 19 Jahren an den drei Tagen schließen sollte.

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Zu verdanken hat der Verein die jähe Wendung der Ereignisse dem Landtagsabgeordneten Stephan Meyer (CDU). Er informierte am Freitagnachmittag darüber, dass das Sächsische Innenministerium den Erlass aus dem Jahre 2006, der die besonderen Schutzvorschriften des Gesetztes über Sonn- und Feiertage im Freistaat regelt, aufgehoben hat. „Das Landratsamt Görlitz und das Ordnungsamt werden sich mit dem Verein in Verbindung setzen, sobald diese Information formal zugegangen ist“, so Meyer in einer E-Mail an die SZ. Die Modellbahnausstellung könne somit wie geplant und rechtssicher stattfinden. Der Abgeordnete aus Oderwitz hatte sich beim Innenminister für eine Lösung stark gemacht. „Ich freue mich über die schnelle Entscheidung im Sinne einer Veranstaltung, die aus meiner Sicht mit dem Schutz von Feiertagen vereinbar ist und durch viel ehrenamtliches Engagement erst möglich wird“, so Stephan Meyer.

Im Nachgang wird nun klar, dass die Entscheidung zum Verbot im Landratsamt gefällt worden ist. Der Kreis berief sich gegenüber der SZ auf eine Aufforderung der Landesdirektion Sachsen, die auf eine einheitliche Regelung bei der Durchsetzung des Gesetzes im Freistaat drängte. Die Landesdirektion in Dresden stellte nun klar, das sie nicht zuständig sei. Nach dem Gesetz müssen öffentliche Vergnügungen nicht untersagt werden, sondern sind an diesem Tage per se verboten, sofern nicht ausnahmsweise, bei Vorliegen eines wichtigen Grundes, eine Befreiung erteilt wird, schreibt Pressesprecher Holm Felber sinngemäß und fügt hinzu: „Zuständig für eine solche Befreiungserteilung ist nicht die Landesdirektion, sondern die jeweilige Kreispolizeibehörde.“

Die SZ fragte Pfarrer Ansgar Schmidt von der Evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde St. Johannis Zittau, ob es im Sinne der Kirche sei, einem Verein die Öffnung seiner Ausstellung zu untersagen. Pfarrer Schmidt teilt die Auffassung des CDU-Abgeordneten, dass eine Modelleisenbahnausstellung nicht dem ernsten Charakter des Buß- und Bettages sowie des Totensonntags widerspräche. Das Gesetz über Sonn- und Feiertage im Freistaat hält er dennoch für sinnvoll und wichtig, weil es einem Grundbedürfnis der Menschen entspräche, an solchen Tagen mal zur Ruhe zu kommen. „Der christliche Glauben hat unser Land geprägt, da sollten die Feiertage der Christen auch geschützt sein“, sagt Schmidt. Der Staat sollte deshalb Leitplanken setzen, in einer Gesellschaft, in der die Menschen das Gefühl für die Zeit verlieren, in der Erschöpfung, Burn Out und Reizüberflutung drastisch zunehmen.

Wenig Verständnis zeigt Ansgar Schmidt hingegen für den „vorwinterlichen Handwerksmarkt“ in Olbersdorf, bei dem die Veranstalter de facto einen Weihnachtsmarkt durchführen. „Das finde ich unpassend, geprägte Zeiten wie den ersten Advent sollte man schon einhalten“, so der Pfarrer gegenüber der SZ.