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Moderne Funkstörung

Mit der DVBT 2-Technik soll der Fernsehempfang per Antenne besser werden. In Eichgraben und Ostritz lief es anders.

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© Matthias Weber

Von Anja Beutler

Ach, momentan läuft doch ohnehin nichts im Fernsehen! Doris Mehnert* ruft den Satz beinahe mit Empörung ins Telefon. Aber ein bisschen Frust ist bei der Dame aus dem Zittauer Stadtteil Eichgraben schon dabei. Da hat die Firma Media Broadcast Anfang November mit DVBT 2 einen neuen Übertragungsstandard für all jene installiert, die noch terrestrisch, also über Antenne ihr Fernsehprogramm empfangen. Aber bei den Mehnerts ist es schlechter statt besser geworden. „Früher hatten wir Probleme mit den ARD-Programmen, die konnten wir nur im Herbst und Winter sehen, den Rest des Jahres war nichts zu machen“, erklärt die Frau. Jetzt sind die ARD-Sender da – aber alle Kanäle der ZDF-Gruppe weg: von 3 Sat über Kinderkanal bis zu allem, was ZDF im Namen trägt.

Der Fernsehtechniker der Wahl konnte die Sache bislang nicht klären. Da war es für die Eichgrabener Familie tröstlich zu hören, dass eine befreundete Familie in Ostritz das gleiche Schicksal erduldet: Bei Erna Lindner* schert wie ihrer Bekannten mit der Umstellung der Sendetechnik ebenfalls das ZDF aus. „Aber die ARD-Programme sehen wir in besserer Qualität“, sagt die Frau. Auch die Ostritzer sind wie die Eichgrabener keine großen Fernsehgucker. Aber dass man gerade dann meist nicht fernsehen kann, wenn man etwas sehen will, sei schon ärgerlich, sagen beide.

Was die Familien aber vor allem frustriert, ist die Hilflosigkeit und – so empfinden sie es – die Ignoranz, die in solchen Fällen auf allen Seiten herrscht. „Wir fliegen zum Mond, aber das mit dem Fernsehempfang bekommen wir nicht hin?“, fragt Frau Lindner bissig. Natürlich sind diejenigen, die ihr Fernsehprogramm terrestrisch empfangen, inzwischen zu einer kleinen Minderheit geworden. „Aber warum soll ich mir für viel Geld einen Spiegel oder etwas anderes Neues anschaffen, wo doch auch die terrestrische Technik immer weiter verbessert wird“, fragt sich Frau Mehnert verärgert.

Aus der Ferne erklären können sich die Experten von Media Broadcast das Phänomen nicht im Detail. Laut ihrer Prognose für diese Region sind die Programme mit einer Dachantenne empfangbar. „Wir machen das seit vielen Jahrzehnten, die Empfangsprognosen sind entsprechend exakt“, sagt ein Sprecher der Media Broadcast. Per se sollte sich der Empfang durch die Neuerungen eher verbessern als verschlechtern, betont er. Von den Experten im Haus habe er keinen Hinweis darauf erhalten, dass sich durch die DVBT 2-Neuinstallation an der Antenne auf dem Schafberg bei Löbau etwas zum Negativen verändert hätte.

Möglich sei deshalb, dass das Problem vielleicht bei der heimischen Anlage liegt: In der Vergangenheit habe es durchaus Fälle gegeben, wo die Antennenanlage oder die Verkabelung zu alt waren und dann Störungen hervorgerufen haben. Deshalb sollte ein Fernsehtechniker diese Dinge noch einmal überprüfen, empfiehlt der Sprecher. Generell nehme man die Schilderungen aber sehr ernst. „Wenn sich keine Lösung an den Empfangsanlagen finden lässt, sind wir gern bereit, eine weitere Analyse der Situation vor Ort vorzunehmen“, betont der Sprecher.

Das wird vielleicht gar nicht mehr nötig sein: Der Sohn von Frau Lindner hat nämlich über die Feiertage ein bisschen Fehlersuche betrieben und testweise die alte Weiche abgestellt, die Radio- und Fernsehempfang im Haus wieder trennt, nachdem sie gemeinsam in einem Kabel vom Dach geführt werden. „Jetzt liegt das ZDF bei uns mit 90 Prozent im Haus an – nicht mehr mit 50 wie zuvor“, sagt er. Dass es an den alten Kabeln und an den Geräten selbst nicht liegen konnte, hatte er schon vor einigen Wochen überprüft – und verworfen: „Sonst wäre ja das Signal für die ARD-Programme auch nicht bei uns angekommen“, sagt er. Ob sich auch bei den Mehnerts das Problem auf diese Weise beheben lässt, wird sich zeigen. Fest steht aber, dass sich die Lindners nun eine andere Lösung fürs Radio suchen müssen, denn das ist ja jetzt abgeklemmt.

Dass beide Familien auch mit den neuen DVBT 2 weiterhin keine Privatsender empfangen können, weil die in der Region selbst mit Dachantenne unerreichbar bleiben, stört sie nicht. „Die Privaten brauchen wir nicht“, sagen sie. Und dass mit Zimmerantenne in der Region überhaupt kein terrestrischer Empfang möglich ist – anders als in anderen Gegenden – daran haben sie sich ohnehin längst gewöhnt.

*Namen geändert

Wie gut der terrestrische Empfang ist, kann man hier testen.