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Moderne Technik für kleine Bücherwürmer

Die Grundschule in Oberhermsdorf digitalisiert ihre Bibliothek und spart so viel Zeit.

© Andreas Weihs

Von Hauke Heuer

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Wilsdruff. Auch in der Bibliothek der Oberhermsdorfer Grundschule ist das 21. Jahrhundert eingekehrt. Alle 1900 Bücher sind ab sofort mit einem Barcode versehen. Leiht ein Schüler ein Buch aus, wird dieser eingescannt. Ein Computersystem überwacht die Ausleihe und weiß immer ganz genau wo sich welches Buch befindet und wann es wieder zurückgegeben werden muss.

„Dieses System ist für unsere Lehrer eine große Entlastung“, erklärt Direktorin Kristina Heinze. Insbesondere in Zeiten des Lehrermangels seien die Lehrkräfte sowieso stark gefordert. Die Automatisierung nehme viel Arbeit ab. Für Lehrerin Peggy Morgenstern, die die Schulbibliothek betreut, liegen die Vorteile der neuen Software auf der Hand: „Bisher mussten wir die Bücher von Hand ein- und austragen. Dabei können immer Fehler passieren. Darüber hinaus basierte das alte System auf Karteikarten und war alles andere als übersichtlich“, sagt sie. Ganz billig war der Kauf des Programmes und des Scanners mit rund 450 Euro nicht. Doch schon jetzt zeige sich, dass sich die Anschaffung gelohnt habe, so Direktorin Heinze.

Die ersten der 180 Schüler der Grundschule testeten die digitale Ausleihe bereits am Freitag. Der letzte Schultag vor den Winterferien wurde genutzt, um den ABC-Schützen das System zu erklären. Jeder Schüler erhielt eine persönliche Ausleihkarte. Die Kinder können künftig an einem Tag in der Woche frei nach Lust und Laune in den Bücherschränken stöbern und sich einen Schmöker ausleihen.

Die Schule in Oberhermsdorf legt generell großen Wert darauf, die Lesefähigkeit ihrer Schüler zu fördern. So fand am Freitag der traditionelle Lesetag der Grundschule statt. In jedem Jahr kommen Kinderbuchautoren in die Klassenzimmer und stellen den Kleinen ihre Geschichten vor. Evelyn Kühne Autorin des Buches „Die kühne Marie“ konnte aus gesundheitlichen Gründen am Freitag nicht kommen und schickte eine Vertretung. Darüber hinaus wurde am Lesetag mit einem Kuchen- und Bücherbasar Geld für den Verein Sonnenstrahl gesammelt, der sich in Dresden und Sachsen für krebskranke Kinder einsetzt.

Doch auch über den Lesetag hinaus verdingen sich die Oberhermsdorfer Grundschüler als kleine Bücherwürmer. „Zum Tag des Buches am 23. April besuchen unsere Schüler Jahr für Jahr die große Bibliothek in Wilsdruff und lernen so auch die dortigen Räumlichkeiten kennen“, berichtet Heinze.

Die Fähigkeit des Vorlesens wird insbesondere am Nachmittag im Rahmen von Ganztagsangeboten gefördert. „Wir sitzen zusammen und lesen gemeinsam laut aus einem Buch“, erklärt Lehrerin Kathrin Manthey. Die meisten Schüler könnten zwar sehr gut lesen, die Technik des lauten Vorlesens müsse allerdings erst erlernt werden, so Manthey.

Darüber hinaus ist die digitale Technik im Schuleinsatz auch in Oberhermsdorf eigentlich nichts Neues. Seit zehn Jahren wird das Leseprogramm „Antolin“ erfolgreich im normalen Deutschunterricht eingesetzt. Das Programm stellt den Kindern in der Schule, aber auch zuhause über eine webbasierte Anwendung altersgerechte Geschichten zur Verfügung. Nachdem die Kinder die Texte gelesen haben, stellt ihnen das Programm Fragen. So wird das Textverständnis der Kleinen geprüft und trainiert.