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Mohammed spielt jetzt schmerzfrei

Der Junge aus Afghanistan litt an einer schweren Entzündung im Oberarm. Pirnaer Ärzte haben ihn geheilt.

© Dirk Zschiedrich

Von Thomas Möckel

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Pirna. Als Mohammed aus Afghanistan, sieben Jahre alt, im Februar zum ersten Mal ins Helios-Klinikum Pirna kam, war er sehr geschwächt. Diplom-Mediziner Erik Baldauf, Chefarzt der Unfallchirurgie, schildert ihn als schmächtigen und schüchternen Jungen, der kaum ein Wort sprach, sein Blick war müde.

Ein halbes Jahr später ist aus dem Jungen mit den schwarzen Haaren und den dunkelbraunen Augen ein tapferer, munterer Geselle geworden, kommunikativ, sein Blick ist wach und neugierig, sein Gang aufrecht und zielstrebig. Im Spielzimmer der Pirnaer Kinderstation schnappt er sich gleich sein Lieblingsspielzeug, einen gelben Bagger, dann lässt er sich mit Erik Baldauf fotografieren. Mohammed lacht, vor Monaten noch undenkbar.

Seinen Wandel hat der afghanische Junge zwei Helfern zu verdanken: Dem Verein „Friedensdorf International“ und dem Pirnaer Klinikum auf dem Sonnenstein. Die Hilfsorganisation kümmert sich um Kinder aus Kriegs- und Krisenregionen. Sie werden zunächst im Friedensdorf betreut und an die neue Umgebung gewöhnt. Unterdessen sucht der Verein nach Partnern in Kliniken, an die er kranke oder verletzte Kinder vermitteln kann. So kam Mohammed letztendlich nach Pirna. „Und wir haben beschlossen, ihn hier auf Kosten des Hauses zu behandeln“, sagt Baldauf.

Der Junge litt schon seit Längerem an einer Entzündung im linken Oberarm. Nach Aussage des Chefarztes eine Krankheit, die typischerweise im Kindesalter auftritt und gar nicht so selten ist. Es ist eine Erkrankung am wachsenden Skelett, bei der Keime über das Blut an die Knochen gelangen. Nisten sie sich dort ein, ziehen sie auch die umliegenden Weichteile in Mitleidenschaft, besondere Angriffspunkte sind Oberarm und Unterschenkel. Unbehandelt, sagt Baldauf, würde es nicht heilen. Die Folge: Der Erkrankte büßt möglicherweise Funktionen von Arm oder Bein ein. Darüber hinaus kann sich eine chronische Entzündung daraus entwickeln, die stets Eiter absondert. Wird sie hingegen rechtzeitig behandelt, heilt die Krankheit in den meisten Fällen folgenlos aus.

Bei Mohammed war die Entzündung recht weit fortgeschritten, von Februar bis Juni behandelten ihn die Ärzte stationär im Pirnaer Klinikum, er musste mehrfach operiert werden. Zusätzlich halfen Antibiotika, die Symptome zu bekämpfen. Nach den Operationen kehrte der Siebenjährige zunächst zurück ins Friedensdorf, Anfang August reiste er für eine Abschlusskontrolle noch einmal nach Pirna. Die Mediziner untersuchten ihn genau, sie bestimmten im Labor die Blutwerte und schauten sich die OP-Ergebnisse abschließend im Computertomographen an. Danach attestiert Baldauf: subjektives Wohlbefinden, kein Schmerz mehr, keine Anzeichen einer Entzündung, die Knochen heilen aus. „Vom ganzen Allgemeinzustand her hat sich der Junge gut erholt“, sagt Baldauf und lobt Mohammeds Tapferkeit: „Er hat kein einziges Mal geweint.“

Mohammed war insgesamt das sechste Friedensdorfkind, das im Pirnaer Klinikum betreut wurde. 2015 beispielsweise operierten die Ärzte den sechsjährigen Pakka aus Angola, der sich an Kinn, Hals, Brust und Armen schwer verbrannt hatte. Ein Jahr später folgte die achtjährige Maneli aus Tadschikistan, die bei einem Unfall ebenfalls schwere Verbrennungen erlitten hatte. Bislang waren alle in der Klinik für Plastische Chirurgie in Behandlung, Mohammed war der erste Fall für die Unfallchirurgen.

Für das gesamte Betreuer-Team war die Reise mit Mohammed eine spannende, aber auch schöne Geschichte. „Es hat uns allen Spaß gemacht, ihm zu helfen“, sagt Baldauf, „und wenn es zum Erfolg führt, freuen wir uns umso mehr.“ Die Umgebung im Krankenhaus tat ihr Übriges, dass der Junge gesund wurde. Baldauf ist froh, dass es eine stabile Kinderstation im Klinikum Pirna gibt, auf der Mohammed betreut wurde.

Mohammed wird das alles in guter Erinnerung behalten. Eine Weile bleibt er noch im Friedensdorf, und danach geht es wieder heim: etwa 5 000 Kilometer zu seiner Familie nach Afghanistan.