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Politik

FDP-Spitze spricht Lindner Vertrauen aus

FDP-Parteichef Christian Lindner war selbst unter Druck geraten und zu Krisengesprächen nach Erfurt gereist. Jetzt bekommt er Rückhalt.

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg (l-r), FDP-Chef Christian Lindner und Wolfgang Kubicki, stellvertretender FDP-Parteivorsitzender, am Freitag bei der Sitzung des Bundesvorstands.
FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg (l-r), FDP-Chef Christian Lindner und Wolfgang Kubicki, stellvertretender FDP-Parteivorsitzender, am Freitag bei der Sitzung des Bundesvorstands. © Britta Pedersen/dpa

Berlin/Erfurt. Die FDP-Spitze hat Parteichef Christian Lindner nach seinem Kriseneinsatz in Thüringen mit deutlicher Mehrheit das Vertrauen ausgesprochen. Linder erhielt von 36 abgegebenen Stimmen 33 Ja-Stimmen und eine Nein-Stimme. Zwei Anwesende enthielten sich, hieß es in Berlin. Lindner war selbst unter Druck geraten und am Donnerstag zu Krisengesprächen nach Erfurt gereist. 

Währenddessen forderte die CDU-Bundesspitze  zur Lösung der Krise in Thüringen einen Kompromisskandidaten von Grünen oder SPD für das Amt des Ministerpräsidenten. Der ehemalige Regierungschef Bodo Ramelow (Linke) verfüge offensichtlich nicht über eine Mehrheit im Thüringer Landtag, sagte CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer am Freitag nach einer Sitzung des Parteipräsidiums in Berlin. 

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Es werde keine Stimmen der Thüringer CDU für einen Kandidaten der AfD oder der Linkspartei geben. Dies sei Teil eines einstimmigen Beschlusses des Präsidiums. Wenn keine stabile Lösung zustande komme, müsse es eine Neuwahl geben. Grüne und SPD in Thüringen wehrten den Vorschlag der CDU jedoch prompt ab.

Auslöser der Krise war die Wahl des FDP-Politikers Thomas Kemmerich am Mittwoch zum Thüringer Regierungschef mit Stimmen der rechten AfD sowie der CDU. Dies hatte ein politisches Beben ausgelöst. Der Kandidat der FDP hatte sich damit gegen Ramelow durchgesetzt. Das stellte den Wahlausgang vom 27. Oktober auf den Kopf. Damals hatte die Linke 31 Prozent geholt, die rechtsgerichtete AfD 23,4 Prozent und die CDU nur 21,7 Prozent. Die SPD war auf enttäuschende 8,2 Prozent gekommen. Grüne (5,2) und FDP (5,0) schafften den Einzug in den Landtag nur denkbar knapp.

Kritik für Vorschlag

"Wir erwarten, dass es eine Bereitschaft von SPD und Grünen gibt, einen Kandidaten oder eine Kandidatin zu präsentieren, der oder die als Ministerpräsident oder Ministerpräsidentin nicht das Land spaltet, sondern das Land eint", sagte Kramp-Karrenbauer. "Die CDU ist zur konstruktiven Mitarbeit bereit. Sie hat bereits Projekte definiert, auf deren Grundlage eine konstruktive parlamentarische Sacharbeit im Interesse des Landes möglich ist", sagte sie. Wenn der Versuch scheitere, innerhalb des Parlaments stabile Verhältnisse zu erreichen, seien Neuwahlen unausweichlich.

Die Grünen in Thüringen wiesen den CDU-Vorschlag ab. "Ich glaube nicht, dass Frau Kramp-Karrenbauer in der Position ist, Vorschläge oder Aufträge zu erteilen", sagte Grünen-Fraktionschef Dirk Adams am Freitag in Erfurt. SPD-Landeschef Wolfgang Tiefensee twitterte, dies sei "der untaugliche Versuch", Rot-Rot-Grün zu spalten. Die Thüringer CDU müsse klar entscheiden, ob sie bei einer Neuwahl Ramelow verhindern wolle oder nicht. Tiefensee schrieb weiter: "Der beste Weg ist eine Selbstauflösung des Landtages und Neuwahlen."

Auch bei der Linken stieß Kramp-Karrenbauers Vorschlag umgehend auf Kritik. Der Berliner Bundestagsabgeordnete Stefan Liebich twitterte: "Ich schlage vor, dass der Deutsche Bundestag einen "Konsenskandidaten" von Bündnis 90/Die Grünen zum Kanzler wählt. Ohne Neuwahlen. Jetzt. Die sind zwar von der kleinsten Fraktion, aber egal. Hallo @akk, merken Sie was?" Sein Fraktionskollege Lorenz Gösta Beutin nannte Kramp-Karrenbauers Vorschlag "absurd". Rot-Rot-Grün werde sich nicht spalten lassen.

Mike Mohring, CDU-Fraktionschef.
Mike Mohring, CDU-Fraktionschef. © dpa-Zentralbild

Der Thüringer CDU-Fraktionschef Mike Mohring habe während der Krisensitzung in der Nacht zu Freitag in der Erfurter Fraktion seinen Rücktritt in Aussicht gestellt, bestätigte die CDU-Chefin. Kurz danach bestätigte die Thüringer CDU, dass Mohring bei der Neuwahl des Fraktionsvorstands im Mai nicht mehr antreten werde.

In der Nacht zum Freitag war Kramp-Karrenbauer in Erfurt mit Forderungen nach einer Neuwahl nicht durchgedrungen. Sie räumte den Parteifreunden in Erfurt Zeit ein, einen parlamentarischen Weg aus der Krise zu finden. Am Freitag erhielt sie Rückendeckung aus der Parteispitze in Berlin. Es wurde sechs Punkte beschlossen. In der Liste steht auch: Von der CDU gebe es keine Stimme für Kandidaten der AfD oder der Linken und nicht für Kandidaten, der auf Stimmen der AfD angewiesen sind. Ramelow habe offensichtlich keine Mehrheit im Landtag. Wenn der Versuch scheitere, im Thüringer Parlament stabile Verhältnisse zu erreichen, "sind Neuwahlen unausweichlich".

Mohring verteidigte noch vor der Sitzung seine Ablehnung einer Neuwahl. "Neuwahlen lösen die Problematik der schwierigen Situation in Thüringen nicht auf", sagte er. Nach einer Wahl könnte dieselbe politische Situation entstehen. Der Landtag müsse jetzt eine Lösung finden "und die liegt definitiv nicht in Neuwahlen". Die Forderung nach einer Neuwahl habe viele Leute irritiert. "Die angedrohten Zwangsmaßnahmen haben nochmehr irritiert." Welche konkreten "Zwangsmaßnahmen" er damit meinte, erwähnte Mohring nicht. Die Landes-CDU befürchtet bei einer Neuwahl erhebliche Stimmverluste.

CDU verliert laut Umfrage

Bei Neuwahlen in Thüringen könnte Rot-Rot-Grün nach einer aktuellen Umfrage wieder auf eine Mehrheit hoffen. Nach einer am Freitag veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und n-tv würde die Linke des bisherigen Ministerpräsidenten Ramelow deutliche Zugewinne verbuchen, während die CDU fast die Hälfte ihrer Wähler verlöre. Die FDP von Kemmerich käme nicht einmal mehr in den Landtag.

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Die Linke würde sich der Umfrage zufolge auf 37 Prozent verbessern. Auch Ramelows bisherige Koalitionspartner SPD (9 Prozent) und Grüne (7 Prozent) könnten leichte Zugewinne verbuchen. Die AfD würde sich ebenfalls leicht von 23,4 auf 24 Prozent verbessern. Die CDU stürzt in der Umfrage hingegen auf nur noch 12 Prozent ab. Die FDP würde mit 4 Prozent aus dem Landtag fliegen. (dpa)