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Molkerei Niesky will mehr Milch verarbeiten

© André Schulze

Ein Antrag ist gestellt, damit die Kapazität erhöht werden kann. Noch ist nicht darüber entschieden. Doch das ruft auch Tierschützer auf den Plan.

Von Carla Mattern

Das Vorhaben der Nieskyer Molkerei läuft. Ganz offiziell hat die Fude + Serrahn Milchprodukte GmbH & Co. KG beim zuständigen Umweltamt des Landkreises Görlitz eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung für die Molkerei Niesky GmbH beantragt. Dem Antrag zufolge will das Unternehmen künftig täglich 360 Tonnen Milch verarbeiten. Firmeninternen Aussagen zufolge sind es derzeit etwa 240 Tonnen je Tag. Um ein Drittel mehr Milch abzunehmen und in Käsespezialitäten wie den Nieskyer Emmentaler, Cheddar, Edamer, Gouda, Pizzakäse und Stangen-Mozarella zu verwandeln – dazu bedarf es eines Antrags. Der wurde jetzt veröffentlicht – und ruft sogleich Tierschützer auf den Plan. Das Bündnis für Aktionen und Vernetzung mit dem Namen Tierfabriken Widerstand meldete sich in dieser Woche zu Wort. Diese Erweiterung bei der Nieskyer Molkerei verdeutliche den Strukturwandel im Milchgewerbe, der sich in Sachsen und anderen deutschen Regionen aktuell vollziehe, so Frank Weidner von dem Bündnis. „Erhebliche negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt sind die Folge“, sagt Frank Weidner. Bei dem schwerwiegenden Strukturwandel im Bereich der industriellen Milchproduktion sehen die Tierschützer die logische Konsequenz des Wachsens oder Sterbens. Und sorgen sich dabei um die Tiere. Laut dem Bündnis Tierfabriken Widerstand bedeuten die Lebensbedingungen und die Zucht auf eine maximale Milchleistung für Kühe unermessliches Leid. Um Milch zu geben, müssten Kühe demnach jährlich ein Kalb zur Welt bringen. Diese extreme Belastung und die Zucht auf eine unnatürlich hohe Milchleistung würden den Körper der Tiere so sehr ausmergeln, dass sie bereits im Alter von fünf Jahren geschlachtet werden - bei einer natürlichen Lebenserwartung von gut 20 Jahren. „Die Gewalt, die Tieren im Rahmen der Nutzung als Milchkühe angetan wird, ist immens und nicht zu rechtfertigen“, so Frank Weidner. Den Antrag aus Niesky sehen die Tierschützer als Indiz dafür, dass die industrielle Tierhaltung wächst. Und sich die auch negativ auf die Umwelt auswirkt. „Die Ausbringung von Gülle ist besonders problematisch und führt sehr schnell zu einer Überlastung des Grundwassers. Die Problematik würde sich durch eine weitere Konzentration der Milchkuhhaltung, unter anderem in Sachsen, verschärfen“, betont Weidner. Und weil die Tierschützer das so sehen, reagieren sie auch auf solche Anträge zur Kapazitätserhöhung in Niesky. Sie organisieren nicht nur Widerstand gegen neue und erweiterte Milchkuhanlagen, sie tun das auch mit Standorten der Milchverarbeitung wie die Molkerei Niesky.

Aber welche Auswirkungen können die Nieskyer erwarten? Denn immerhin will das Unternehmen die Tagesproduktion um ein Drittel steigern. Noch sei nichts entschieden, sagt Mark Fude auf SZ-Nachfrage. Bis 17. November können bei dem Umweltamt noch Einwendungen gemacht werden. Bei einem Termin am 7. Dezember werden sie möglicherweise erörtert. Neue Gebäude oder Anlagen auf dem Firmengelände zwischen Hausmannstraße, Muskauer Straße und Straße am Bahnhof werde es nicht geben. „Platztechnisch ist keine Erweiterung vorgesehen. Es geht um eine größere Menge Milch. Dafür werden wir in der Maschinenhalle was bauen“, so Mark Fude.