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Momo bekämpft die grauen Männer

Die Felsenbühne Rathen steht vor einer Premiere. Ein Bestseller könnte zum Kassenschlager werden.

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© Dirk Zschiedrich

Von Gunnar Klehm

Kurort Rathen. Gerade wurde noch bunt durcheinander getanzt. Doch jetzt ziehen graue Wolken im Wehlgrund bei Kurort Rathen auf. Mit ihnen kommen die grauen Männer, die den fröhlichen Menschen die Zeit stehlen wollen. Das Naturkind Momo fürchtet sich. Doch die Schildkröte Kassiopeia kennt einen Ausweg. Dazu muss Momo jedoch im richtigen Moment mutig sein.

Auf der Felsenbühne Rathen feiert „Momo“, ein Tanzstück für die ganze Familie, am Sonnabend Premiere. Die Vorlage liefert der Roman von Bestsellerautor Michael Ende. Im Haus der Landesbühnen in Radebeul wird das Tanzstück bereits seit November aufgeführt. Von Anfang an war es für beide Bühnen angelegt. Doch in Rathen wird alles viel spektakulärer. „Hier auf der Felsenbühne haben die Tänzer Platz zum Atmen, können sich voll entwickeln“, sagt Choreografin Wencke Kriemer de Matos.

Das nutzen die Akteure in beeindruckender Weise. Allen voran Nina Plantefeve-Castryck. Die junge Belgierin verkörpert die Hauptrolle des Mädchens Momo. Spielerisch leicht tanzt sie auf allen Ebenen, selbst wenn diese sich unter ihr heftig drehen. Für Action sorgen auch die Stuntmänner vom Team Awego. Viele kennen sie schon aus den Winnetou-Aufführungen. Diesmal verstärken sie die grauen Männer. So ist immer Bewegung und ausgeschlossen, dass das Stück sich hinziehende Längen bekommt. Fast immer kann das Auge des Besuchers über das Bühnenbild schweifen. Selbst der simple Ritt des Meister Hora auf seinem Pferd wird so zum Ereignis.

Felsenbühne ist perfekter Spielort

Nach dem Sommernachtstraum von 2012 ist es erst das zweite Tanzstück, dass auf der Felsenbühne in Rathen aufgeführt wird. Um den Einstieg zu erleichtern, werden Teile der Geschichte eingesprochen. Es bleibt zwar hilfreich, das Buch vorher gelesen zu haben. Zwingend ist es keinesfalls.

Der Spielort passt perfekt. „Es ist quasi eine Schnittkante zwischen Natur und Zivilisation, genau wie der Lebensraum der Romanfigur Momo“, sagt Choreografin Wencke Kriemer de Matos. Im Buch lebt Momo am Rande der Stadt.

Die ist in Rathen weit weg. Auch der Fremdenführer aus der Buchvorlage ist auf der Felsenbühne eine Frau. Die zwölf Tänzerinnen und Tänzer müssen sich immer wieder verwandeln. Treten die grauen Männer (und Frauen in Hosenrollen) auf, wird die Bühne gerockt. Das bezieht sich aber nur auf die bedrohlichen Gesten. Die Musik von Michio Woirgardt prägen eher die sphärischen Klänge. Auch das passt in die erste Inszenierung von Wencke Kriemer de Matos. „Momo ist ja auch nicht wirklich ein Kinderbuch, sondern eher fantastisch und wegen des philosophischen Hintergrunds auch etwas für Erwachsene“, sagt sie. Die Uhr, die sie von der Gruppe tanzen lässt, ist nicht neu. Aber nirgends passt das so gut wie bei Momo.

Auch die Ausstattung (Stefan Wiel) hält einige Überraschungen bereit. Gäbe es das ausziehbare Sofa zu kaufen, es würde wohl reißenden Absatz finden. Die Landesbühnen sind da bescheidener und würden sich schon freuen, wenn das Stück ein Kassenschlager wird. Empfohlen wird das Stück ab sechs Jahren.

Ein Tanzstück für drinnen und draußen zu inszenieren, bleibt aber ein schwieriger Spagat. Am meisten gilt das für die Tänzer und Stuntmänner selbst. Mögen sie zu jeder Zeit unfallfrei den kühnen Sprung aus dem sandigen Bühnenrand auf den extra aufgebauten Tanzboden meistern.

Vorstellungen: Premiere 28.5., 16 Uhr; 29.5., 1.6., 4.6., 23.7., 24.7., 28.7., 30.7., 7.8.