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Monopoly in der Fabrikstraße

Nach jahrelangem Stillstand gibt es neue Initiativen in Wilsdruff, die Gebäude zu sanieren. Dabei will die Stadt nicht nur zusehen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

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Wilsdruff. Wilsdruffs Fabrikstraße ist nicht gerade eine Schönheit. Dem Betrachter bietet sich ein Mischmasch an sanierten und teilsanierten Wohnhäusern, alten Industriebauten, kleinen Gewerbeeinheiten und einigen abbruchreifen Gebäuden. Dabei gehört das Areal zum Stadtkernsanierungsgebiet – nur, dass hier in dieser Hinsicht nie etwas passiert ist. Das aber könnte sich nun ändern.

In die Fabrikstraße, vor allem deren hinteren Teil, ist Bewegung gekommen: Neue Eigentümer treten auf den Plan, Grundstücke stehen zum Verkauf. Dabei will auch die Stadt ein Wörtchen mitreden und hat sich per Stadtratsbeschluss am Donnerstagabend ein „besonderes Vorverkaufsrecht“ gesichert. Es geht um zunächst vier Flurstücke, genauer die Häuser an der Fabrikstraße 2 bis 8. Dazu gehört zum Beispiel die ehemalige Möbelfabrik Müller.

Deren Eigentümerin, Heiderose Müller, ist von dem Vorkaufsrecht gar nicht begeistert. „Ich bin total sauer“, sagt sie. Schon vor Jahren habe sie bei der Stadt nachgefragt, ob Interesse an einem Kauf bestünde. Weil in der ehemaligen Fabrik der Dampfmaschinenverein seine Exponate ausstellt, gab es sogar die Idee, dort eine Art Museums- und Kulturfabrik zu etablieren. „Ich wollte nicht an einen Fremden verkaufen, aber seitens der Stadt kam damals keine Reaktion“, berichtet Müller. Als sie im Sommer 2017 einen Kaufinteressenten gefunden hatte, ging sie abermals zum Rathaus. „Ich habe nachgefragt, ob die Stadt noch an der Fabrik interessiert ist. Das wurde verneint.“ Nun, ein halbes Jahr und etliche Verhandlungsrunden zu einem Kaufvertrag später, sichert sich die Stadt das Vorverkaufsrecht. „Ja, was denn nun?“, fragt Heiderose Müller.

Bürgermeister Ralf Rother (CDU) bezeichnet das Vorgehen als rein taktische Maßnahme. Weil die Fabrikstraße zum erweiterten Stadtkernsanierungsgebiet gehört, habe die Stadt ohnehin ein Vorkaufsrecht. „Das wollen wir nun doppelt absichern. Wir versetzen uns damit in eine bessere rechtliche Position, dort in Zukunft mitbestimmen zu können“, sagt er.

Die Fabrikstraße 2 bis 8 liegt nur einen Steinwurf von der Umgehungsstraße entfernt. Es gibt momentan keine direkte Zufahrt zu der Trasse. Aber es gibt Begehrlichkeiten: In Wilsdruff sind Grundstücke beliebt, seit die Stadt einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung genommen hat. Zu groß sind in Wilsdruff die Befürchtungen, ein Investor könnte kommen, sich das Areal aneignen und dann in großem Stil planen. „Wir wollen, dass der Dampfmaschinenverein seine Räume behalten und nutzen kann“, sagt Rother. Man wolle außerdem, dass sich die Wohn- und Arbeitsbedingungen an der Fabrikstraße verbessern, aber ohne negative Auswirkungen auf den angrenzenden Stadtkern. Zudem seien in dem Bereich noch Hochwasserschutzmaßnahmen notwendig.

„Eine umfassende Neuordnung ist erforderlich, das Sanierungsziel sollte eine Integration der Flächen in den städtebaulichen und funktionalen Zusammenhang sein“, heißt es in der Beschlussvorlage. Die Stadt will also mitreden und gegebenenfalls mitbestimmen, wenn es dort um Bau- oder Sanierungsprojekte künftiger Eigentümer geht.

Und Heiderose Müller? Der Kaufinteressent denke an Wohnungen in der ehemaligen Möbelfabrik, sagt sie. „Der Dampfmaschinenverein bleibt aber auf jeden Fall.“ Das letzte Wort zum Verkauf hat die Stadt.