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Töten ist ihr Beruf

Private Söldner ersetzen immer öfter staatliche Armeen. Wen kümmert es, wen sie töten?, fragt SZ-Kolumnist Michael Bittner.

Der Schriftsteller Michael Bittner (Foto) schreibt diese Kolumne für die SZ im Wechsel mit dem Dresdner Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt. © Montage: Bildstelle

So langsam begreifen es auch die Bummelletzten: Es gibt kein Feld des menschlichen Daseins, das nicht der Markt zur besten Zufriedenheit aller regeln könnte. Nur der Kampf um den höchsten Profit sorgt für Höchstleistungen in allen Bereichen. Endlich erobert der Kommerz nun auch das letzte unbestellte Feld: das Schlachtfeld. Immer mehr Nationen privatisieren ihre Kriege. Ob Russe oder Amerikaner, private Söldner ersetzen immer öfter staatliche Soldaten. Bezahlt werden alle aus der Staatskasse. Aber die Söldner bieten Vorteile: Die Öffentlichkeit kümmert’s nicht, wenn sie fallen. Und wen sie töten, weiß keiner so genau.

Die Arbeit der amerikanischen Söldnerfirma „Blackwater“ haben noch alle Iraker in bester Erinnerung, die sie überlebt haben. Der ehemalige Chef des Unternehmens wirbt derzeit dafür, seiner neuen Privatarmee den Krieg in Afghanistan gleich ganz zu überlassen. Der Sieg sei dann gewiss und auch noch günstig. Wer wollte daran zweifeln, dem die Devise „Privat vor Staat“ einleuchtet? Ungenügend an diesem Vorschlag ist allein der Anspruch aufs Monopol. Es müssten fairerweise mehrere Söldnertruppen in einen Wettbewerb treten, wer am Hindukusch zu günstigeren Konditionen töten kann. Erst anhand der Leistung, gemessen in Leichen pro Dollar, könnte man ja beurteilen, wer das Schlächterhandwerk besser beherrscht. Es bestünde natürlich die Gefahr, dass die Konkurrenten zu unlauteren Mitteln greifen und sich auch gegenseitig umbringen. Aber das müsste man verschmerzen, der Effizienz zuliebe.

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Ein bisschen Schwindel steckt leider auch in diesem Angebot, wie immer beim Marketing. So neu ist die Idee nämlich gar nicht. Zogen doch schon im Dreißigjährigen Krieg Söldnertruppen durch Deutschland, die nicht für eine Fahne kämpften, sondern für den täglichen Verdienst. Das Beste dabei: Während gewöhnliche Rekruten sich, nachdem der patriotische Rausch verflogen ist, irgendwann wieder nach dem heimischen Bett sehnen, kriegen Söldner vom Krieg nie genug, denn sie leben ja von ihm. Die Privatisierung des Krieges ist ein Mittel, den Krieg zu verewigen. Angesichts so schöner Aussichten bleibt mir nur noch, all jenen Männern, die den Mord zum Beruf gemacht haben, herzlich einen schnellen Heldentod zu wünschen.