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Mordprozess läuft nur zaghaft an

Drei Angeklagte – und viele Fragen. Das Schwurgericht hat eine harte Nuss zu knacken. Es geht um rassistische Gewalt bei einem Sommerfest in Polenz.

© dpa

Von Alexander Schneider

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Sebastian K. (33), Sebastian S. (24) und Maik R. (38) müssen sich seit knapp zwei Wochen wegen einer Gewaltorgie beim Sonnenwendfest in Neustadt/Sachsen, Ortsteil Polenz, vor dem Landgericht Dresden verantworten. Sie sollen Nazi-Parolen gegrölt und gezielt Ausländer angegriffen haben. Polizei und Rettungsdienst mussten an jenem Spätabend des 18. Juni 2016 wiederholt zu dem traditionellen Fest der Freiwilligen Feuerwehr ausrücken.

Alle Angeklagten sind mehrfach vorbestraft. Umzugshelfer K. aus Bad Schandau, der mutmaßliche Haupttäter, sitzt seit Juni 2016 in Untersuchungshaft. Er muss sich wegen versuchten Mordes verantworten, und wie die Mitangeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung, Verwendens von Nazi-Symbolen und anderem. M. sitzt zurzeit wegen Trunkenheit am Steuer in Haft, einzig S. ist in Freiheit.

Schweigen aus Angst?

Laut Anklage hat K. gegen 22.15 Uhr zunächst einen Bulgaren mit nur einem Schlag gegen den Hals bewusstlos geprügelt. Kurz darauf habe er einen zweiten Bulgaren schwer verletzt. Er soll ihm dreimal mit einem Bierkrug auf den Schädel geschlagen haben, selbst als der Mann schon regungslos am Boden lag.

Eine Stunde später sollen sich alle drei Angeklagten einen Rumänen vorgeknöpft haben. „Das Fest ist nur für Deutsche“, sollen sie gesagt und auch ihn niedergeprügelt haben. Zynisch riefen sie „Da hilft dir Dein Allah auch nicht, du Islamistenschwein!“, heißt es in der Anklage. Die Schläge mit dem Bierkrug wertet die Staatsanwaltschaft als versuchten Mord. Motiv: Ausländerhass.

Seit dem Prozessauftakt schweigen die Männer zu den Vorwürfen. Hoffen sie, dass auch andere Zeugen schweigen? Dieser Eindruck drängt sich nach dem zweiten Verhandlungstag auf. Stundenlang befragte Richter Herbert Pröls, der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, am Freitag Zeugen, Mitorganisatoren des gut besuchten Dorffestes. Doch die beiden 50-jährigen Männer können oder wollen sich nicht erinnern. Nur mühsam ringt Pröls ihnen etwas ab. Einer sagt, er habe Angst, dass ihm nachts aufgelauert werde, von Rechtsradikalen. Erst am nächsten Tag will er etwa erfahren haben, dass „es“ eine „Neonazi-Gruppe gewesen sein soll“. Woher er das wisse oder was er selbst beobachtet habe – Schweigen. „Wovor haben Sie Angst?“, fragte Pröls, zunehmend gereizt.

Schon am ersten Prozesstag hatte Pröls gesagt, nach Aktenlage hätten Jugendliche weit detailliertere Zeugenaussagen gemacht als ältere Festbesucher. Er wolle jedoch den Jugendlichen eine Vernehmung ersparen. Wenn auch andere Erwachsene sich in Schweigen hüllen, wird Pröls das jedoch wohl nicht vermeiden können.