merken

Moritzburg schließt, Radebeul öffnet wieder

Der Landkreis reagiert auf die rückläufigen Asylbewerberzahlen. Bis Jahresende wird die Platzzahl auf 1 815 verringert.

© Archiv/Norbert Millauer

Von Christoph Scharf

Radebeul/Moritzburg. Das Gebäude am Querweg in Weinböhla, die umgebaute frühere Schule am Knabenberg in Moritzburg und das sanierte, aber leerstehende ehemalige Kinderkurheim in Volkersdorf: Drei der 14 Gemeinschafts- unterkünfte, die der Landkreis Meißen aktuell für Asylbewerber betreibt beziehungsweise als Reserve vorhält, liegen in der Region um Moritzburg. Schrittweise möchte sie der Kreis aufgeben oder sich von den Objekten trennen – so sieht es das aktuelle Konzept des Landkreises zur Unterbringung von Asylbewerbern vor. Am Donnerstag sollen die Kreisräte darüber beschließen. Die SZ stellt die wichtigsten Punkte vor.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Das Heim in Radebeul wird nach einem Brand wieder aufgebaut. Die Arbeiten sind fast fertig.
Das Heim in Radebeul wird nach einem Brand wieder aufgebaut. Die Arbeiten sind fast fertig. © Archiv/Norbert Millauer

Wie entwickelt sich die Zahl der Asylbewerber im Landkreis?

Die Zahl der Zuwanderer hat sich zuletzt deutlich verringert – das gilt im Landkreis Meißen genauso wie bundesweit: Wurden dem Landkreis in der ersten Jahreshälfte 2016 noch 574 Asylbewerber zugewiesen, waren es in der zweiten Jahreshälfte noch 342. In diesem Jahr ging diese Zahl weiter runter: Bis Ende August verzeichnete der Landkreis 278 Zuweisungen. Allerdings könne man nicht ausschließen, dass die Zugangszahlen in den nächsten Monaten wieder steigen – die „Flüchtlingsbewegung in Richtung Europa“ sei weiterhin hoch, heißt es in der im Internet einsehbaren Vorlage für die Kreisräte.

Wie sieht es mit der Zahl der Unterkünfte aus?

Weil der Freistaat nur die Kosten für tatsächlich untergebrachte Asylbewerber erstattet, wird die Unterbringungskapazitäten dem aktuellen Bedarf angepasst: Plante der Kreis 2016 noch mit 2 300 Plätzen, sollen es Ende 2017 nur noch 1 815 sein. Dafür wurden vier Gemeinschaftsunterkünfte geschlossen (zwei in Glaubitz, je eine in Großenhain und Zeithain), außerdem 137 Wohnungen weniger angemietet.

Welche Unterkünfte sollen als Nächstes schließen?

Zudem will der Kreis bis Jahresende diese Gemeinschaftsunterkünfte dicht machen: Am Knabenberg 15 in Moritzburg, Querweg 13 in Weinböhla, Remonteplatz 10 in Großenhain, Wilsdruffer Chaussee 52 a mit den Häusern 1 und 2 in Klipphausen und Leipziger Straße 48 in Meißen. Gleichzeitig will der Kreis seinen Bestand an Wohnungen für Asylbewerber um weitere 128 Wohnungen abbauen. Für die Häuser 3 und 4 in Klipphausen sowie das bereits ausgebaute Gebäude Cöllner Straße 19 wird mittelfristig eine neue Funktion gesucht. SZ-Informationen zufolge könnte die Verwaltungs-Fachhochschule am Block Cöllner Straße interessiert sein.

Wie verteilen sich die Asylbewerber in den Gemeinden des Landkreises?

Aktuell sind knapp 1 700 Asylbewerber im Kreis untergebracht (siehe Tabelle). Riesa ist die Stadt, die mit Abstand am meisten davon hat – 452. Außer Riesa kommen noch Meißen, Großenhain, Coswig und Gröditz auf eine dreistellige Zahl von Asylbewerbern. In Radebeul steht der Wiederaufbau der im Frühjahr 2016 nach einem Zimmerbrand nicht mehr bewohnbaren Gemeinschaftsunterkunft an der Kötitzer Straße kurz vor dem Abschluss. Bewohner aus Einrichtungen, die bis Jahresende schließen, werden dorthin umziehen.

Wie wohnen die Asylbewerber – und wo kommen sie her?

Mehr als zwei Drittel aller Asylbewerber im Landkreis sind in Wohnungen oder privaten Unterkünften untergebracht, ein knappes Drittel lebt in Gemeinschaftsunterkünften. Zehn Asylbewerber sitzen zudem in U-Haft. Insgesamt sind 38 Nationen im Landkreis vertreten. Afghanistan, die Russische Föderation, der Irak und Pakistan sind typische Herkunftsländer.

Wie geht es bei dem Thema im nächsten Jahr weiter?

Das ist noch offen: „Um eine seriöse Einschätzung des Kapazitätsbedarfs für die Jahre 2018 und 2019 vornehmen zu können, ist die Entwicklung in den nächsten Monaten abzuwarten“, heißt es in der Kreistagsvorlage. Volkersdorf bleibt daher weiter in Reserve. Abgestimmt wird darüber am Donnerstag im Riesaer Stern.