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Gemeinsam lernen trotz geteilter Klassen

Es gibt wieder Unterricht für alle in der Schule. Allerdings im Wechsel. In Boxdorf werden dennoch alle Schüler einer Klasse zusammen unterrichtet. Coronakonform.

Getrennt und doch zusammen: Schüler einer 5. Klasse der Kurfürst-Moritz-Schule Boxdorf lernen am Donnerstag gemeinsam mit ihrer Lehrerin Luise Dienemann (2.v.l.). Ein Teil der Klasse sitzt in der Schule, der andere zu Hause.
Getrennt und doch zusammen: Schüler einer 5. Klasse der Kurfürst-Moritz-Schule Boxdorf lernen am Donnerstag gemeinsam mit ihrer Lehrerin Luise Dienemann (2.v.l.). Ein Teil der Klasse sitzt in der Schule, der andere zu Hause. © Norbert Millauer

Moritzburg. Setzt bitte eure Maske auf und holt euch das Material“, sagt Deutschlehrerin Luise Dienemann. Sie unterrichtet am Donnerstag in einer 5. Klasse der Kurfürst-Moritz-Schule. Dort, wo an den zu Gruppen zusammengestellten Dreieckstischen normalerweise 28 Schüler lernen, sitzen mit Abstand nur neun Mädchen und Jungen. Während die Kinder aufstehen, meldet sich plötzlich aus dem Lautsprecher unter dem Smartboard an der Stirnseite des Raumes eine Stimme: „Frau Dienemann, können Sie uns bitte noch mal sagen, wo wir das Material finden.“ Die Angesprochene erklärt es und ergänzt: „Ich kann euch auch einen Link schicken.“

Die Frage kommt von einer der Schülerinnen, die gestern zu Hause arbeiten, aber dank Videokonferenz wie ihre Klassenkameraden in der Schule am Unterricht teilnehmen. Zu sehen bekommen die Heim-Schüler dabei auf ihrem Computer oder Smartphone je nach Einstellung entweder das, was auf dem großen Bildschirm im Klassenzimmer angezeigt wird, die Lehrerin oder auch einen Blick in die Klasse.

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Wer will und die technischen Möglichkeiten hat, kann auch selbst mit Bild dabei sein. Diese erscheinen dann im Miniformat ebenfalls auf der elektronischen Tafel. In dieser Stunde sind es sieben Schüler. Wer nur mit Ton zugeschaltet ist, wird extra angezeigt. Jeder kann so am Unterricht teilnehmen, als würde er selbst im Raum sitzen. Wenn nicht gerade das heimische Internet schwächelt und die Lehrer oder Mitschüler „stottern“ beziehungsweise ihr Bild „einfrieren“ lässt.

Nicht alle Eltern stimmen Corona-Tests zu

„Wir haben den Unterricht bei uns seit Montag so organisiert, dass im täglichen Wechsel jeweils die Hälfte der Klasse in der Schule und zu Hause lernt“, sagt Schulleiter Heiko Vogel. Wobei diese Aussage von Klasse zu Klasse etwas variiert. Denn prinzipiell gilt zwar jetzt wieder für alle Schüler die Präsenzpflicht, aber nur, wenn sie regelmäßig an den vorgeschriebenen Corona-Selbsttests in der Schule teilnehmen. Nicht alle Eltern haben dem zugestimmt. „Im Durchschnitt betrifft das drei bis vier Kinder pro Klasse“, sagt der Schulleiter, „wobei die Zahl von null bis elf variiert.“

Heiko Vogel macht klar, dass der Großteil der Eltern, die so entschieden haben, keine Coronaleugner sind. Die Testverweigerung sei vielmehr die Möglichkeit, um ihre Kinder nicht in die Schule schicken zu müssen. Denn manch einer hat einen besonders gefährdeten Angehörigen zu Hause, den er schützen möchte. Manch Selbstständiger, der schon zweimal in Quarantäne war, fürchtet, dass es ihn erneut treffen könnte.

Nach der ersten Testrunde am Mittwoch und Donnerstag können aber erst einmal alle aufatmen. „Alle Testergebnisse waren negativ“, freut sich der Schulleiter. Einen positiven Fall hatte es allerdings am Dienstag früh bei einem Test durch das DRK gegeben. Da der betreffende Schüler aber vorher keinen persönlichen Kontakt zu anderen oder zu Lehrern hatte, habe nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt niemand weiter aus der Schule in Quarantäne gemusst.

Unterricht per Videokonferenz gibt es an der Boxdorfer Oberschule übrigens nicht erst seit Montag. „Das machen wir schon seit der erneuten Schulschließung im Dezember so“, sagt Schulleiter Heiko Vogel. Bereits bei ersten Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres war nahezu von einem zum anderen Tag der Schulbetrieb aufs Online-Lernen umgestellt worden. Wenn auch noch nicht in dieser Form wie jetzt. Möglich war das, weil die Kurfürst-Moritz-Schule bereits seit 2006 die auf dem Sächsischen Bildungsserver bereitgestellte Plattform Moodle fürs E-Learning nutzt. Alle Schüler und Lehrer sind darin einbezogen. Die Boxdorfer waren damals die Ersten in ganz Sachsen. Inzwischen wurden die Angebote immer mehr ausgebaut und ergänzt.

Schule ist gut aufgestellt

Seit dem Start des Schuljahres 2019/20 so auch durch einen elektronischen Schulmanager, der Eltern, Lehrern und Schülern zahlreiche Möglichkeiten der Information und Kommunikation bietet. Klassenbuch, Stundenpläne, Hausaufgaben, Noten, Fehlzeiten, Krankmeldungen von Kindern und vieles mehr ist darin je nach Zugangsberechtigung sichtbar.

Und auch bei der technischen Ausstattung ist die Oberschule der Gemeinde Moritzburg, die rund 500 Mädchen und Jungen besuchen, vielen anderen um Längen voraus. „In unserem W-Lan können wir 700 Geräte problemlos gleichzeitig nutzen. Der Flaschenhals ist noch immer unsere Verbindung nach draußen, obwohl wir mittlerweile 2 mal 100 MBit haben.“

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Dank der im Vorjahr vom Bund als Reaktion auf den verordneten Heim-Unterricht bereitgestellten Fördermitteln konnte die Gemeinde kurzfristig 92 Tablets für ihre drei Schulen anschaffen. Zwei Drittel davon bekam die Oberschule. „Wer Zuhause kein eigenes Gerät hat, kann damit nun auch eins aus der Schule bekommen“, sagt Heiko Vogel. „Viele Schüler sind froh, endlich wieder in die Schule kommen zu können“, sagt der Schulleiter und hofft, dass der Präsenzunterricht erhalten bleibt.

In der Deutschstunde der Fünftklässler geht es am Donnerstag darum, wie man Sach- und literarischen Texten Informationen entnehmen kann. Dafür begleiten sie Grace O‘ Malley, eine irische Piratenkapitänin, auf ihrer heimlichen Schifffahrt.

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