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Ein Kapitel Schulgeschichte endet

In Moritzburg hat der Abriss der einstigen Mittelschule begonnen. Entstehen werden hier das neue Feuerwehrhaus, Schulräume und eine Rettungswache.

Seit vergangener Woche werden die Fassadenverkleidungen des seit 2006 nicht mehr genutzten Gebäudes der einstigen Moritzburger Mittelschule abgebaut.
Seit vergangener Woche werden die Fassadenverkleidungen des seit 2006 nicht mehr genutzten Gebäudes der einstigen Moritzburger Mittelschule abgebaut. © Norbert Millauer

Moritzburg. Donnerstagmittag. Mitarbeiter der Firma Bothur aus Großenhain sind gerade dabei, die letzten Paneele abzubauen, mit denen bisher die Betonwände verkleidet waren. Der wolkenverhangene Himmel, aus dem es immer wieder regnet, lässt das Gebäude noch etwas grauer erscheinen. Trotz der bunten Graffitis.

Auch im Inneren des Plattenbaus wird gearbeitet. Nachdem der Moritzburger Gemeinderat zu Monatsbeginn im zweiten Anlauf die Abrissarbeiten für knapp 200.000 Euro vergeben hat, soll das einstige Schulhaus bis zum Jahresende verschwunden sein.

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Damit wird dann endgültig ein Kapitel Moritzburger Schulgeschichte abgeschlossen, an das viele Moritzburger sicher noch manche Erinnerung haben. Sei es nun, weil sie dort als Schüler gelernt haben, oder weil sie als Eltern bei der Gestaltung der Außenanlage mitgeholfen hatten.

Als der Neubau der damaligen Polytechnischen Oberschule im Sommer 1981 übergeben wurde, war das ein großer Moment. „Auch wenn das Haus eigentlich nicht in den Ort passte“, wie der damalige Schulleiter Klaus Sünder sagt. „Aber wir waren froh, dass dieser Schultyp für uns infrage kam.“ Denn der Platz in den alten Gebäuden der jetzigen Grundschule war begrenzt. 

Auch Räume im Lindengarten wurden für den Unterricht genutzt. „Als ich die Schule 1967 übernommen habe, musste ich als Erstes die Turnhalle sperren, weil der Boden kaputt war“, erinnert sich der Moritzburger.

Vor dem Abriss konnten junge Moritzburger das Gebäude noch einmal mit Graffiti besprühen. 
Vor dem Abriss konnten junge Moritzburger das Gebäude noch einmal mit Graffiti besprühen.  © Arvid Müller
Das Technische Hilfswerk nutzte das Haus Anfang Oktober noch einmal zum Üben. 
Das Technische Hilfswerk nutzte das Haus Anfang Oktober noch einmal zum Üben.  © Arvid Müller
Schadstoffe im Schonstein des Heizhauses erfordern, dass dieser von Hand abgetragen wird.
Schadstoffe im Schonstein des Heizhauses erfordern, dass dieser von Hand abgetragen wird. © Matthias Schumann

Die Toiletten seien in einem vorsintflutlichen Zustand gewesen und die Schulspeisung befand sich in einer windschiefen Baracke. Dank des Einsatzes des Bürgermeisters und der Unterstützung eines örtlichen Baubetriebs konnten nach und nach Verbesserungen erreicht werden. Das neue Schulgebäude löste schließlich die Raumprobleme. Obwohl die Schule ein Typenbau war, „konnten wir mit dem Planer die Aufteilung und Größe der Räume abstimmen“, sagt Klaus Sünder. Und statt eines runden Fabrikschonsteins bekam das Heizhaus wenigstens einen eckigen. Der war 1981 bei der feierlichen Schlüsselübergabe übrigens noch im Bau.

Die Freude über die neue Schule war allerdings nicht ungetrübt, so Klaus Sünder. Denn die Fenster waren nicht dicht, weil wahrscheinlich zu frisches Holz verwendet worden war. An diesem Zustand änderte sich offenbar bis zur Schließung der damaligen Mittelschule im Sommer 2006 nichts. Denn Heiko Vogel, der heutige Leiter der Kurfürst-Moritz-Oberschule Boxdorf, kann sich noch gut erinnern, dass es damals im Lehrerzimmer innen eine Dachrinne gab, damit das Wasser geordnet aufgefangen wurde und ablief.

 Die Moritzburger Schule war bei ihrer Schließung übrigens nicht mehr eigenständig, sondern eine Außenstelle der Boxdorfer Mittelschule.

Für den Bau des Schulhauses mussten seinerzeit erhebliche Erdmassen bewegt und auch eine Klärgrube gebaut werden. 
Für den Bau des Schulhauses mussten seinerzeit erhebliche Erdmassen bewegt und auch eine Klärgrube gebaut werden.  © privat
Ein großer Moment im Sommer 1981. Schlüsselübergabe für den Neubau der Polytechnischen Oberschule Moritzburg.
Ein großer Moment im Sommer 1981. Schlüsselübergabe für den Neubau der Polytechnischen Oberschule Moritzburg. © privat
Zur Einweihung der Schule war der Schornstein noch nicht ganz fertig. 
Zur Einweihung der Schule war der Schornstein noch nicht ganz fertig.  © privat

In den vergangenen 14 Jahren stand das Haus im Wesentlichen leer. Ein paar Kellerräume wurden vom Hort zum Abstellen des Spielzeugs genutzt und das Heizhaus war vom Bauhof in Beschlag genommen worden. Die Heizung der Schule hatte die Gemeinde Moritzburg 1992 von Braunkohle auf Öl umgestellt.

Mehrfach wurde das leerstehende Haus von Polizei, Feuerwehr und THW zum Üben genutzt. Auch jetzt, kurz vor dem Abriss, waren die Kameraden des THW noch einmal im Gebäude.

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Der Neubau auf dem Areal soll nun im nächsten Jahr starten. Geplant ist ein neues Gerätehaus für die Moritzburger Ortsfeuerwehr. In diesem wird auch Platz für von der Grundschule dringend benötigten zusätzlichen Räume sein. Gebaut wird zudem eine Rettungswache, die der Landkreis der Gemeinde nach ihrer Fertigstellung abkauft.

Die aktuellen Kostenberechnungen für das Gesamtvorhaben belaufen sich laut Auskunft der Gemeindeverwaltung auf knapp acht Millionen Euro.

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