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Fast bereit zum Abflug

Sechs Storchenpaare haben in den Nestern um Radeburg und Moritzburg für 14 Jungtiere gesorgt. Diese Zahl ist allerdings nur auf den ersten Blick gut.

Im Gänsemarsch auf Futtersuche. Die Bärwalder Jungstörche sind jetzt täglich bei ihren Ausflügen zu beobachten.
Im Gänsemarsch auf Futtersuche. Die Bärwalder Jungstörche sind jetzt täglich bei ihren Ausflügen zu beobachten. © Katrin Stiebeling

Moritzburg/Radeburg. Im Frühjahr wird Adebar oft schon in den Dörfern um Moritzburg erwartet. Im Sommer ziehen die Störche dann immer wieder Blicke auf sich, wenn sie elegant durch die Luft segeln, auf Futtersuche über die gemähten Wiesen und abgeernteten Felder staksen oder ihren Nachwuchs im Nest aufziehen. Die Moritzburger Kleinkuppenlandschaft ist in der Region um Dresden ein bedeutsames Reproduktionsgebiet für den Weißstorch.

Allerdings schwanken die Erfolge bei Brut und Aufzucht mitunter sehr deutlich. Denn Kälte, Regen, Sturm und Trockenheit haben erheblichen Einfluss darauf. In diesem Jahr blieben die großen Vögel von Wetterkapriolen verschont. Dennoch liegt die Zahl der jungen Störche unter dem, was sich Naturschützer erhofft hatten.

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Peter Hummitzsch von der Nabu-Fachgruppe Ornithologie und Naturschutz Radebeul nennt Gründe dafür. „Es gab verschiedenen Störungen, die zu Beeinträchtigungen geführt haben. Von den neun Brutpaaren in den Nestern um Radeburg und Moritzburg haben so nur sechs erfolgreich Jungtiere aufgezogen.“ So hatte sich in dem Nest am Fasanenschlösschen zwar ein Paar eingefunden, das dann aber von mindestens einem weiteren Storch gestört wurde. Am Ende blieb dort der Nachwuchs von Adebar aus.

Beinbrüche verhindern erfolgreiche Brut

In zwei weiteren Fällen spielten gebrochene Beine eine Rolle. So hatte sich einer der Berbisdorfer Störche bereits im Vorjahr verletzt, was vermutlich dazu führte, dass die geschlüpften Tiere nicht flügge wurden, weil er nicht ausreichend, zu deren Versorgung beitragen konnte. „In diesem Jahr kehrte er nun erneut zum Nest zurück“, sagt der Naturschützer. Möglicherweise ist er aber immer noch gehandicapt, sodass die Adebare dort diesmal erst gar nicht mit dem Brüten anfingen.

Das sei auch in dem Nest in der Gartensiedlung in Volkersdorf der Fall gewesen, wo sich aktuell ein Storch das Bein gebrochen hatte. Beide Nester sorgten in den vergangenen Jahren regelmäßig für reichlichen Nachwuchs. Umso schwerer wiegen die jetzigen Ausfälle.

Vier auf einen Streich. Die jungen Bärwalder Störche haben das Fliegen gelernt.
Vier auf einen Streich. Die jungen Bärwalder Störche haben das Fliegen gelernt. © Katrin Stiebeling

Die sechs erfolgreichen Brutpaare haben mit insgesamt 14 jungen Störchen indes für eine gute Bilanz gesorgt. Allerdings müssen für ein realistisches Bild auch die drei anderen Paare mit hinzugerechnet werden, wodurch die Reproduktionsrate unterm Strich auf 1,56 gedrückt wird. „Erforderlich ist möglichst dauerhaft eine von über zwei“, ergänzt Peter Hummitzsch.

Nach seinen Informationen war das Paar in Dippelsdorf mit vier aufgezogenen Tieren in diesem Jahr besonders erfolgreich. Gefolgt vom zweiten Standort in Volkersdorf und dem in Bärwalde mit jeweils drei. Bei diesem fällt das Ergebnis aber offenbar sogar noch besser aus. Denn Anwohnerin Katrin Stiebeling, die das Geschehen in „ihrem“ Storchennest immer aufmerksam verfolgt, ist sich sicher, dass auch in Bärwalde vier junge Adebare aufgezogen wurden. „Seit das Quartett vor gut zwei Wochen flügge geworden ist, sieht man sie nur noch selten zusammen auf dem Nest“, sagt sie. „Stattdessen verbringen die kleinen Störche tägliche viel Zeit mit Flugübungen und gemeinsamer Futtersuche.“

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Mitte, spätestens Ende August sammeln sich die Jungstörche für ihre erste Reise ins Winterquartier. Dann sind hoffentlich auch die zwei aus Bärnsdorf sowie der Moritzburger und Radeburger mit dabei. Dieser, so Peter Hummitzsch, war als letzter geschlüpft. Die Eltern machen sich meist erst vier Wochen später auf den Weg.

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