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Gaslecks auf der Spur

Regelmäßig lässt SachsenEnergie seine Leitungen kontrollieren. Auch auf privaten Grundstücken. Warum sich die Prüfer vorher nicht anmelden.

Mit einer sogenannten Teppichsonde sucht Gasnetzprüfer Sven Peuker wie hier in Friedewald nach undichten Stellen im Leitungsnetz der SachsenEnergie.
Mit einer sogenannten Teppichsonde sucht Gasnetzprüfer Sven Peuker wie hier in Friedewald nach undichten Stellen im Leitungsnetz der SachsenEnergie. © Norbert Millauer

Landkreis Meißen. Haben Sie schon mal etwas von einem Gasspürer gehört? Wenn Sie dabei jetzt an einen Vierbeiner mit einem speziell geschulten Geruchssinn denken, liegen sie allerdings falsch. Sven Peuker von der Spie SAG GmbH ist solch ein Gasspürer. Auf seine Nase braucht sich der sonnengebräunte Mann dabei allerdings nicht zu verlassen. Denn viel besser als diese kann die Technik, mit der er unterwegs ist, selbst kleinste Gaspartikel in der Luft aufspüren.

Die Rede ist dabei von Erdgas, denn Sven Peuker und seine Kollegen überprüfen im Auftrag von SachsenNetze regelmäßig die Leitungen des Netzbetreibers. Einschließlich der Hausanschlüsse. Wie oft das passiert ist genau vorgeschrieben und hängt von verschiedenen Kriterien ab. Etwa von der Druckstufe, dem Leitungsmaterial oder auch der Störquote der letzten Überprüfung. Wie Pressesprecherin Viola Martin-Mönnich von SachsenEnergie weiter sagt, liegt der Turnus zwischen einmal jährlich bei Hochdruckleitungen im bebauten Gebiet bis maximal sechs Jahre für neu errichtete Ortsnetze mit Kunststoffrohren aus Polyethylen. „In der Regel findet die Überprüfung der Ortsnetze bei SachsenNetze aller vier Jahre statt.“ Derzeit sind die Gasspürer gerade auch wieder im Landkreis unterwegs.

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Täglich Kilometer schrubben

Dank seiner überwiegend orangefarbenen Arbeitskleidung fällt Sven Peuker dabei auf. Was gewollt ist. Schließlich muss der Mann bei seiner Arbeit oft die Straßenseite wechseln, oder manchmal auch direkt auf ihr laufen, um den Leitungen zu folgen. Am Tag kommen so meist locker zwischen zwölf und 15 Kilometer zusammen, verrät Sven Peuker.

Wo diese genau im Erdreich liegen, sieht der Gasnetzprüfer auf einem Tablet-Computer, den er vor seiner Brust trägt. Nicht weniger auffällig als die Kleidung ist allerdings das staubsauerartige Gerät, das er mit einer Hand vor sich her schiebt. Es ist eine sogenannte Teppichsonde, auch wenn der Lappen, der dabei ständig über den Boden schleift, eher einem Scheuerhader als einem Teppich ähnelt. Er dient dazu, dass möglicherweise aus den Boden aufsteigende Gaspartikel nicht entweichen, sondern zu der in der Mitte sitzenden Sonde gelangen. Komplettiert wird Sven Peukers Ausrüstung durch einen kleinen Kasten an der Hüfte. Es ist eine Pumpe, die für die notwendige Ansaugluft der Sonde sorgt und dabei ein permanentes Surren von sich gibt.

Arbeit nur bei trockenem Wetter

Im Prüfeinsatz sind die Gasspürer in der Regel von März bis Oktober. Denn der Boden darf weder gefroren noch zu feucht sein. „Regen versiegelt das Erdreich. Das aus einer Schadstelle austretende Gas würde dann nicht an die Oberfläche kommen“, erklärt Karsten Börner von der Spie SAG GmbH. Dass sie nur bei Trockenheit arbeiten können, ist auch der Grund dafür, warum die Gasnetzprüfer ihren Besuch vorher nicht ankündigen. Denn meist dauert der nur ein paar Minuten. Wenn die Hauseigentümer dafür dann möglicherweise umsonst warten müssten, wäre das nicht verhältnismäßig. Darum steckt Sven Peuker eine Karte mit einem Terminvorschlag nur in den Briefkasten, wenn er einen Kunden nicht angetroffen hat.

Anders als früher das Stadtgas ist Erdgas übrigens nicht giftig. Wahrnehmen kann man es durch die Beigabe eines Geruchsstoffes. Gefährlich kann es werden, weil es brennbar und auch explosiv ist. Wobei vor allem Hohlräume wie beispielsweise Abwasserschächte oder Keller ein Risiko darstellen, weil sich dort ein gefährliches Gasgemisch bilden kann.

Spüren die Prüfer ein Leck auf, was im statistischen Durchschnitt alle 16,6 Kilometer passiert, ist daher für das weitere Vorgehen entscheidend, wo sich dieses befindet. Ist es unmittelbar an einem Haus oder Hohlraum, muss sofort gehandelt werden.

Pflanzen und Bauten auf Leitungen

Wer selbst Gasgeruch feststellt, sollte folgendes beachten: Hauptabsperrvorrichtung schließen, Funkenbildung vermeiden, Zündquellen ausschalten, gefährdete Personen evakuieren und Räume quer belüften. Die Störungsrufnummer Gas der SachsenNetze ist unter 0351 50178880 rund um die Uhr erreichbar.

Ursachen für mögliche Lecks ist übrigens nicht nur eine gewisse Alterung, der die erdverlegten Leitungen unterliegen, wie Karsten Börner sagt. Probleme entstünden oft auch durch Bepflanzungen oder weil sogar Garagen und Schuppen auf die Leitungen gebaut werden. Auch darauf achten die Gasnetzprüfer.

Übrigens: Bevor bei diesen die moderne Technik Einzug hielt, schnüffelten tatsächlich speziell ausgebildete Hunde nach Gaslecks. Wer vorhin beim Begriff Gasspürer an die Vierbeiner gedacht hat, lag also doch nicht so ganz falsch.

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