merken
PLUS Radebeul

Bald auch Abi in Boxdorf?

Die Kurfürst-Moritz-Schule will Gemeinschaftsschule werden. Ihr mehrfach ausgezeichnetes Konzept spricht dafür. Nun muss das Ministerium entscheiden.

Mitglieder der Jury des Deutschen Schulpreises waren vor zwei Jahren in der Kurfürst-Moritz-Schule zu Gast. Das Konzept, in dem die Musik als verbindendes Element eine wichtige Rolle beim Lernen spielt, überzeugte die Juroren.
Mitglieder der Jury des Deutschen Schulpreises waren vor zwei Jahren in der Kurfürst-Moritz-Schule zu Gast. Das Konzept, in dem die Musik als verbindendes Element eine wichtige Rolle beim Lernen spielt, überzeugte die Juroren. © Norbert Millauer

Moritzburg. Geht es nach den Lehrern, Schülern und Eltern der Kurfürst-Moritz-Schule in Boxdorf, ist die Sache klar: Ihre Oberschule soll nach den Sommerferien zur Gemeinschaftsschule werden. Die entsprechenden Gremien der Bildungseinrichtung haben sich einstimmig dafür ausgesprochen, so Schulleiter Heiko Vogel. Lediglich in der Lehrerkonferenz habe es eine Enthaltung gegeben.

Grünes Licht gab es am Montagabend nun auch vom Schulträger - der Gemeinde Moritzburg. Die Gemeinderäte sprachen sich in ihrer Sitzung bei zwei Enthaltungen dafür aus, beim Sächsischen Staatsministerium für Kultus einen entsprechenden Antrag auf Änderung der Schulart zu stellen.

So schön ist die Porzellan- und Weinstadt
So schön ist die Porzellan- und Weinstadt

Meißen hat zahlreiche Facetten: Lernen Sie Ihre Stadt näher kennen und erfahren Sie, was dieser Ort Ihnen alles zu bieten hat. Das und mehr auf Meißen. Lokal

Die Kurfürst-Moritz-Schule ist die einzige weiterführende Schule in der Gemeinde Moritzburg und sie gehört zu den besten Schulen Sachsens und Deutschlands. Beleg dafür sind neben zahlreichen Auszeichnungen - so gehörte sie im Jahr 2019 zu den Gewinnern des Deutschen Schulpreises - nicht zuletzt die Abschlüsse der Absolventen. Rund die Hälfte von ihnen wechselte in den vergangenen Jahren im Anschluss an die zehnte Klasse auf ein berufliches Gymnasium. Aktuell werden in der dreizügigen Schule rund 490 Schüler von etwa 36 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet.

Die Gemeinschaftsschulen sind erst seit dem Vorjahr im Schulgesetz des Freistaats verankert, nachdem der Landtag im Sommer mit großer Mehrheit einen entsprechenden Beschluss gefasst hatte. Damit ging ein Konflikt zu Ende, der seit Verabschiedung des ersten Schulgesetzes in Sachsen 1991 bestand.

Erfolgreiche Teilnahme an Schulversuch

Grundlage für die Vereinbarung der Koalition aus CDU, Grünen und SPD war ein Volksantrag zum längeren gemeinsamen Lernen, der vom Bündnis Gemeinschaftsschule eingereicht wurde. Das Bündnis aus Lehrern, Eltern, Schülern und Gewerkschaften hatte mit Unterstützung von Linken, SPD und Grünen mehr als 50.000 Unterschriften gesammelt. Allerdings wurde der Inhalt des Volksantrages verändert, damit auch die CDU zustimmte. Demnach müssen für eine Gemeinschaftsschule mindestens vier fünfte Klassen vorhanden sein.

Als das nach dem Landtagsbeschuss bekannt wurde, sah es damit zunächst danach aus, als ob die Schule in Boxdorf damit durch das Raster fallen würde. Dabei gehörte sie zu den rund ein Dutzend Einrichtungen, die sich seinerzeit an dem sächsischen Schulversuch (Schule mit besonderem pädagogischen Profil/Gemeinschaftsschule) beteiligten. Seit 2007 wurde das umfangreiche Schulkonzept immer weiterentwickelt und umfasst heute über 100 Seiten. Es gab Veränderungen in der Stundentafel, leistungsdifferenzierten Unterricht bis hin zu klassen- und jahrgangsübergreifendem Lernen.

Das historische Schulhaus (li.) wurde nach der Wende durch einen modernen Anbau ergänzt. Inzwischen ist der Platz dennoch schon wieder knapp geworden.
Das historische Schulhaus (li.) wurde nach der Wende durch einen modernen Anbau ergänzt. Inzwischen ist der Platz dennoch schon wieder knapp geworden. © Norbert Millauer

Ab 2011 ging das Konzept schließlich in den Regelschulbetrieb über und wurde 2016 mit der Entlassung der letzten noch in der Zeit des Schulversuchs gestarteten Klasse beendet. Nicht zuletzt dank des Engagements der Lehrkräfte gelang es auch danach, fast alle im Versuchszeitraum erprobten und bewährten konzeptionellen Weiterentwicklungen fortzuführen. Trotz sich verändernder Rechtsgrundlagen.

„Mit dem Landtagsbeschluss zur Gemeinschaftsschule ändert sich die Situation jetzt noch einmal“, so Heiko Vogel. Da es diese nun im Schulgesetz gibt, werden die Freiräume für Oberschulen damit enger abgesteckt. „Wenn wir unser erfolgreiches Konzept fortführen wollen, brauchen wir also eine Änderung der Schulart“, hatte der Schulleiter und SPD-Gemeinderat am Montagabend in dem Gremium geworben.

Möglich sei die Gemeinschaftsschule - trotz der fehlenden Vierzügigkeit - durch im Gesetz formulierte Ausnahmen. Zu diesen gehören „besondere pädagogische Gründe“. Wenn in der Kurfürst-Moritz-Schule seit 13 Jahren die Inhalte einer Gemeinschaftsschule erfolgreich gelebt werden, sollten das Gründe genug sein.

Kein Schulwechsel mehr für Abi nötig

Alles beim Alten wird mit der Schulartänderung in Boxdorf aber dennoch nicht bleiben. Denn ein wichtiger Punkt der Gemeinschaftsschule ist ja das längere gemeinsame Lernen der Schüler. Sie umfassen daher eigentlich die Klassenstufen eins bis zehn sowie die Jahrgangsstufen elf und zwölf. „Möglich ist aber auch, dass Gemeinschaftsschulen Kooperationsverträge mit Grundschulen schließen“, sagt Heiko Vogel. Bei der Kurfürst-Moritz-Schule wären das die Schulen in Moritzburg und Reichenberg sowie die freie Freinet Schule in Friedewald.

„Für die Wahnsdorfer Kinder würde es damit eine rechtssichere Grundlage geben, nach der Grundschule in Reichenberg auf unsere Schule zu wechseln.“ Schüler aus Steinbach würden dagegen bei der Erstattung der Busfahrkosten nach Boxdorf profitieren. Derzeit ist für die Schüler aus dem Moritzburger Ortsteil nämlich die Oberschule in der Nachbargemeinde Ebersbach die nächstgelegene. So wie in der Schülerbeförderungssatzung des Landkreises vorgesehen. Das ändert sich natürlich, wenn Boxdorf Gemeinschaftsschule wird.

Schulleiter Heiko Vogel im Foyer der Kurfürst-Moritz-Schule mit dem 2019 erkämpften Deutschen Schulpreis.
Schulleiter Heiko Vogel im Foyer der Kurfürst-Moritz-Schule mit dem 2019 erkämpften Deutschen Schulpreis. © Norbert Millauer

Der größte Gewinn für die jetzigen und künftigen Schüler besteht allerdings darin, dass neben der Fortführung des erfolgreichen und bei Eltern und Kindern stark nachgefragten Konzepts künftig auch der Besuch der Sekundarstufe II und damit das Abitur direkt an der Kurfürst-Moritz-Schule angeboten werden kann. „Wenn auch nicht gleich ab dem neuen Schuljahr“, wie der Schulleiter einräumt. Dafür müsse noch einiges vorbereitet werden. „Unser Ziel ist es, diese Möglichkeit den Schülern ab den jetzigen siebenten oder achten Klassen anzubieten.“

Eine wichtige Frage aus der Runde der Gemeinderäte war, ob mit der Erweiterung um die Klassenstufen elf und zwölf ein zusätzlicher Raumbedarf verbunden ist. Schließlich platzt die Schule schon lange aus den Nähten. Die schon einmal ausgeschriebene Erweiterung muss wegen anderer Vorhaben aber erneut warten.

Weiterführende Artikel

In Moritzburg geht Unterricht fast normal weiter

In Moritzburg geht Unterricht fast normal weiter

Die Kurfürst-Moritz-Schule Boxdorf ist schon sehr weit auf dem Weg zur digitalen Schule. Das ist jetzt ein großer Vorteil.

Hoffen auf den Deutschen Schulpreis

Hoffen auf den Deutschen Schulpreis

Die Kurfürst-Moritz-Schule Boxdorf gehört zu den 15 nominierten Finalisten. Am Mittwoch fällt die Entscheidung.

Aufmerksame Besucher

Aufmerksame Besucher

Die Kurfürst-Moritz-Schule bewirbt sich erneut um den Deutschen Schulpreis. Jetzt war die Jury im Haus. 

Heiko Vogel: „Was uns fehlt, sind Klassenräume für die in den vergangenen Jahren umgesetzte Dreizügigkeit der Schule. In der Sekundarstufe II wird im Kurssystem unterrichtet. Dafür reichen Gruppenräume. Die haben wir.“

In der Schule und der Gemeinde sind damit die Weichen für die Gemeinschaftsschule gestellt. Nun muss das Kultus-Ministerium zur Zukunft der Kurfürst-Moritz-Schule entscheiden.

Mehr zum Thema Radebeul