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Schloss Moritzburg neu entdecken

Seit der Wiedereröffnung vor knapp einer Woche können Besucher auf eine unterhaltsame virtuelle Zeitreise gehen und dabei sogar Schätze suchen.

August der Starke empfängt 1728 seine Gäste im Monströsensaal von Schloss Moritzburg. Und die Besucher im Jahr 2021 sind dank des neuen Tablet-Guides mittendrin.
August der Starke empfängt 1728 seine Gäste im Monströsensaal von Schloss Moritzburg. Und die Besucher im Jahr 2021 sind dank des neuen Tablet-Guides mittendrin. © Norbert Millauer

Moritzburg. Wir schreiben das Jahr 1728. Genauer, den 14. November. Gerade sind neue Gäste auf Schloss Moritzburg angekommen. Vor der prächtigen Kutsche sind vier nicht weniger schön anzuschauende Schimmel angespannt. In dem Gefährt sitzt die Gräfin Anna Carolina Orzelska.

Das alles sehen die Besucher im Jahr 2021, nachdem sie ihren handlichen Tablet-Guide über das Bild auf einer kleinen Stele gehalten und so das erste Zeittor geöffnet haben. Mit dieser Animation erschließt sich ihnen auch sofort, welche Funktion die Räume in der Mitte des Erdgeschosses früher hatten.

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Wer das Gerät weiter auf Augenhöhe hält und sich dabei etwas zur Seite dreht, entdeckt Bedienstete, die schwere Kisten schleppen. Als Jagd- und Lustschloss wurde Moritzburg zur Zeit Augusts des Starken und auch danach nicht ständig bewohnt. Hielt sich der Hofstaat hier auf, gingen auch jedes Mal viele Dinge vom Residenzschloss in Dresden mit auf Reisen.

Noch ein Stück weiter im Kreis gedreht und man erblickt den mit Fackeln beleuchteten Gang, über den Pagen die Gräfin gleich zu ihrem Gemach im ersten Obergeschoss - der Beletage des Schlosses - geleiten werden, bevor sie von August dem Starken im Monströsensaal empfangen wird. Auch die heutigen Besucher gehen diesen Weg, zur nächsten Station - dem Steinsaal.

Nachdem Schloss Moritzburg seit einer Woche wieder Gäste empfangen kann, erhalten diese für ihren Rundgang durch die barocken Museumsräume die modernen Geräte mit ausgehändigt. Der Tablet-Guide ist bereits im Eintritt enthalten. Der wurde dafür beispielsweise für Erwachsene von acht auf zehn Euro erhöht.

Das einstige Jagd- und Lustschloss August des Starken lädt jetzt zu einer ungewöhnlichen Reise in seine Vergangenheit ein.
Das einstige Jagd- und Lustschloss August des Starken lädt jetzt zu einer ungewöhnlichen Reise in seine Vergangenheit ein. © Norbert Millauer

Während immer mehr Museen in ihre Ausstellungen interaktive Stationen einbauen, an denen die Besucher beispielsweise selbst etwas ausprobieren, Aufgaben lösen oder sich auf moderne Art zusätzliches Wissen aneignen können, wurde in Moritzburg ein anderer Weg gewählt, mit dem nicht nur, aber viel stärker als bisher vor allem auch junge Besucher angesprochen werden sollen. Denn diese, so die Beobachtung der Museumsleute, waren meist sehr schnell mit dem Schlossrundgang fertig. Das wird sich nun vermutlich ändern.

Denn seit das im vergangenen Sommer auf der Albrechtsburg Meißen eingeführte sogenannte HistoPad dort zum Rundgang dazugehört, sieht man Kinder gemeinsam mit ihren Eltern oder Großeltern durch die alten Gemäuer wandeln und diese mit viel Spaß und Begeisterung auf ganz neue Art entdecken. Die Albrechtsburg ist übrigens die erste museale Einrichtung in Deutschland, die ihre Besucher zu solch einem tabletbasierten Rundgang einlädt. Mit großem Erfolg.

Nun also hat Moritzburg nachgezogen. Wie die Albrechtsburg gehört auch das Barockschloss zur Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH - kurz SBG. Mit der französischen Firma Histovery als erfahrenem Partner haben die SBG die beiden Projekte in Meißen und Moritzburg umgesetzt.

Aufwendige 3-D-Szenen und weitere interaktive Erlebnisse

Für das einstige Jagd- und Lustschloss recherchierte ein gemeinsames wissenschaftliches Team rund ein Jahr lang Quellen und erarbeitete Visualisierungen. Zudem wurde vermessen, fotografiert, gefilmt, digitalisiert und getextet. Entstanden sind so aufwendige 3-D-Szenen, die ein großes Fest im Schloss lebendig werden lassen, sowie weitere interaktive Erlebnisse.

Die Wahl der Fachleute für die Zeitreise fiel auf das Jahr 1728. Der 58-jährige sächsischen Kurfürst und polnische König August der Starke war von einer Krankheit genesen. Zudem galt es, den 21. Geburtstag seiner außerehelichen Lieblingstochter zu feiern, der Gräfin Anna Carolina Orzelska. Und nicht zuletzt war Moritzburg gerade zu einem repräsentativen Barockschloss umgebaut worden. Einen Monat lang weilte August der Starke damals im Schloss - sein längster Aufenthalt in Moritzbug. Und das Ereignis mit der besten Quellenlage, wie Schlosschefin Dominique Fliegler sagt. Diese betrifft nicht nur die anwesenden Gäste, sondern reicht sogar bis zum üppigen Menü des Festbanketts und weiteren Details.

Insgesamt 13 Zeittore lassen sich scannen - und schon beginnt die virtuelle Reise in die Vergangenheit.
Insgesamt 13 Zeittore lassen sich scannen - und schon beginnt die virtuelle Reise in die Vergangenheit. © Norbert Millauer

Für Figurbewusste oder gar Vegetarier waren die ausschweifenden Festivitäten der damaligen Zeit jedenfalls nichts. Nicht nur, dass an der langen Tafel im Festsaal 28 Gerichte serviert wurden - wohlgemerkt beim ersten von drei Gängen -, bestanden 23 davon noch aus deftig zubereitetem Fleisch.

Das HistoPad hält in Form zusätzlich animierter Drohnenvideos auch Blicke nach draußen in die Kulturlandschaft bereit. „Das war uns ganz wichtig“, sagt die Schlossleiterin, „schließlich ist diese untrennbar mit dem Schloss verbunden.“

Sicher lässt sich dabei künftig noch einiges in dem Tablet-Guide ergänzen und erweitern. Was kein Problem ist, denn es sind jährliche Aktualisierungen vorgesehen. Auch das ist ein Vorteil dieses digitalen Produkts: Es weckt Lust, wiederzukommen.

Audioguides weiterhin als Alternative

Gut angenommen, das zeigt die Albrechtsburg, wird auch die in das HistoPad integrierte virtuelle Schatzsuche. Und das nicht nur vor den jungen Besuchern. Im Schloss Moritzburg sind sieben Gegenstände zu finden und in der Schatztruhe des Tablet-Guides zu verstauen. Bei all dem, was an den 13 Zeittoren zu entdecken ist, kann man da schnell einen übersehen.

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Wer auch künftig lieber andächtig durch die prächtig ausgestatteten Schlosssäle und Zimmer spazieren und dabei das kostbare Leder an den Wänden, die aufwendig gefertigte Möbel oder Teile des gefundenen Wettiner-Schatzes bestaunen möchte, muss natürlich keines der derzeit 200 HistoPads mit auf seinen Rundgang nehmen. Denn die Texttafeln zu Exponaten und Räumen gibt es auch weiterhin. Sie sollen sogar noch überarbeitet werden. Und ebenso steht der bisherige informative Audioguide weiter zur Verfügung. „Wer möchte, bekommt auch diesen kostenlos als Alternative bei seinem Besuch im Schloss“, ergänzt Dominique Fliegler.

Die aktuellen Regelungen für den Schlossbesuch finden Sie auf der Website des Schlosses. Dort können auch die erforderlichen Zeitfenstertickets gelöst werden.

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