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Ärger im Camper-Paradies am Waldteich

Der Pächter hat seinen Vertrag mit der Gemeinde Moritzburg gekündigt. Die akzeptiert das nicht. Leidtragende des Streits sind die Dauercamper.

Auch wenn Horst Heymann und seine Frau mit ihrem Campingwagen noch regelmäßig unterwegs sind, ist ihr Dauerstellplatz am Oberen Waldteich seit über 40 Jahren ein fester Bestandteil ihres Lebens. Doch nun ist diese Idylle bedroht.
Auch wenn Horst Heymann und seine Frau mit ihrem Campingwagen noch regelmäßig unterwegs sind, ist ihr Dauerstellplatz am Oberen Waldteich seit über 40 Jahren ein fester Bestandteil ihres Lebens. Doch nun ist diese Idylle bedroht. © Norbert Millauer

Boxdorf. Die kleine Wiese zwischen dem Campingwagen und dem Teichufer ist gut gepflegt. Dichtes, kurzes Gras - saftig grün. Vom Wasser schallt ein lautes Froschkonzert herüber, die Sonne glitzert auf den leichten Wellen. Eine Idylle für den, der Natur und Camping mag.

Doch der friedliche Schein trügt. Denn im Camper-Paradies am Oberen Waldteich in Boxdorf herrscht Aufregung. Obwohl für die Dauercamper die Saison am 1. April startete, ist das Wasser auf dem Platz weiter abgestellt, auch die Duschen und Toiletten können nicht genutzt werden. Zum Teil sind die Camper schon seit mehr als 40 Jahren vor Ort und haben sich mit viel Mühe, Herzblut und Geld ihre Stellflächen hergerichtet. So wie der Dresdner Horst Heymann und seine Frau. „Wir haben hier vor 42 Jahren angefangen. Erst im Wald und haben uns dann bis hierher vorgearbeitet“, erzählt der 71-Jährige und zeigt auf das gepflegte Filetstück direkt am Teich.

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Seit ein paar Wochen hängt das nun plötzlich alles in der Luft. Für ihn und die anderen Dauercamper, deren Zahl Horst Heymann auf rund 150 schätzt. Sie alle haben einen Vertrag mit dem bisherigen Betreiber Steffen Martin. „Doch der hat sich klammheimlich davongemacht, bei der Gemeinde Moritzburg seinen Pachtvertrag gekündigt und die Schlüssel in den Rathaus-Briefkasten geworfen.“ Die Camper habe er nicht informiert. Ein Brief, den Heymann auch im Namen anderer Betroffener geschrieben hatte, blieb unbeantwortet.

Nicht so der an den Moritzburger Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos). Der Rathauschef lud die Camper zudem zu einem Gespräch ein. Hoffnung auf eine schnelle Lösung des Problems gibt es nach diesem allerdings nicht.

Pächter hat die Schlüssel abgegeben

Jörg Hänisch bestätigt auf Nachfrage der SZ, dass der Pächter seinen Vertrag Mitte Dezember in einem Brief mit Wirkung zum 31.12.2020 fristlos gekündigt habe. Am Jahresende wollte er dann die Schlüssel übergeben. „Ich habe ihm daraufhin mitgeteilt, dass ich die Schlüssel nicht nehmen werde, da der Pachtvertrag aus unserer Sicht weiterbesteht“, so der Bürgermeister. Offiziell ende dieser erst am 31. Dezember 2028, und ein außerordentliches Kündigungsrecht sei in diesem nur für den Verpächter, also die Gemeinde festgeschrieben worden. „Herr Martin hat die Schlüssel daraufhin in den Briefkasten geworfen.“

Im Gespräch mit der SZ sagt Steffen Martin, dass er auf Empfehlung seines Anwalts so gehandelt habe. „Der hat auch klipp und klar gesagt, wenn ich jetzt auf den Platz gehe, ist die Kündigung hinfällig.“ Von ihrem bisherigen Vertragspartner können die Dauercamper daher keine Hilfe in ihrer misslichen Situation erwarten. Und was sagt die Gemeinde?

Auch die Gemeinde Moritzburg, die inzwischen ebenfalls einen Anwalt eingeschaltet hat, macht keine Hoffnung auf eine schnelle Lösung. Eher das Gegenteil ist der Fall. Da es sich um einen laufenden Rechtsstreit handele, werde die Gemeinde als Verpächter derzeit keine Aktivitäten auf dem Platz unternehmen. Sollte es aus Sicht der Camper Verletzungen ihrer Verträge geben, müssten sie sich privatrechtlich mit dem Pächter auseinandersetzen, hatte der Bürgermeister geschrieben.

Licht, Luft, Sonne, Wasser und Froschkonzert - ein idyllisches Fleckchen Erde.
Licht, Luft, Sonne, Wasser und Froschkonzert - ein idyllisches Fleckchen Erde. © Norbert Millauer

Jörg Hänisch dämpft auch Erwartungen, dass es schnell einen neuen Pächter gibt, wenn sich der jetzige und die Gemeinde tatsächlich trennen würden. „Auf dem Platz sind in den vergangenen Jahren viele Bauten entstanden, die nicht genehmigt wurden. Da müsste erst einmal Klarheit geschaffen werden“, so Jörg Hänisch. Und noch etwas hat der Bürgermeister gegenüber den Campern und der SZ geäußert: „Über die weitere Nutzung des Geländes entscheidet der Gemeinderat.“ Daher sei es auch nicht ausgeschlossen, dass die Dauercamper das Areal räumen müssen.

Bleibt die Frage, warum der Pächter, der den angrenzenden Campingplatz auf Dresdner Flur weiterbetreibt, den Vertrag scheinbar Hals über Kopf gekündigt hat. Auf dem Platz wird erzählt, dass es seit dem plötzlichen Tod des Sohnes Reibereien mit der Schwiegertochter gebe, der nun das Froschcafé mit dem Grundstück am Campingplatz gehöre. Der Streit sei dann offenbar um die gemeinsame Zufahrt zu den beiden Grundstücken eskaliert. Wie der Bürgermeister sagt, ist das ein öffentlich gewidmeter Weg. Daher könne auch das Tor nicht einfach verschlossen werden.

Steffen Martin hält dem entgegen, dass das Froschcafé eigentlich eine eigene Zufahrt habe. Zudem stehe im Pachtvertrag klipp und klar, dass er die Wegepflicht habe. „Ich soll mich also um den Weg kümmern, darf mein Gelände aber nicht mit einem Tor sichern“, beklagt er. Die Gemeinde habe ihm dagegen vorgeschlagen, einen neuen Zaun zu bauen, um den Campingplatz vom Grundstück des Froschcafés abzugrenzen. „Der Gipfel war schließlich, dass das Tor dann Ende vergangenen Jahres plötzlich weg war. Einfach geklaut.“ Die hinzugerufene Polizei habe ihm gesagt, dass er das Gelände wegen Corona sichern müsse. Das Tor ist inzwischen wieder da, Steffen Martin hält indes an seinem Entschluss fest.

Petition für den Gemeinderat

Nicht ausgeschlossen ist allerdings, dass dieser von ihm nicht erst vor ein paar Monaten gefasst wurde. Denn wie Horst Heymann sagt, hätten die Dauercamper bereits im vergangenen Frühjahr ein Schreiben bekommen, dass alle bisherigen Mietverträge ab sofort ihre Gültigkeit verlieren würden. Künftig gebe es nur noch Jahresrechnungen. Allerdings hatten die Schreiben kein Datum.

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