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Kulturministerin besucht Kollwitz-Haus

Die ungewisse Zukunft des letzten Lebensorts der Künstlerin sorgt für große Aufmerksamkeit. Jetzt gibt es Hilfe. Diese ist aber nur ein erster Schritt.

Sabine Hänisch (re.) führte Sachsens Kunstministerin Barbara Klepsch (CDU) und den Meißner Landrat Falk Hänsel (parteilos) am Freitag durch die Ausstellungsräume im Moritzburger Käthe-Kollwitz-Haus.
Sabine Hänisch (re.) führte Sachsens Kunstministerin Barbara Klepsch (CDU) und den Meißner Landrat Falk Hänsel (parteilos) am Freitag durch die Ausstellungsräume im Moritzburger Käthe-Kollwitz-Haus. © Norbert Millauer

Moritzburg. Nach ihrem Rundgang durch das Käthe-Kollwitz-Haus sagte Barbara Klepsch: „Ich habe nicht gewusst, was mich hier erwartet, aber ich habe in den vergangenen Wochen viel gehört.“ Sie sei aus verschiedenen Fraktionen im Landtag angesprochen worden, aber auch aus anderen Bereichen. Alle Aussagen gingen dabei in die Richtung, dass man etwas für diesen kleinen Ort tun müsse, auf den so viele Menschen schauen.

Anfang Mai hatte die Dresdner Malerin und Bildhauerin Konstanze Feindt Eißner an Landtagspräsident Matthias Rößler eine von ihr initiierte Online-Petition für den Erhalt des Hauses übergeben, die über 6.000 Menschen aus ganz Deutschland und dem Ausland unterstützen. Vorausgegangen war ein Beschluss des Moritzburger Gemeinderats Ende vergangenen Jahres, der eine Begrenzung des Zuschusses der Gemeinde für das Haus ankündigte und eine dauerhafte Beteiligung des Landes an der Finanzierung forderte. Zudem drohte die weitere Kürzung der Kulturraumgelder.

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Diese ist vom Tisch, wie der Meißner Landrat Ralf Hänsel (parteilos) am Freitag noch einmal deutlich machte. Durch den neu geschaffenen Sonderstatus für die nicht die Kriterien eines Museums erfüllende Einrichtung werden nun in diesem Jahr statt rund 17.000 Euro etwas mehr als 27.000 Euro für das Kollwitz-Haus zur Verfügung gestellt. Im nächsten Jahr dann sogar 30.000 Euro.

Und auch der Freistaat hat reagiert. Mit dem im Mai beschlossenen Doppelhaushalt hat der Landtag für 2021 und 2022 jeweils 30.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die gleiche Summe soll es auch im darauffolgenden Jahr noch einmal geben. „Es war nicht so einfach, das Geld auch für das dritte Jahr hinzubekommen“, sagte die Kulturministerin.

Ziel der Gemeinde ist eine dauerhafte Beteiligung

Vom Tisch ist das Problem damit allerdings nicht. Moritzburgs stellvertretender Bürgermeister Volker John (CDU) erwiderte dann auch, dass er sich über die Unterstützung freue, „aber eigentlich haben wir auf eine dauerhafte Lösung, eine institutionelle Förderung gehofft“. Denn es gehe ja nicht nur um die Sicherung des laufenden Betriebs, sondern auch um den baulichen Erhalt des Hauses. Das habe die Gemeinde vor 26 Jahren in die Stiftung eingebracht, inzwischen seien aber wieder viele Arbeiten notwendig, die eine Gemeinde von der Größe Moritzburgs nicht alleine tragen kann. Zumal das Kollwitz-Haus als einzig erhaltener authentischer Lebensort der Künstlerin eine Bedeutung habe, die weit über die Gemeinde hinaus gehe. Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) sagte daraufhin: „Ein institutionelle Förderung sehe ich als zweiten Teil.“ Zunächst müsse geklärt werden, wie das langfristige Konzept für das Haus aussieht. „Bleibt alles so, oder wie soll es inhaltlich weitergehen?“

Die Gäste besuchten auch die Druckwerkstatt des Kollwitz-Hauses, die nicht nur von Schülergruppen gern genutzt wird.
Die Gäste besuchten auch die Druckwerkstatt des Kollwitz-Hauses, die nicht nur von Schülergruppen gern genutzt wird. © SZ/Sven Görner

Auch der Gemeinderat fordert von der Stiftung ein Konzept, wie das Haus künftig weitergeführt und finanziert werden soll. Sabine Hänisch, die Geschäftsführerin der Stiftung, wird diese am Monatsende nach 26 Jahren verlassen. Sie bedankte sich für die jahrelange Unterstützung durch den Kulturraum. „Ich denke, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist, darüber nachzudenken, wie es inhaltlich weitergehen soll.“ Wenn das jemand mit neuem Schwung, neuer Kraft und einem anderen Blick angehe, „dann ist das gut so“.

Barbara Klepsch hatte sich zuvor beim Rundgang nicht nur die Ausstellungsräume und die kleine Druckwerkstatt angesehen, sondern auch den Dachboden, das Nebengebäude und das derzeit leer stehende Café Strauß in Augenschein genommen. Sie lobte die Präsentation in der Dauerausstellung und fragte auch bei den museumspädagogischen Angeboten nach. Das Café, so fand sie, sei ein toller Ort. Dessen Räume sollten - wie auch das großzügige Außengelände - bei den konzeptionellen Überlegungen auf jeden Fall mit beachtet werden.

Arbeitsgruppe für Konzepterarbeitung gegründet

Einfach überwiesen bekommt die Stiftung das Geld aus dem Landeshaushalt allerdings nicht. Dafür müsse ein Antrag gestellt und benannt werden, wofür es eingesetzt werden soll. Der Verwendungszweck sei dabei relativ offen. Nur für das Erarbeiten der Konzeption, so die Ministerin, sollte das Geld nicht eingesetzt werden. „Dafür gibt es andere Töpfe.“ Und noch etwas sei wichtig: „Dass wir nicht nach den drei Jahren an der gleichen Stelle stehen.“

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Damit das nicht so ist, gibt es eine Arbeitsgruppe, der neben Vertretern der Stiftungsgremien unter anderem auch die Leiterin der Landestelle für Museumswesen, die Direktorin des Dresdner Kupferstichkabinetts und die Leiterin des Kölner Kollwitz-Museums angehören. Und künftig auch die Nachfolgerin oder der Nachfolger von Sabine Hänisch. Die Stelle wurde von der Stiftung ausgeschrieben, nach SZ-Informationen gibt es 19 Bewerbungen.

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