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Moritzburg gegen Bauantrag für Wildgehege

Die Gemeinde hat eigentlich nichts gegen den geplanten Ersatz des Eingangsgebäudes. Sorgen bereitet den Räten und der Verwaltung etwas anderes.

Das Eingangsgebäude des Wildgeheges in Moritzburg soll durch einen Neubau ersetzt werden. Den Bauantrag des Sachsenforstes haben die Gemeinderäte jetzt abgelehnt.
Das Eingangsgebäude des Wildgeheges in Moritzburg soll durch einen Neubau ersetzt werden. Den Bauantrag des Sachsenforstes haben die Gemeinderäte jetzt abgelehnt. © Arvid Müller

Moritzburg. Es war eine Ablehnung mit Ansage. Die Gemeindeverwaltung hatte in ihrem Beschlussvorschlag zwar empfohlen, dem Bauantrag des Staatsbetriebs Sachsenforst zuzustimmen, aber zugleich auch Bedenken hinsichtlich der Zahl der darin genannten Parkmöglichkeiten angemeldet. Aufgeführt sind 163 Stellplätze. Im Zuge des weiteren Verfahrens sollte im Zusammenspiel mit dem Landratsamt Meißen - das entscheidet letztlich über den Bauantrag - ein fundierter Nachweis gefordert werden.

Der Technische Ausschuss des Moritzburger Gemeinderats ging am Donnerstagabend in seiner Sitzung einen deutlichen Schritt weiter. Wie Bürgermeister Jörg Hänisch am Freitag auf SZ-Nachfrage sagte, lehnten dessen Mitglieder den Antrag für einen Ersatzneubau des Eingangsgebäudes im Wildgehege Moritzburg einstimmig ab. Der Rathauschef betonte dabei: „Die Ablehnung hat nichts mit dem geplanten Gebäude zu tun. Der Neubau wird ausdrücklich begrüßt.“

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Aber warum dann die Ablehnung, die das Projekt möglicherweise verzögern oder gar gefährden könnte? „Es ist Fakt, dass die vorhandenen Parkplätze am Wildgehege an Tagen mit sehr gutem Besucherverkehr nicht ausreichen. Und das sind nicht wenige im Jahr“, sagt der Bürgermeister. Das Ergebnis seien zugestellte Waldwege, Straßenränder und auch von Kutschen genutzte Wege, wie etwa dem zum blauen Tor.

Streitpunkt ist die Parkplatz-Situation

Wie Hänisch sagt, habe es daher in den vergangenen Jahren viele Gespräche der Gemeinde mit dem Sachsenforst, dem Staatlichen Schlösserbetrieb und dem Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB) gegeben, um Lösungen für das Gebiet zu finden. Das umfasst nicht nur das Wildgehege, sondern auch die angrenzende Fasanerie mit dem Fasanenschlösschen. Entstanden sei im Ergebnis eine Wegekonzeption, die auch das Parken umfasst. Eine wichtige Rolle soll dabei dem Parkplatz am Kutschgeteich zukommen, auch ein zweiter Eingang ins Wildgehege könnte die jetzige Situation entschärfen. Dafür sei beispielsweise aber auch ein neuer Weg von diesem Parkplatz in Richtung Wildgehege erforderlich.

„Dafür sind nicht unerhebliche Investitionen erforderlich, die man nicht allein der Gemeinde überhelfen kann“, so Jörg Hänisch. Wildgehege, Barockschloss und Fasanenschlösschen seien wie das Landgestüt Einrichtungen des Freistaates, daher sei dieser auch mit in der Pflicht. „Für die Konzeption wurde viel Zeit und Geld investiert. Im Bauantrag findet sich davon jetzt aber nichts wieder.“

Beim Bauantrag für die neue Reithalle sei von der Gemeinde auch auf die dortigen Parkplatzprobleme hingewiesen worden. Zumal die neue Halle künftig sicher für mehr Veranstaltungen mit zahlreicheren Besuchern als die bestehende genutzt werden wird. „Nach dem Abriss der alten Reithalle sind dann dort ausreichend Plätze auf dem Gestütsgelände vorhanden“, so der Bürgermeister.

Die Ablehnung des Bauantrags für das Eingangsgebäude sei jetzt die einzige Chance für die Gemeinde, die Stimme zu erheben. Die Entscheidung der Gemeinderäte scheint daher weniger in Richtung Sachsenforst zu zielen. Vielmehr ist sie offenbar an den Freistaat gerichtet, vor allem dessen Immobilienbetrieb SIB.

Sind die Bau-Gelder jetzt in Gefahr?

Markus Biernath, der Leiter des Forstbezirks Dresden, zu dem das Wildgehege gehört, wurde am Freitag im Telefonat mit der SZ von der Entscheidung überrascht. Er weist darauf hin, dass der geplante Neubau, anders als das aktuelle Eingangsgebäude, nicht mehr über Räume für Veranstaltungen mit einer größeren Anzahl von Personen verfügen wird. In der Vergangenheit hatte es in dem Haus viele Einmietungen für Veranstaltungen gegeben.

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