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Schweine im Wildgehege Moritzburg müssen sterben

Die Afrikanische Schweinepest hat schwere Folgen für das Wildgehege Moritzburg: Alle Wildschweine müssen getötet werden. Eine Ausnahme von der Stallpflicht gibt es nicht.

Von Sven Görner
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Die Schwarzkittel im Wildgehege Moritzburg werden geschossen. Zwar sind sie nicht an der Schweinepest erkrankt, aber sie können nicht wie gefordert in Ställen untergebracht werden, selbst wenn es welche in der Anlage geben würde.
Die Schwarzkittel im Wildgehege Moritzburg werden geschossen. Zwar sind sie nicht an der Schweinepest erkrankt, aber sie können nicht wie gefordert in Ställen untergebracht werden, selbst wenn es welche in der Anlage geben würde. © Norbert Millauer

Moritzburg. Man merkt dem Leiter des Wildgeheges Moritzburg am Telefon an, wie nahe ihm die Entscheidung geht, über die er vor nicht einmal einer halben Stunde informiert wurde. „Wir müssen unsere Wildschweine abschaffen“, sagt Ronald Ennersch und vermeidet so das Wort Töten.

Aber genau darauf läuft das Ergebnis der Krisensitzung in der Landesdirektion Sachsen am Dienstag hinaus. Denn die von dem Forstmann erhoffte Ausnahmegenehmigung für die zum Staatsbetrieb Sachsenforst gehörende Einrichtung gibt es nicht. Seit der festgestellten Afrikanischen Schweinepest bei einem in der vergangenen Woche bei Radeburg geschossenen Wildschwein und der daraufhin erlassenen Schutzmaßnahmen sind in der Sperrzone II - dem sogenannten gefährdeten Gebiet - Auslauf- und Freilandhaltung von Hausschweinen verboten. „Das gilt auch für unsere Schwarzkittel im Wildgehege, da es in dieser Zone liegt“, so Ronald Ennersch.

Das Problem sind nicht nur fehlende Ställe

Das Problem dabei ist: Anders als in landwirtschaftlichen Betrieben gibt es für die Moritzburger Schweine keine Ställe. Und selbst wenn solche zur Verfügung stünden, würde das nichts bringen, so der Wildgehegeleiter. „Unsere Wildschweine sind das nicht gewohnt. Die würden sich selbst totbeißen, wenn ich sie in einer Turnhalle unterbringen würde.“

Insgesamt 19 Schwarzkittel gibt es aktuell im Wildgehege - Alttiere und in diesem Jahr geborene Frischlinge. Sie alle müssen nun bis Freitag geschossen werden. „Zur Sicherheit für die Besucher werden wir daher das Wildgehege am Donnerstag leider trotz der Herbstferien nicht öffnen können“, sagt Ronald Ennersch.

Die Minischweine haben Glück. Sie können in verschiedenen Ställen untergebracht werden und bleiben so am Leben.
Die Minischweine haben Glück. Sie können in verschiedenen Ställen untergebracht werden und bleiben so am Leben. © Norbert Millauer

Und was passiert mit den sieben Minischweinen, die es ebenfalls in der Einrichtung gibt? „Für die fünf in diesem Jahr geborenen Ferkel finden wir eine Unterbringungsmöglichkeit auf dem Gelände des Wildgeheges.“ Die beiden erwachsenen Tiere können in der stabilen Holzhütte eingestallt werden, die in der neuen Minischwein-Anlage im vergangenen Jahr errichtet wurde. „Die ist so gebaut, dass die beiden Tiere dort separat untergebracht werden können“, ergänzt der Forstmann.

Während das ein kleiner Lichtblick ist, bereitet ihm dagegen nicht nur das Töten der Wildschweine Unbehagen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir das Schweinepest-Problem schnell wieder los sind“, sagt er nicht ohne Sorgen. Schließlich wurde der erste Fall in Sachsen vor einem knappen Jahr bekannt. Seitdem hat sich das Virus trotz aller Schutzmaßnahmen weiter ausgebreitet.

Zwar schließt das Wildgehege Ende Oktober erst einmal, weil dann der Abriss des Eingangsgebäudes beginnt, um Platz für den genehmigten Neubau zu schaffen. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass am 1. März wieder alles in Ordnung und das Thema Schweinepest abgehakt ist“, so Ronald Ennersch. „Wir müssen uns also Gedanken machen, wie wir trotz der leer stehenden Gehege die Attraktivität für die Besucher erhalten können.“