merken
PLUS Radebeul

Wildgehege Moritzburg: Wisente statt Elche

Jahrzehnte lang war der Elch das Wappentier und Publikumsmagnet. Doch die Haltung stand zuletzt unter keinem guten Stern. Das hat nun Folgen.

Bilder wie das aus dem Jahr 2017 wird es in der Sachsenforst-Einrichtung zumindest auf absehbare Zeit nicht mehr zu sehen geben.
Bilder wie das aus dem Jahr 2017 wird es in der Sachsenforst-Einrichtung zumindest auf absehbare Zeit nicht mehr zu sehen geben. © SZ/Sven Görner

Wer in den vergangenen Jahren das Wappentier des Wildgeheges beobachten wollte, musste sich zunächst ein ganzes Stück in die weitläufige Anlage hineinbegeben. Seit die zum Staatsbetrieb Sachsenforst gehörende Einrichtung in der vergangenen Woche nach der coronabedingten Zwangspause wieder geöffnet hat, ist das nun anders. Denn das bisherige Logo mit dem gezeichneten Elchkopf und dem Namen des Wildparks wurde durch ein neues ersetzt.

Zeitgemäß ist in diesem nun neben dem Namen der Website gleich noch der Hinweis untergebracht, dass man das Wildgehege auch auf Facebook besuchen kann. Was aber vor allem sofort auffällt: Statt des Elchs schaut jetzt ein Luchs die Betrachter an, während hinter diesem noch zwei Wildschweine und ein Teil der Moritzburger Schlosskulisse zu erkennen sind. Vom neuen Wappentier werden die Besucher nun gleich am Eingang begrüßt. Seit vor vier Monaten, die im Vorjahr im Wildpark Schwarze Berge bei Hamburg geborene Isolde nach Moritzburg gekommen ist, gibt es dort nun zwei der großen Katzen.

Anzeige
Verkaufstalente aufgepasst!
Verkaufstalente aufgepasst!

Die August Holder GmbH in Dresden sucht Außendienst-Profis: Unbefristete Anstellung, geregelte Arbeitszeiten, attraktive Bezahlung und Firmenwagen.

Aber was ist mit dem Elch? Bereits im Dezember hatte Ronald Ennersch, der Leiter des Wildgeheges, zur SZ gesagt: „Ich will jetzt hier erst einmal keinen Elch mehr sehen. Das kann man keinem weiteren Tier antun.“ Da war gerade der zweite Versuch gescheitert, wieder einen Bullen der imposanten Hirsche in dem viereinhalb Hektar großen Elchgehege anzusiedeln. Nachdem im Frühjahr, der elf Monate alte Jungbulle Harald wegen Lähmungserscheinungen eingeschläfert werden musste, starb der drei Jahre alte Oskar an einer Lungenentzündung. Beide hatten nach ihrer Ankunft in Moritzburg jeweils nur rund vier Wochen im Wildgehege gelebt.

Das alte Logo des Wildgeheges mit dem Elch ist Geschichte (oben). Auf dem neuen ist das bisherige Wappentier der Einrichtung nicht mehr abgebildet (unten).
Das alte Logo des Wildgeheges mit dem Elch ist Geschichte (oben). Auf dem neuen ist das bisherige Wappentier der Einrichtung nicht mehr abgebildet (unten). © Sachsenforst

Bereits in den zurückliegenden Jahren hatten die Elche bei Besuchern und Mitarbeiten immer wieder für eine Achterbahnfahrt der Gefühle gesorgt. Mehrfach wurden Elchbabys geboren, viele überlebten allerdings nicht. Auch bei den Alttieren gab es Verluste durch Krankheiten aber auch Attacken des alten Elchbullen. Zudem kam es mehrfach zu mysteriösen Panikreaktionen von Elchkühen, bei denen diese über die hohen Zäune und Mauern sprangen.

Mit dem Tod es alten Elches Horst stand Moritzburg Mitte 2019 dann plötzlich ohne sein Wappentier da. Schon damals hatte es Überlegungen gegeben, ganz auf die weitere Haltung der großen aber auch sehr anspruchsvollen Tiere zu verzichten. Damals entschied man sich dafür, die Elchanlage noch einmal auf Herz und Nieren zu prüfen, um mögliches Gefahrenpotenzial für die Tiere zu verringern. Am Ende half das nicht.

Doch was passiert nun mit der großen Elchanlage, die im Vergleich zu anderen des Wildgeheges sehr stabil gebaut ist? Beim Sachsenforst gibt es einen Plan, „den wir aber ganz in Ruhe angehen werden“, wie Ronald Ennersch sagt. „Wir wollen dort künftig eine kleine Wisent-Herde halten“, so der Forstmann. Dazu seien aber unter anderem auch Abstimmungen mit dem Veterinäramt, der Naturschutzbehörde und der Unfallkasse erforderlich. Zudem müsse das Personal des Wildgeheges entsprechend unterwiesen werden.

Seit rund zehn Jahren leben Wisente weitestgehend ungestört von Menschen in der Wildniskernzone der Naturlandschaft Döberitzer Heide in Brandenburg. Nun gibt es Pläne, die mächtigen Tiere auch im Wildgehege Moritzburg zu halten.
Seit rund zehn Jahren leben Wisente weitestgehend ungestört von Menschen in der Wildniskernzone der Naturlandschaft Döberitzer Heide in Brandenburg. Nun gibt es Pläne, die mächtigen Tiere auch im Wildgehege Moritzburg zu halten. © Foto: Ingolf König-Jablonski/dpa

„Wir haben inzwischen auch Kontakt zu anderen Einrichtungen aufgenommen, die Wisente halten“, ergänzt der Moritzburger Wildgehegeleiter. „Dort wollen wir Erfahrungen und auch Ideen sammeln.“ Und nicht zuletzt soll bei der Anschaffung der Tiere mit der in Polen ansässigen Zuchtbuchstelle zusammengearbeitet werden. Geplant seien nach den derzeitigen Überlegungen drei bis vier Tiere, davon ein männliches. „Die Wisente werden aber wohl nicht vor nächstes Jahr in Moritzburg zu sehen sein“, so Ronald Ennersch. Denn an der bisherigen Elchanlage müsse auch noch einiges instandgesetzt und für die neue Nutzung angepasst werden.

Weiterführende Artikel

Wissenswertes über Wildschwein, Luchs & Co.

Wissenswertes über Wildschwein, Luchs & Co.

Im Wildgehege Moritzburg gibt es nicht nur neue Bewohner zu entdecken. Neue Infotafeln zu den Tieren vermitteln auch Überraschendes.

Museen schließen, Wildgehege bleibt offen

Museen schließen, Wildgehege bleibt offen

Die am Donnerstag eröffnete Jubiläumsschau im Kollwitz-Haus ist online zu sehen.

Moritzburg verliert erneut seinen Elch

Moritzburg verliert erneut seinen Elch

Im Wildgehege ist jetzt auch der zweite in diesem Jahr geholte große Hirsch gestorben. Das soll nicht ohne Konsequenzen bleiben.

Moritzburg hat wieder einen Elch

Moritzburg hat wieder einen Elch

Der junge Bulle ist in Lappland geboren. Eigentlich sollte er gemeinsam mit einer Elch-Dame ins Wildgehege kommen. Doch daraus wurde vorerst nichts.

Ist das Kapitel Elchhaltung damit nun ganz abgeschlossen? „Vorerst sicher. Aber ich persönlich, könnte mir durchaus vorstellen, vielleicht später an einer anderen Stelle im Wildgehege noch einmal einen Versuch zu wagen“, ergänzt der Forstmann.

Mehr zum Thema Radebeul