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Moritzburg: Ziervase krönt neues Hellhaus-Dach

Die Wiederherstellung des Daches ist fast beendet. Die Sicherungsarbeiten am Gebäude gehen aber weiter. Die künftige Nutzung ist offen.

Von Sven Görner
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Gut verpackt hängt die Ziervase am Dienstag am Kranhaken über dem Hellhaus in Moritzburg.
Gut verpackt hängt die Ziervase am Dienstag am Kranhaken über dem Hellhaus in Moritzburg. © Norbert Millauer

Moritzburg. Das graue Wetter mit herbstlichem Nieselregen wollte so gar nicht zum feierlichen Anlass passen. Dennoch ließen sich die Vertreter der beiden Staatsbetriebe Sachsenforst und Sächsisches Immobilien- und Baumanagement sowie die beteiligten Bauleute die Freude an dem feierlichen Moment nicht nehmen.

Fast genau 33 Jahre nachdem das Rokoko-Kleinod im Moritzburger Forst durch Brandstiftung fast vernichtet worden war, krönt seit Dienstag eine historische Ziervase das wiederhergestellte Dach das 1776 errichteten achteckigen Bauwerks. Mit der Vasenhebung ist ein wichtiger Abschnitt der Rettung und Wiedernutzbarmachung des einst für die churfürstliche Jagd errichteten Bauwerks geschafft, das heute europaweit das letzte seiner Art ist.

In der Vase wurde auch eine Zeitkapsel mit aktuellen Dokumenten und Münzen verstaut.
In der Vase wurde auch eine Zeitkapsel mit aktuellen Dokumenten und Münzen verstaut. © SZ/Sven Görner
Nachdem die Vase auf dem Dach befestigt ist, bringen Frank Neubert (re.) und Jan Hett den Blitzableiter an.
Nachdem die Vase auf dem Dach befestigt ist, bringen Frank Neubert (re.) und Jan Hett den Blitzableiter an. © Norbert Millauer

Obwohl es dem Jagdschloss und dem Fasanenschlösschen an Bedeutung in nichts nachsteht, präsentierte sich das Hellhaus als Teil des Moritzburger Dreiklangs über Jahrzehnte in einem beklagenswerten Zustand. Statt des kräftig geschweiften Mansardwalmdachs mit vielen Aufbauten aus Holz und Sandstein schützte ein einfaches Notdach die ausgebrannte Hülle vor dem weiteren Verfall.

Dass es dieses gab, war allerdings ein Glück und vor allem einigen Engagierten zu verdanken, unter anderem dem früheren Zwingerbaumeister Ullrich Aust und dem Architekten Dietmar Kunze, die sich in der turbulenten Wendezeit um die Sicherung der Brandruine verdient machten und das Hellhaus so vor dem endgültigen Verlust bewahrten.

Während der Freistaat in das Jagdschloss und das Fasanenschlösschen in den vergangenen Jahrzehnten Geld in zweistelliger Millionenhöhe investierte, verharrte das Haus im Wald weiter in seinem beklagenswerten Zustand. Auch, weil es zwar Ideen zur Nutzung gab, ein umsetzbares Konzept aber fehlte. Auch jetzt gibt es das noch nicht.

Dennoch wird nun seit 2019 am Hellhaus gebaut, bringt der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement das Gebäude für Sachsenforst dauerhaft „unter Dach und Fach“. Der Freistaat investiert in diese Sicherung 1.245.000 Euro.

So wie auf der Architekten-Zeichnung soll das Rokoko-Kleinod wieder aussehen.
So wie auf der Architekten-Zeichnung soll das Rokoko-Kleinod wieder aussehen. © SZ/Sven Görner
Die Aufnahme aus der Vogelperspektive zeigt die Sichtachse zum Moritzburger Schloss.
Die Aufnahme aus der Vogelperspektive zeigt die Sichtachse zum Moritzburger Schloss. © Sebastian Kahnert/dpa

Weil die Ruine zunächst nicht betreten werden konnte, musste sie von außen vermessen und begutachtet werden. Dann wurden die vorhandenen Decken gesichert und eine Arbeitsebene eingebaut. Erst nach dem Entfernen des Notdaches habe sich schließlich das ganze Ausmaß des Schadens gezeigt, den das Feuer hinterlassen hatte.

Bevor der neue Dachstuhl aus Eichenholz errichtet werden konnte, musste daher die Mauerkrone mit einem Betonringbalken stabilisiert werden. Mit dem Aufsetzen der Ziervase ist dieser Abschnitt nun fast beendet. Im nächsten Jahr sollen noch gerettete Eisengeländer restauriert und wieder eingebaut werden. Zudem wird eine Probeachse der Fassade die einstige Qualität des Gebäudes verdeutlichen, bis die künftige Nutzung gefunden ist.

Das Hellhaus steht im Zentrum eines für die Parforcejagd angelegten und genutzten Jagdsterns. Dessen VIII. Allee bildet eine Sichtachse zum Jagdschloss und wurde vom Sachsenforst im Rahmen der waldbaulichen Arbeiten wieder freigeschlagen. Auch die anderen sieben Schneisen des 1725 angelegten Jagdsterns sind noch immer zu erkennen.