merken
PLUS Radebeul

Pläne für neue Reithalle des Landgestüts vorgestellt

Der Freistaat hat seit der Wende Millionen in Sanierung und Neubau der Traditionsanlage in Moritzburg investiert. Das letzte große Vorhaben soll 2021 starten.

Klein, dunkel, kalt und mit wenig Platz für Zuschauer. So präsentiert sich die aktuelle Reithalle. Das alte Gebäude soll abgerissen werden. Eine neue Reithalle ist schon lange geplant.
Klein, dunkel, kalt und mit wenig Platz für Zuschauer. So präsentiert sich die aktuelle Reithalle. Das alte Gebäude soll abgerissen werden. Eine neue Reithalle ist schon lange geplant. © Brit Placzek

Moritzburg. Am Sonnabend findet im Neuen Gestüt an der Meißner Straße in Moritzburg die „Hengstimpression“ statt. Die Veranstaltung - zwei weitere gibt es an den beiden kommenden Wochenenden - ist die coronakonforme Alternative der Sächsischen Gestütsverwaltung für die in diesem Jahr nicht möglichen traditionellen Hengstparaden.

Die Besucher haben dabei Gelegenheit, die edlen Hengste beim Reiten, Springen und in verschiedenen Anspannungen auf dem modernen und internationalen Anforderungen entsprechenden Turnierplatz zu erleben. Da diesmal statt rund 6.000 nur maximal 1.000 Besucher zu jeder Veranstaltung kommen können und auch die Stallungen nicht betreten werden dürfen, besteht dafür die Möglichkeit, sich auf dem weitläufigen Gelände umzusehen und dabei zu entdecken, was sich dank der Aufwendungen des Freistaats dort in den vergangenen Jahren alles verändert hat.

Anzeige
Ran an die Töpfe!
Ran an die Töpfe!

Jetzt eine neue Küche kaufen und dabei bis zu 1.000 Euro sparen: Das Küchen Profi-Center Hülsbusch in Weinböhla bietet ein exklusives Angebot.

Zu dem 2014 fertiggestellten Turnierplatz gehören auch die beiden nur temporär zu Großveranstaltungen aufgestellten Tribünen mit komplett überdachten Sitzplätzen. Die Tribünen wurden diesmal aber nicht aufgebautt. Auch optisch ein Gewinn ist die 2017 übergebene Steintribüne mit ihrem geschwungenen Dach. In den vergangenen beiden Jahren kamen noch ein neues Führkarussell, Paddocks, ein neuer Springplatz und ein neuer Wassergraben für die veränderte Geländestrecke hinzu.

Nur eines fehlt bis jetzt: Eine den heutigen Anforderungen und auch der Bedeutung des Landgestüts entsprechende moderne Reithalle. Pläne dafür gibt es bereits seit der Olympiabewerbung Leipzigs für die Sommerspiele 2012. Die Reitwettbewerbe sollten dabei in Moritzburg stattfinden. In den vergangenen 20 Jahren änderten sich mehrfach die Vorstellungen, wo und wie eine solche Halle auf dem Aral in Moritzburg errichtet werden soll.

Die neue Reithalle des Landgestüts soll hinter der Steintribüne in den Hang gebaut werden. Der Zugang für die Besucher wird sich auf dem gleichen Niveau befinden wie der für die Tribüne.
Die neue Reithalle des Landgestüts soll hinter der Steintribüne in den Hang gebaut werden. Der Zugang für die Besucher wird sich auf dem gleichen Niveau befinden wie der für die Tribüne. © René Plaul

In der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses des Moritzburger Gemeinderats hat der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement nun die aktuellen Pläne vorgestellt. Vorausgesetzt, im neuen Doppelhaushalt des Freistaats Sachsen für die Jahre 2021/22 wird das für den Bau benötigte Geld eingestellt und vom Landtag bewilligt, könnte mit der Umsetzung des Vorhabens im nächsten Jahr begonnen werden.

Landstallmeisterin Kati Schöpke, die Geschäftsführerin der Gestütsverwaltung, ist optimistisch. Schließlich ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass die Sächsische Gestütsverwaltung als Kompetenzzentrum mit überregionaler Strahlkraft weiter entwickelt werden soll.

„Die neue Halle wird das tägliche Training mit unseren 140 Hengsten spürbar verbessern“, sagt die Gestütschefin zur SZ. Aber auch für die Hengstleistungsprüfungen und die überbetriebliche Ausbildung im Rahmen der in das Gestüt integrierten Landesfachschule für Reiten und Fahren werde der Neubau dringend benötigt.

Kati Schöpke verweist auch darauf, dass das Sächsische Landgestüt mit seinen Hengsten bei den Bedeckungen bundesweit auf Platz drei ist, unter den neun Landgestüten aber über die geringste überdachte Reitfläche verfügt. „Das ist für uns auch ein Nachteil bei der Präsentation unserer Hengste.“ Diese findet immer zum Auftakt der Decksaison, also am Jahresanfang statt. „Da wir auch über keine Vorbereitungshalle verfügen, können sich die Pferde bei Kälte und Schnee nicht entsprechend aufwärmen und damit bei der Präsentation auch nicht ihre volle Leistung abrufen“, so die Expertin. Und noch einen Punkt spricht Kati Schöpke an: „Aufgrund der aktuellen Hallensituation ist im Winter auch keine Turnierserie für junge Pferde im Land möglich, die für Züchter und Berufsreiter aber wichtig wäre.“

Die in die Jahre gekommene alte Reithalle soll nach Fertigstellung der neuen Halle abgerissen werden. Dort sind Parkplätze geplant.
Die in die Jahre gekommene alte Reithalle soll nach Fertigstellung der neuen Halle abgerissen werden. Dort sind Parkplätze geplant. © René Plaul

Mit dem Neubauprojekt wird sich das ändern. Zu diesem gehört neben der großen Halle auch eine kleinere zum Aufwärmen und Abreiten. Deren Reitfläche ist mit 20 mal 60 Metern so groß wie die der alten Halle. Der Altbau kann nur über ein separates Aggregat beheizt werden und verfügt über nicht viel mehr als 400 Sitzplätze. Die neue Reithalle soll 800 Zuschauern Platz zum Sitzen bieten - mit Unterstuhlheizung -, dazu kommen noch bis zu 200 Stehplätze. Mit 30 mal 70 Meter ist auch die Reitfläche deutlich größer. „Dort können dann alle internationalen Disziplinen durchgeführt werden“, erklärt Kati Schöpke.

Gebaut werden soll die große Halle hinter der Steintribüne, und zwar quer zu dieser in den Hang hinein. So wirkt der 15 Meter hohen Baukörper optisch kleiner. Während die Besucher von oben zu ihren Plätzen kommen, ist der Zugang für die Pferde dort, wo sich bis zum Vorjahr noch der Springplatz befand. Die Abreithalle wird im rechten Winkel neben das große Gebäude gesetzt. Untergebracht werden in dem Neubau zudem Schulungsräume.

Die Reithalle wird neben einer Dachbegrünung auch sehr große Oberlichte bekommen. „Das ist wichtig für ein gleichmäßiges diffuses Licht“, sagt die Gestütschefin. Denn zu grelles Licht würde die Pferde blenden. Und Lichtbänder von Fenstern auf der Reitfläche würden die Tiere als Hindernisse wahrnehmen.

Die alte Halle soll abgerissen und dort rund 100 Parkplätze geschaffen werden. Insgesamt stehen auf dem Gelände je nach Veranstaltung dann über 400 Stellplätze zur Verfügung.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul und Umgebung lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Radebeul