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Schlossallee: Kommt weiterer Zebrastreifen?

Moritzburg hatte 2018 versucht, einen zusätzlichen Überweg zu bekommen. Vergeblich. Doch Sachsen hat die Hürden dafür jetzt verringert.

Im Frühjahr 2018 hatte der Moritzburger Ortschaftsrat in Höhe des Lindengartens eine Zählung von Fußgängern und Fahrzeugen organisiert. Am Ende lehnte die Verkehrsbehörde erneut einen Fußgängerüberweg an dieser Stelle der Schlossallee ab. Aber vi
Im Frühjahr 2018 hatte der Moritzburger Ortschaftsrat in Höhe des Lindengartens eine Zählung von Fußgängern und Fahrzeugen organisiert. Am Ende lehnte die Verkehrsbehörde erneut einen Fußgängerüberweg an dieser Stelle der Schlossallee ab. Aber vi © Arvid Müller/Archiv

Moritzburg. Der Freistaat hat sich mehr Sicherheit für Fußgänger auf die Fahnen geschrieben. Laut dem Verkehrsministerium werden 23 Prozent aller Wege im Freistaat zu Fuß zurückgelegt. Zu-Fuß-Gehen ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil urbaner Mobilitätskonzepte, sondern zudem preiswert, umweltfreundlich und gesundheitsfördernd.

Geschützte Querungsmöglichkeiten, vor allem von viel befahrenen Straßen, sorgen dabei für mehr Sicherheit. Neben Ampeln und Verkehrsinseln helfen dabei Fußgängerüberwege - sogenannte Zebrastreifen. Deren Errichtung hat das sächsische Verkehrsministerium jetzt vereinfacht. Wie aus einer Pressemitteilung des Ministeriums hervorgeht, sollen insbesondere in Tempo-30-Zonen - beispielsweise vor Schulen, Kitas - oder im Bereich von Haltestellen des ÖPNV Fußgängerüberwege angelegt werden können, wenn dort bereits regelmäßige Überquerungen stattfinden und ein Sicherungsbedarf besteht.

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„Wir wollen damit die Interessen der Fußgänger stärken und vor allem die Verkehrssicherheit für die im Vergleich schwächeren Verkehrsteilnehmer weiter erhöhen. Die Belange der Fußgänger müssen von den Planern in den Städten und Gemeinden von Beginn an mitgedacht werden“, so Verkehrsminister Martin Dulig. Insbesondere kürzere Strecken können durch eine fußgängerfreundliche und sichere Gestaltung der Infrastruktur den Anreiz bieten, das Auto stehen zu lassen. „Mit sicheren Schulwegen wächst auch bei Eltern und Kindern das Vertrauen, den Weg zur Schule zu Fuß bewältigen zu können.“

Prüfung jetzt schon bei weniger als 50 Fußgängern

Bisher können in Sachsen Fußgängerüberwege in der Regel nur angelegt werden, wenn es erforderlich ist, dem Fußgänger Vorrang zu geben, weil er sonst nicht sicher über die Straße kommt. Dies ist allerdings nur dann der Fall, wenn es ein bestimmtes Aufkommen an Fahrzeugen und Fußgängern gibt. Die Schwelle für die Höhe des Fußgängeraufkommens hat der Freistaat jetzt geöffnet. Nunmehr kann beispielsweise auch bei weniger als 50 Fußgängern je Spitzenstunde die Einrichtung eines Zebrastreifens geprüft werden.

Dafür hat das Ministerium die bestehende Bundesrichtlinie für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen mit einer länderspezifischen Handlungsanweisung konkretisiert und ergänzt. Die Ergänzung beschreibt zum einen die erweiterten Möglichkeiten zur Anordnung von Fußgängerüberwegen für die sächsischen Straßenverkehrsbehörden und gibt den Straßenbaulastträgern zum anderen auch Hinweise für die Planung und Schaffung sicherer Straßenüberquerungen.

Generell bleibe die Anordnung eines Fußgängerüberweges jedoch immer eine Einzelfallentscheidung, die unter Beteiligung der Polizei und Straßenbaubehörde diskutiert und entschieden werden sollte, heißt es abschließend in der Erklärung.

In Moritzburg schöpft man aufgrund der neuen sächsischen Regelung jetzt dennoch Hoffnung. Vor drei Jahren hatte der damals neu gewählte Ortschaftrat die Initiative ergriffen, um in Höhe der Schließerstraße eine weitere sichere Querung über auf der Schlossallee zu schaffen. Für viele Grundschüler ist das der Schulweg, dazu kommen Nutzer des ÖPNV - hier befinden sich zwei Bushaltestellen und auch der Bahnhof der Lößnitzgrundbahn ist nicht weit entfernt. Und zahlreiche ältere Moritzburger queren hier die viel befahrene Schlossallee, um in den Einkaufsmarkt zu kommen.

Viele Autos, aber zu wenig Passanten

An drei Tagen waren im Frühjahr 2018 von Helfern aus dem Ort in Höhe des Lindengartens die auf der Schlossallee fahrenden Autos und die dort die Straße querenden Fußgänger erfasst worden. Letzteres hatte die Kreisbehörde von der Gemeinde Moritzburg gefordert, um erneut über einen Antrag der Gemeinde Moritzburg für einen Fußgängerüberweg in diesem Bereich entscheiden zu können. Die Gemeinde hatte in der Vergangenheit mehrere Anträge gestellt.

Für die Zählung der Fahrzeuge hatte das Kreisverkehrsamt parallel zu den Aktivitäten der Moritzburger ein entsprechendes Gerät an der viel befahrenen Ortsdurchfahrt installiert.

Das Ergebnis war für die Moritzburger ernüchternd und warf zugleich Fragen auf. Denn wie schon in der Vergangenheit kamen die Verantwortlichen aufgrund der vorliegenden Zahlen und Gegebenheiten erneut zu dem Schluss, dass gemäß der geltenden Vorschriften und Richtlinien ein Fußgängerüberweg an dieser Stelle nicht gerechtfertigt sei. Das Paradoxe dabei war, dass eine Bedingung dafür sehr wohl erfüllt wurde: Die Anzahl der Fahrzeuge sprach für das Anlegen eines Zebrastreifens. Allerdings wechselten während der durchgeführten Zählungen nicht genügend Fußgänger die Straßenseiten.

Bürgermeister verhalten optimistisch

Doch nur wenn beide Zahlen den Vorgaben entsprechen, sei der Überweg gerechtfertigt, so die damalige Aussage. Gezählt worden waren die Fußgänger in sechs verschiedenen Sektoren im Bereich nördlich der Kreuzung der Schlossallee mit der Schließer- und der Waldstraße sowie dem Bahnübergang. Aus Sicht des Amtes in Meißen konnten allerdings nur die beiden Abschnitte nördlich der Kreuzung Beachtung finden. Dort sollte der Überweg angelegt werden. Um ihn zu nutzen, so die Begründung, müssten die Fußgänger, die die Schlossallee in den übrigen Sektoren gequert haben, zu weite Umwege in Kauf nehmen. Untersuchungen würden zeigen, dass Fußgänger selbst kleine Umwege nicht akzeptieren würden.

Grit Saathoff, eine der Organisatoren aus dem Ortschaftsrat, hatte dem damals teilweise widersprochen. Schulkinder könnten durch entsprechende Unterweisungen durchaus zu einer Nutzung veranlasst werden. „Und wenn wie jetzt kein sicherer Weg da ist, geht natürlich jeder über die Straße, wo es ihm gerade passt.“

Bürgermeister Jörg Hänisch sagt auf SZ-Nachfrage, dass die Gemeinde prüft, was die Neureglung für das Anliegen der Moritzburger bedeuten könnte. Der Rathauschef bremst aber auch zu große Erwartungen. „Die Schlossallee ist eine Staatsstraße. Und dann ist da ja auch die Aussage, dass die Anordnung eines Fußgängerüberweges immer eine Einzelfallentscheidung bleibt.“

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