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Der Kampf um die Karpfen

Die Moritzburger Teichfischer haben 2020 mit 80 Tonnen den seit Jahren schlechtesten Ertrag erzielt. Doch das ist nicht das einzige Problem.

Henry Lindner, der Geschäftsführer der Teichwirtschaft Moritzburg, mit einem rund zwei Kilo schweren Karpfen. Gerade diese häufig nachgefragte Größe ist diesmal Mangelware. Trotzdem ist nicht sicher, dass alle verkauft werden.
Henry Lindner, der Geschäftsführer der Teichwirtschaft Moritzburg, mit einem rund zwei Kilo schweren Karpfen. Gerade diese häufig nachgefragte Größe ist diesmal Mangelware. Trotzdem ist nicht sicher, dass alle verkauft werden. © Arvid Müller

Bärnsdorf. In der ersten Woche des neuen Jahres konnten Henry Lindner und seine zehn Mitarbeiter erst einmal durchatmen. Nach 14 Tagen unter Hochspannung. Und doch hätte sich der Geschäftsführer der Teichwirtschaft Moritzburg GmbH am Ende des alten Jahres beruflich durchaus noch ein bisschen mehr Stress gewünscht. Nicht, weil er ihn mag, sondern weil in der Zeit um Weihnachten und Silvester traditionell der höchste Umsatz eingefahren wird.

Auch diesmal war das nicht anderes, allerdings blieb die Nachfrage und damit der Erlös unter den Erwartungen. Es reichte, dass die Arbeit im Produktionsbereich der Teichwirtschaft statt um drei erst immer um vier in der Nacht startete. „Die coronabedingte Schließung der Gaststätten und die privaten Kontaktbeschränkungen haben sich auch bei uns ausgewirkt“, sagt Henry Lindner. Und das in mehrfacher Hinsicht. Nicht nur, dass der Bärnsdorfer Betrieb weniger Karpfen verkauft hat, vor allem sei die Nachfrage nach großen Tieren mit fünf oder mehr Kilogramm deutlich geringer gewesen. „Wenn nur fünf oder sechs Leute zum Familienessen zusammenkommen können, reicht auch ein kleinerer Karpfen.“

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Für den Teichwirt ist das ein doppeltes Dilemma. Denn die vor allem nachgefragten Tiere mit 1,5 bis zwei Kilogramm Gewicht sind diesmal besonders knapp. Dafür holten die Fischer im vergangenen Herbst überdurchschnittlich viele sehr große Exemplare aus den von ihnen bewirtschafteten rund zwei Dutzend Teichen um Moritzburg. Insgesamt betrug die Fischernte gerade einmal 80 Tonnen. „Das ist mit Abstand der schlechteste Ertrag, den wir je hatten“, ergänzt Henry Lindner. In der Vergangenheit waren es in guten Jahren auch schon mal 180 Tonnen gewesen. In den letzten Jahren hatte sich die gefischte Menge in der Regel auf 130 bis 150 Tonnen eingependelt.

Für die aktuelle Situation gibt es mehrere Gründe. Zwei wichtige sind im Zusammenspiel der Kormoran und das fehlende Wasser in den nur durch Regen und Schnee gespeisten Teichen. Nachdem die gefiederten Fischräuber über Jahre streng geschützt waren, sind sie für die Teichwirte inzwischen längst zu einer Plage geworden, wenn sie in Scharen von über 100 Vögeln über die Teiche herfallen. Zwar darf Henry Lindner mittlerweile zur Vergrämung Kormorane schießen, viel bringt das aber nicht.

Fast alle Satzfische für dieses Jahr verloren

Durch das Niedrigwasser hatten die Karpfen kaum eine Rückzugsmöglichkeit im Schilf. Zudem fehlte im vergangenen Winter das Eis als Schutz vor den gefräßigen Vögeln. Im Niederen Großteich hat es so fast einen Komplettausfall gegeben. Statt der geplanten 30 Tonnen holte Henry Lindner dort nicht mehr als eine halbe Tonne raus. Dort waren bereits im Herbst 2019 zwei Sommer alte Karpfen aus der eigenen Aufzucht eingesetzt worden. „Normalerweise hätten wir diese Satzfische erst im Frühjahr in den Teich gebracht, aber in unserer Hälteranlage war zu wenig Wasser und so nur Platz für die zum Verkauf gedachten Karpfen“, erklärt Henry Lindner.

Auch in anderen Teichen bedienten sich Kormoran und Fischotter an den Tieren, die eigentlich jetzt verkauft werden sollten, was zu dem Mangel an 1,5 bis zwei Kilo schweren Karpfen führte.

Mitarbeiter der Teichwirtschaft Moritzburg, hier Azubi Niklas Hänsch, haben im vergangenen Herbst neben zahlreichen prächtigen Welsen auch diesen 15 Jahre alten Schuppenkarpfen aus dem Luisenteich geholt. Normalerweise sind die geernteten Karpfen allerdin
Mitarbeiter der Teichwirtschaft Moritzburg, hier Azubi Niklas Hänsch, haben im vergangenen Herbst neben zahlreichen prächtigen Welsen auch diesen 15 Jahre alten Schuppenkarpfen aus dem Luisenteich geholt. Normalerweise sind die geernteten Karpfen allerdin © Norbert Millauer

Fast noch härter trifft die Teichwirtschaft allerdings ein weiterer Verlust, der auf das Konto der tierischen Fischräuber geht. Im Niederen Waldteich sollte der einjährige Karpfen-Nachwuchs über das Jahr zu Satzfischen heranwachsen. Aus insgesamt sieben Tonnen Minifische hätten bis zum Herbst 15 Tonnen werden sollen. „Eigentlich war der Plan, dass das fast unser kompletter Bedarf an Satzfischen sein sollte, die wir in diesem Frühjahr zum Bestücken der Teiche gebraucht hätten“, ergänzt der Fischwirt. Doch daraus wird nichts. „Nur eine Tonne ist übrig geblieben“, ergänzt Henry Lindner.

Für die Teichwirtschaft Moritzburg bedeutet das, zusätzlich Geld für den Kauf von Satzfischen auszugeben. Zudem wächst damit die Gefahr, sich Krankheiten, wie etwa die gefürchtete Koi-Herpes, in die Teiche zu holen. „Glücklicherweise sind wir bisher davon verschont geblieben.“ Das sei auch ein Grund gewesen, in den vergangenen Jahren selbst Laichfische einzusetzen und deren Nachwuchs großzuziehen, so der Geschäftsführer.

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Noch ist allerdings nicht klar, wie viel Fisch 2021 überhaupt produziert werden soll. „Das müssen wir anhand der aktuellen Verkaufszahlen im Frühjahr genau kalkulieren.“ Denn neben den Verlusten in den Teichen gibt es ein weiteres Problem: Außer Corona haben vor allem große Mengen zu Dumpingpreisen aus Tschechien an den Großhandel gelieferte Karpfen dazu geführt, dass weniger Fisch verkauft werden konnte. Mit der Folge, dass diese Karpfen im Frühjahr erneut in die Teiche eingesetzt werden mussten und trotz minimaler Fütterung zu eigentlich prächtigen Exemplaren heranwuchsen, die sich aber noch schwerer verkaufen lassen.

Gut möglich also, dass die 80 Tonnen des Vorjahres künftig zur geplanten Normalität werden und „wir versuchen, neue Vermarktungswege zu finden, um künftig mehr Produkte höherwertig zu verkaufen“. Etwa als Filet oder geräuchert.

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