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Werden Moritzburger Karpfen knapp?

Trockenheit, Kormorane und Otter setzten der Teichwirtschaft Moritzburg zu. Doch nicht nur die Aufzucht der Tiere macht den Fischern Sorgen.

Mitarbeiter der Teichwirtschaft Moritzburg, hier Azubi Niklas Hänsch, haben in dieser Woche neben zahlreichen prächtigen Welsen auch diesen 15 Jahre alten Schuppenkarpfen aus dem Luisenteich geholt - ein besonders großes Exemplar.
Mitarbeiter der Teichwirtschaft Moritzburg, hier Azubi Niklas Hänsch, haben in dieser Woche neben zahlreichen prächtigen Welsen auch diesen 15 Jahre alten Schuppenkarpfen aus dem Luisenteich geholt - ein besonders großes Exemplar. © Norbert Millauer

So voll wie nach dem Regen des vergangenen Wochenendes war der Schlossteich das ganze Jahr nicht“, sagt Henry Lindner, der Geschäftsführer der Teichwirtschaft Moritzburg GmbH. Trotzdem fehlen immer noch etwa 50 Zentimeter bis zum normalen Wasserstand. In den meisten anderen Gewässern, die von den Bärnsdorfern bewirtschaftet werden, sieht es deutlich schlimmer aus.

Am Niederen Großteich etwa ist das Dilemma selbst für Laien offensichtlich. Nicht nur, dass der Hafen und die Mole mit dem Leuchtturm am Fuße des Fasanenschlösschens komplett trocken liegen, rund um den Teich ist der ungewöhnlich breite Uferstreifen nicht zu übersehen. „Hier fehlen in der Höhe 1,30 Meter“, so Henry Lindner, „auf die Fläche gerechnet ist das eine gewaltige Menge Wasser.“

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Das Nass ist in diesem Jahr zwar immer mal wieder vom Himmel gefallen, aber nach den beiden vorangegangenen Dürrejahren sind die Wald- und Wiesengräben so ausgetrocknet, dass von dem Regen kaum etwas in den Teichen ankommt. Doch Regen und Schnee sind das Einzige, womit die Himmelsteiche gefüllt werden.

Trotz des Wassermangels habe es nur einmal eine kritische Situation gegeben, in welcher der Sauerstoff drohte, knapp zu werden. „Doch das hat sich am Ende wieder von selbst reguliert.“ Denn zum Glück sei es in diesem Jahr nicht so heiß wie im vergangenen gewesen. „Da hatten wir Wassertemperaturen von 30 Grad. Wir wussten gar nicht, wie die Karpfen darauf reagieren. Diesmal kletterte das Thermometer beim regelmäßigen Messen nur auf 25 Grad.

Dennoch rechnet Henry Lindner auch in diesem Jahr wieder mit deutlichen Verlusten bei der Fischernte. In den ersten beiden in dieser Woche abgefischten Teichen, dem Silberwiesen- und dem Luisenteich, sei das Ergebnis zwar zufriedenstellend gewesen, doch interessant werde es erst bei den großen Gewässern.

„Als Erstes davon ist am Monatsende der Niedere Großteich an der Reihe.“ Dort waren bereits im Herbst zwei Sommer alte Karpfen aus der eigenen Aufzucht eingesetzt worden. „Normalerweise hätten wir diese Satzfische erst im Frühjahr in den Teich gebracht, aber in unserer Hälteranlage war zu wenig Wasser und so nur Platz für die zum Verkauf gedachten Karpfen“, erklärt Henry Lindner. Geplant war, im Niederen Großteich 30 Tonnen zu ernten. „Werden es fünf, wäre das schon gut.“

Denn bei niedrigem Wasserstand und dem in diesem Winter fast vollständig fehlenden Eis hatten die Kormorane ein leichtes Spiel. „Wir hatten gehofft, das Problem durch die Nähe zu unserem Betriebsgelände in den Griff zu bekommen, aber leider hat das nicht geklappt.“ Durch das fehlende Wasser hatten die Karpfen keine Chance, sich im Schilf zu verstecken. „Zur Vergrämung der Kormorane haben wir gut 50 Stück geschossen“, so Lindner, „sind selbst Weihnachten und Silvester vom Schlachttisch mit der Schrotflinte zum Teich gegangen.“ Geholfen hat es nichts.

Zugeschlagen haben die schwarz gefiederten Fischräuber im Zusammenspiel mit dem Fischotter aber auch am Niederen Waldteich. Dort sollte der einjährige Karpfen-Nachwuchs über das Jahr zu Satzfischen heranwachsen. Insgesamt sieben Tonnen Minifische tummelten sich dort. „Eigentlich sollte das fast unser kompletter Bedarf an Satzfische sein, die wir im nächsten Frühjahr zum Bestücken der Teiche gebraucht hätten“, ergänzt der Fischwirt.

Doch daraus wird nun nichts. Laut Henry Lindner sei kaum etwas von dem ausgebrachten Futter gefressen worden. Und auch die probeweise aufgestellten Reusen blieben leer. Sollte es keine riesige Überraschung geben, rechnet der Geschäftsführer daher im Niederen Waldteich mit rund 90 Prozent Verlust.

Unterm Strich bedeutet das, im nächsten Frühjahr zusätzlich Geld für den Kauf von Satzfischen auszugeben. Zudem wächst damit die Gefahr, sich Krankheiten, wie etwa die gefürchtete Koi-Herpes, in die Teiche zu holen. „Glücklicherweise sind wir bisher davon verschont geblieben.“ Das sei auch ein Grund gewesen, in den vergangenen Jahren selbst Laichfische einzusetzen und deren Nachwuchs großzuziehen.

Sorgen hat der Teichwirtschaft Moritzburg in diesem Jahr aber auch der Absatz der im vergangenen Herbst geernteten Fische bereitet. Zum einen wirkte sich die coronabedingte Schließung der Gaststätten und Kantinen aus. Zum anderen haben Anbieter aus Tschechien in großen Mengen Karpfen auf den deutschen Markt gebracht. „Deren Preisangebote an den Großhandel lagen weit unter dem, was für uns noch vertretbar ist“, sagt Henry Lindner.

„Wir haben daher eine nicht unerhebliche Menge Karpfen in der Hälteranlage behalten, die wir dann im Frühjahr noch einmal mit einem Gewicht von 1,8 Kilogramm ausgesetzt haben.“ Da die schon zu groß für den Kormoran sind, hoffte Lindner, dass bei diesen die Verluste gering sind.

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Gut gewachsen sind auch die im Mai in den Oberen Großteich eingesetzten Satzfische. Sogar zu gut. „Die haben sehr schnell ein Gewicht von 1,3 bis 1,7 Kilo erreicht und hätten auch noch mehr geschafft. Aber viele Kunden wollen Karpfen in dieser Größe. Und die im Winter nicht verkauften wiegen ja inzwischen alle weit mehr.“

Insgesamt geht der Chef der Teichwirtschaft in diesem Jahr von einem Ertrag von knapp 100 Tonnen aus. Im Vorjahr war es das Anderthalbfache.

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