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Neue Wildkatzen für Moritzburg

Das Wildgehege hat seit Mittwoch drei neue Bewohner. Zu sehen waren sie aber nur kurz. Ihr großzügiges Zuhause wurde bereits 2019 fertiggestellt.

Das Wildgehege Moritzburg hat drei neue Bewohner. Der Ausflug auf einen der Bäume endet unter dem über die Wildkatzenanlage gespannten Netz.
Das Wildgehege Moritzburg hat drei neue Bewohner. Der Ausflug auf einen der Bäume endet unter dem über die Wildkatzenanlage gespannten Netz. © Sachsenforst

Moritzburg. Sie heißen Marta, Ella und Edgar, sind Geschwister und sehen auf den ersten Blick wie Hauskatzen aus. Tatsächlich sind die knapp sieben Monate alten neuen Bewohner des Wildgeheges in Moritzburg allerdings Wildkatzen. In der EU ist diese Art streng geschützt. Nicht umsonst. Bis vor ein paar Jahren galten diese scheuen Tiere in Sachsen als verschwunden. In freier Wildbahn bekommt man sie daher so gut wie nicht zu Gesicht, auch wenn es nach einem ersten Nachweis 2011 im Vogtland inzwischen weitere Tiere im Leipziger Auwald und in der Dübener Heide gibt.

Das war auch ein Grund dafür, dass der Staatsbetrieb Sachsenforst, zu dem das Wildgehege gehört, die neue Anlage gebaut hat, die 2019 eingeweiht wurde. „Die Tiere in solch einem modernen Gehege beobachten zu können, hilft auch dabei, die Pläne zur Vernetzung der Lebensräume der Wildkatzen voranzubringen“, hatte seinerzeit Theresa Warnk vom Projekt Rettungsnetz Wildkatzen gesagt. Das Anlegen grüner Korridore soll sichere Verbindungswege zwischen den noch kleinen Populationen schaffen.

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Bisher wurde die für 290.000 Euro errichtete 500 Quadratmeter große Anlage von zwei Wildkatzen bewohnt. Große Glasscheiben und in deren Nähe in den Boden eingelassene Wärmeplatten sorgten dafür, dass die Tiere selbst bei nasskaltem Wetter meist gut beobachtet werden konnten. „Leider mussten wir unseren zwölf Jahre alten Kater im Herbst einschläfern lassen, weil er Blasenkrebs hatte“, sagte Wildgehegeleiter Ronald Ennersch zur SZ. Daher habe man seitdem versucht, neue Wildkatzen für Moritzburg zu finden. „Möglichst im Tausch gegen unsere alte Katze.“ Denn diese zusammen mit neuen Bewohnern in der Anlage zu lassen, würde vermutlich nicht gut gehen.

Das 500 Quadratmeter große Wildkatzen-Gehege wurde 2019 übergeben.
Das 500 Quadratmeter große Wildkatzen-Gehege wurde 2019 übergeben. © SZ/Sven Görner
Etwas ängstlich drückt sich eine der drei neuen Wildkatzen in das Stroh ihrer Transportbox.
Etwas ängstlich drückt sich eine der drei neuen Wildkatzen in das Stroh ihrer Transportbox. © Sachsenforst
Doch schließlich wagt sich die Erste zu einem Erkundungsgang aus dieser heraus.
Doch schließlich wagt sich die Erste zu einem Erkundungsgang aus dieser heraus. © Sachsenforst

Eine ganz Weile habe sich nichts getan. Dann sei alles recht schnell gegangen. „Fast zeitgleich haben wir aus Gera eine Anfrage zu unseren 2018 geborenen Silberfüchsen bekommen, die wir abgeben mussten, weil unsere Anlage für Alt- und Jungtiere zu klein ist.“ Darum waren die beiden bereits provisorisch im Quarantäne-Gehege untergebracht worden. „Vom Zoo in Nordhorn, in der Nähe zur niederländischen Grenze, kam zudem ein Angebot, dass wir drei junge Wildkatzen bekommen könnten“, ergänzt der Wildgehegeleiter. „Für unsere Katze haben wir so zwar noch kein neues Zuhause in einem anderen Zoo oder Wildpark gefunden, aber sie konnte vorerst in das Quarantäne-Gehege umziehen.“ Einen ausgehöhlten Baumstamm - eine der Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten der Wildkatzenanlage - setzten die Tierpfleger extra mit um. „Damit sie etwas Vertrautes hat“, wie Tierpflegerin Sandra Kühnel sagt.

Am Mittwoch trafen nun die drei Neuen ein. Mit einem professionellen Tiertransport - jedes Tier in einer eigenen Kiste. Diese wurden in die Anlage gestellt und die Türen geöffnet. Und dann hieß es warten. Zuerst habe eines der beiden Katzenmädchen den Schritt in das neue Zuhause gewagt. „Sie ist vorsichtig aus der Transportbox raus und dann geduckt und wie der Blitz durch das Gehege gehuscht“, sagt Ronald Ennersch. Nachdem sie eine Versteckmöglichkeit unter einem Holzstapel entdeckt hatte, sei sie aber trotzdem erst einmal wieder in die Kiste zurückgeschlichen.

Einige Zeit später haben die drei Wildkatzen dann nach und nach ihre Transportbehältnisse verlassen und sich ein Versteck gesucht. Ein Kletterversuch an einem der Bäume wurde allerdings in einiger Höhe durch das über das Gehege gespannte Netz gestoppt. Damit sich die Neuen vielleicht etwas schneller eingewöhnen, wurde das Stroh aus den Boxen in die vier kleinen Höhlen der zur Wildkatzenanlage gehörenden Bruchsteinmauer verstreut.

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Zu sehen waren die Neuankömmlinge am Mittwoch jedenfalls erst einmal nicht mehr. Bis wieder Besucher in das Wildgehege dürfen, wird sich das aber hoffentlich ändern. Damit sich kein unerwünschter Nachwuchs einstellt, wurde Kater Edgar schon in seiner alten Heimat kastriert.

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