Merken

Moritzburger Fischzug droht die Absage

Moritzburgs größtes Volksfest – der Fischzug – droht in diesem Jahr gestrichen zu werden. Bis zu 30000 Besucher strömen Ende Oktober immer an den Schlossteich, um den Fischern beim Netze ziehen und der Karpfenernte zuzuschauen.

Teilen
Folgen

Moritzburgs größtes Volksfest – der Fischzug – droht in diesem Jahr gestrichen zu werden. Bis zu 30000 Besucher strömen Ende Oktober immer an den Schlossteich, um den Fischern beim Netze ziehen und der Karpfenernte zuzuschauen. Das, so scheint es, wird dieses Jahr gemeinsam mit dem Fisch- und Waldfest ausfallen.

Geplant ist der große Fischzug bisher am 30./31. Oktober. Doch die Verkehrssituation ist das Problem. Nächste Woche will das Straßenbauamt Meißen-Dresden mit dem Bau der neuen Straße am Auer nach Friedewald (S80/81) starten, deshalb ab 21. September die alte Trasse voll sperren und den Verkehr aus Weinböhla und Großenhain durch Moritzburg leiten.

Weil unter diesen Umständen laut Gundula Bleul, Geschäftsführerin der veranstaltenden Kulturlandschaft Moritzburg GmbH, zum Fischzug nicht wie sonst die Meißner Straße und die Schlossallee teilweise gesperrt werden können und auch keine Umleitung der Umleitung machbar sei, muss das Highlight wohl diesmal ins Wasser fallen. Hundertprozentig sei dies noch nicht klar, aber die Tendenz derzeit scheint dorthin zu gehen. „Bis spätestens nächste Woche müssen wir mit der Gemeinde eine Entscheidung treffen“, sagte sie der SZ.

Man müsse, so Bleul weiter, das Ganze genau abwägen, da schon in den vergangenen Jahren – ohne Umleitung – die Verkehrssituation ziemlich angespannt war und letztlich die Sicherheit oberste Priorität haben sollte.

„Wir wollen ja kein zweites Duisburg“, spielt Henry Lindner, Geschäftsführer der Moritzburger Teichwirtschaft, auf die kürzliche Massenpanik bei der Loveparade an und würde eine Absage des diesjährigen Abfischens durchaus verstehen. Etwas anderes wäre fast nicht zu verantworten. Auch wenn seine Teichwirtschaft damit wirtschaftliche und Werbeverluste hätte.

Gemeinde verliert 60000 Euro

Laut Klaus Schiemann, Restaurantbetreiber im Schloss, verliert dann auch die Gemeinde mindestens 60000 Euro – Park- und Standgebühren. Schiemann selbst bietet zum Fischzug jedes Jahr Fischsuppe an und wartet sehnlichst auf eine Entscheidung. Schließlich müsse er schon jetzt Bestellungen tätigen. Die ganze Situation sieht er als äußerst schwierig. Zum einen sei ein Abfischen bei Umleitungsverkehr unmöglich. Zum anderen falle aber mit dem Abfischen eine traditionelle Werbe- und Dankeschönveranstaltung für Kunden weg, die es schon zu DDR-Zeiten gab.

Auch der Staatsbetrieb Sachsenforst fände es schade, so Sprecher Thomas Rother, wenn der Fischzug ausfallen würde. Der Forst präsentiert sich auf dem Schlossparkplatz mit Jagdhunden und Waldmaschinen. „Das ist eigentlich ein fester Posten in unserer Werbung.“

Die Vollsperrung erst ab dem 21. September begründet Holger Wohsmann vom Straßenbauamt Meißen-Dresden mit den anstehenden drei Hengstparaden. Weil dies wichtige Veranstaltungen wären, wollte man die beste Erreichbarkeit gewährleisten. Bis Ende Oktober konnte man jedoch die Sperrung seiner Aussage nach nicht hinauszögern.

Mit dem Bau des vier Millionen Euro teuren Abschnittes von Friedewald bis kurz vor die Köhlerstraße nach Weinböhla ist laut Wohsmann die Tesch GmbH Schkeuditz beauftragt. Bis Herbst 2011 soll alles fertig sein. Insgesamt koste der Bau 6,8 Millionen.

Abgefischt muss der Moritzburger Schlossteich 2010 auf jeden Fall werden. Wenn nicht öffentlich beim Volksfest, dann eben im Stillen. Marco Mach