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Moritzburger im Asylheim

Für zwei Stunden war am Dienstag die neue Notunterkunft geöffnet. Das Interesse war groß. Fragen gab es auch. Der Einzug der Bewohner steht kurz bevor.

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© Norbert Millauer

Von Sven Görner

Moritzburg. Einladend sieht das alte Schulgebäude im hintern Teil des Diakonenhaus-Geländes nicht gerade aus. Die Fassade ist fleckig, teilweise kaputt. Nur die neue Satellitenantenne und das glänzende Abgasrohr der Heizung passen nicht zu diesem Bild des Verfalls. Der rund um den DDR-Plattenbau aufgestellte Bauzaun sorgt für Distanz. Das ist so gewollt. Als klares Zeichen für ungebetene Gäste.

Die vorhandenen Sanitärräume wurden wieder funktionsfähig gemacht.
Die vorhandenen Sanitärräume wurden wieder funktionsfähig gemacht. © Norbert Millauer
In der großen Gemeinschaftsküche können sich die Bewohner ihr Essen zubereiten.
In der großen Gemeinschaftsküche können sich die Bewohner ihr Essen zubereiten. © Norbert Millauer
Auch der äußere Zustand des ehemaligen Schulgebäudes wurde nur in dem Umfang verbessert, wie es für die neue Nutzung erforderlich ist.
Auch der äußere Zustand des ehemaligen Schulgebäudes wurde nur in dem Umfang verbessert, wie es für die neue Nutzung erforderlich ist. © Norbert Millauer

Am Dienstagnachmittag ist das anders. Landratsamt und Betreiber haben die Moritzburger eingeladen, sich in dem Haus umzusehen. Und die machen davon rege Gebrauch. Jedenfalls, so weit es die gewählt Zeit von 15 bis 17 Uhr zulässt. Mütter mit ihren kleinen Kindern, Jugendliche, Senioren, Handwerker in ihren Arbeitssachen, Mitarbeiter der Evangelischen Hochschule, Gemeinderäte und die Moritzburger AfD-Landtagsabgeordnete Kirsten Muster strömen in das Haus. Mit Heimleiter Rocco Lindemann und seinem Stellvertreter treffen sie dort auskunftsfähige Ansprechpartner. Und auch Betreiber Frank Schiller von der Riesaer Wohnheimbetriebsgesellschaft mbH ist mit vor Ort.

Wie Frank Schiller sagt, wird mit dem Bezug im Heim rund um die Uhr jemand da sein. „Wochentags von 6 bis 18 Uhr die Heimleitung und die übrige Zeit beziehungsweise an Wochenenden und Feiertagen ein Mann vom Wachschutz.“ Eine Telefonnummer, an die sich Moritzburger wenden können, wenn es Probleme mit den künftigen Bewohnern geben sollte, wurde gestern allerdings noch nicht genannt. Bei der Informationsveranstaltung in der Moritzburger Kirche war das von Bürgern gefordert worden.

„Wir werden das in den nächsten Tagen noch absprechen und dann eine Kontaktnummer bekannt machen“, sagt Bürgermeister Jörg Hänisch (parteilos). Die Gemeinde hat zwar nichts mit dem Betreiben des Hauses zu tun, aber natürlich will der Rathauschef, dass alles möglichst reibungslos läuft. Sowohl in der Unterkunft als auch im Zusammenleben in der Gemeinde. Eine wichtige Rolle wird dabei auch Jasmin Rodig zukommen. Die Dresdnerin, die seit Jahresbeginn Mitarbeiterin der Produktionsschule Moritzburg ist, wird die soziale Betreuung der Asylbewerber übernehmen. Wie Frank Schiller sagt, sollen diese am nächsten Dienstag einziehen. Und zwar alle 64, für die das Haus im ersten Ausbauabschnitt gedacht ist.

„Nach dem, was ich bei unserer ersten Besichtigung gesehen habe, hätte ich nicht gedacht, dass das Haus noch zu retten ist“, sagt SPD-Gemeinderat Heiko Vogel, der selbst nicht weit davon entfernt wohnt. „Es ist erstaunlich, was daraus geworden ist.“ Was Heiko Vogel meint, lässt sich bei einem Blick in das noch nicht ausgebaute zweite Obergeschoss erahnen. Dort riecht es noch immer muffig. Und auch für die Bauleute gibt es noch viel zu tun, bis hier weitere 34 Menschen einziehen können. Ursprünglich sollten in dem Heim nur Männer untergebracht werden. Jetzt soll der Ausbau so erfolgen, dass ganz oben auch Familien wohnen könnten.

Wer genau hin sieht entdeckt, dass beim Sanieren nur das gemacht wurde, was für die neue Nutzung als Notunterkunft unbedingt notwendig ist. So wurden zwar Rohre, WC-Becken, Wandspülkästen, Waschbecken und Armaturen erneuert, im Sanitärbereich dominieren aber vor allem die alten Fliesen. Nur einige Wände wurden mit neuen versehen, manchmal auch nur teilweise. Zehn Duschen stehen derzeit zur Verfügung. Weiter soll in der obersten Etage entstehen.

Da sich die Flüchtlinge selbst versorgen, gibt es eine große Gemeinschaftsküche im Erdgeschoss. Acht Elektroherde und die gleiche Anzahl Edelstahlspülbecken wurden dort in einfache Küchenzeilen eingebaut. Eine kleinere Küche soll noch in der ersten Etage geben.

Im Erdgeschoss befindet sich auch der spartanisch eingerichtete Gemeinschaftsraum. Ein paar Tische und einfach Stahlrohrstühle mit Kunststoffsitzen und eine alte Couch-Garnitur sind die Einrichtung. Ein Fernseher wird noch aufgestellt. Gestern gab es im ganzen Haus auch noch keinen einzigen Spiegel. Diese sollen heute angebracht werden. Bis zu zehn Menschen müssen sich zum Wohnen und Schlafen ein Zimmer teilen. Ausgestattet sind diese mit Doppelstockbetten, einem Schrank je Bewohner, mehreren Kühlschränken und schmalen Tischen, die sich jeweils zwei Asylbewerber teilen müssen.

„Das ist ordentlich geworden“, sagt Margot Königsmark. „Die Leute sollten zufrieden sein. Hoffentlich bleibt alles ganz und wird nicht wie in Radeburg kaputt gemacht.“ Und Beate Hofmann sagt: „Es gibt viel Pro und Kontra im Dorf. Und eine große Neugier, die sich damit verbindet, dass sich die Befürchtungen hoffentlich nicht erfüllen.“

Noch vor den Moritzburger nahm gestern Nachmittag Landrat Arndt Steinbach (CDU) das Haus in Augenschein. An seiner Seite Hanjo Protze, der Leiter des zuständigen Polizeireviers Meißen, und der Streifendienst-Leiter Enrico Lange. Hanjo Protze versprach, dass die beiden Moritzburger Bürgerpolizisten am Anfang die Einrichtung stärker im Focus haben werden.

Mit Blick auf den in der Nachbarschaft leerstehenden sanierten Altbau sagte der Landrat, dass er auch diesen gern als Asylunterkunft genutzt hätte. „Aber leider waren mehrere Gespräche mit der Evangelischen Fachklinik Heidehof erfolglos.“