merken

Deutschland & Welt

"Mortimer" wirbelt durchs Land

Das Tief ist mit Sturmböen und Regen über Deutschland gezogen. Für Reisende ging auf vielen Strecken nichts mehr. 

Am Montagmorgen wurde ein LKW die B178 zwischen Löbau und Weißenberg von einer Windböe erfasst. Das Fahrzeug durchbrach die Mittelschutzplanke, geriet in den Gegenverkehr, verlor seinen Gabelstapler und stürzte eine Böschung hinunter.
Am Montagmorgen wurde ein LKW die B178 zwischen Löbau und Weißenberg von einer Windböe erfasst. Das Fahrzeug durchbrach die Mittelschutzplanke, geriet in den Gegenverkehr, verlor seinen Gabelstapler und stürzte eine Böschung hinunter. © Lausitznews

Berlin. Umgeknickte Bäume, beschädigte Autos, stillstehende Züge: Sturmtief "Mortimer" zieht über Deutschland hinweg und trifft den Alltag der Menschen. Auch in Sachsen.

Wegen des Sturmtiefs "Mortimer" waren am Montag zeitweise Tausende Haushalte ohne Strom. Weil Bäume auf Stromleitungen fielen, waren 5600 Haushalte in Markranstädt (Landkreis Leipzig) ab 7.00 Uhr von der Versorgung abgeschnitten. Wie Evelyn Zaruba, Sprecherin des Netzbetreibers Mitnetz, berichtete, dauerte der Ausfall bis zum späten Vormittag an. Auch in Nordsachsen waren ab den frühen Morgenstunden etwa 600 Kunden ohne Strom. Bis zum Nachmittag sollten sie wieder ans Netz angeschlossen werden, so Zaruba. In Mittelsachsen seien etwa 400 Haushalte von Stromausfällen betroffen gewesen. Auch dort waren Bäume und Äste auf die Leitungen gefallen.

Shopping und Events im ELBEPARK Dresden

180 Läden und Filialen und umfassende Serviceleistungen sorgen beim Shopping für ein Erlebnis. Hier stehen Ihnen 5.000 Parkplätze zur Verfügung.

In Dresden musste die Feuerwehr zu mehreren Einsätzen wegen des Sturms ausrücken. Auf einem Parkplatz eines Discounters knickte zum Beispiel ein Ahornbaum um und fiel auf einen parkenden Transporter. Der Fahrer befand sich zum Glück nicht im Fahrzeug. Auch in der Friedrichstadt landete ein Baum auf einem parkenden Auto. Auch da gab es keine Verletzten. Im Stadtteil Trachau kippte zudem eine Kiefer auf ein Wohnhaus. Weitere Schäden wurden aus den Stadtteilen Klotzsche und Gorbitz gemeldet.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

So fegte Mortimer durch den Kreis Görlitz

Insgesamt 47 mal rückten Feuerwehr und Rettungsdienst am Montag aufgrund des Herbststurms aus. Auch der Zugverkehr war betroffen.

Symbolbild verwandter Artikel

Sturmtief fegt über Dresden

Auf seinem Weg über Deutschland sorgt „Mortimer“ auch in der Stadt für Schäden.

Symbolbild verwandter Artikel

Herbststurm wütet in der Oberlausitz

Durch das Unwetter sind Rettungskräfte in Ostsachsen verstärkt im Einsatz gewesen. Auch wegen eines Lkw-Unfalls bei Löbau mit einem Schaden von 120.000 Euro.

Auch in den Landkreisen Görlitz und Bautzen wirbelte "Mortimer". An der B178n Abzweig Krappe bei Löbau kippte gegen 9.05 Uhr ein Lkw um. Der Fahrer war von Zittau in Richtung Weißenberg unterwegs, als er nach links von der Fahrbahn abkam. Dadurch sei er nach ca. 100 Metern gegen die Leitplanke geschlittert, sagte ein Polizeisprecher. "Er verlor einen Gabelstapler, schleuderte nach rechts und kam schließlich im Graben zum Stehen." Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst seien vor Ort, die Fahrbahn seit 9.30 Uhr gesperrt. Nach ersten Informationen sei der Lkw-Fahrer in seinem Fahrzeug eingeklemmt und müsse aus diesem befreit werden.

Auf der Vorwerkstraße in Dresden kippte unter anderem ein Baum auf einen geparkten Ford.
Auf der Vorwerkstraße in Dresden kippte unter anderem ein Baum auf einen geparkten Ford. © Roland Halkasch

In Sachsen-Anhalt ist ein 41-jähriger Autofahrer von einem umstürzenden Baum erschlagen worden. Der Mann war am Montag gegen 8.30 Uhr mit seinem Fahrzeug auf einer Landstraße bei Wittenberg unterwegs, als ein Baum auf sein Auto stürzte. Der 41-Jährige wurde im Fahrzeug eingeklemmt, er starb noch an der Unfallstelle.  In Neuruppin in Brandenburg ist am Montagmorgen ebenfalls ein Mensch unter einem umgestürzten Baum eingeklemmt worden. Die Person sei ansprechbar und werde behandelt, sagte eine Polizeisprecherin. Rettungskräfte seien vor Ort. Weitere Meldungen von Verletzten gab es am frühen Morgen keine.

Behinderungen im Bahnverkehr

Herbststurm "Mortimer" hat vor allem den Fernverkehr der Bahn empfindlich getroffen. Seit dem Morgen gab es zahlreiche Streckensperrungen, Reisende mussten Verzögerungen einplanen. Sperrungen gab es am Montagmittag noch auf der Strecke Nürnberg - Augsburg, hier war ein Baum umgestürzt. Züge des Fernverkehrs wurden umgeleitet. Voraussichtlich gesperrt bis zum Betriebsschluss am Montag bleibt auch die Strecke Wolfsburg - Braunschweig - Göttingen.

Andere Sperrungen aufgrund des Sturmtiefs waren am Mittag wieder aufgehoben: Frei waren etwa die Verbindungen Berlin - Hannover und Berlin - Hamburg. Auch auf den wieder freien Strecken brauchten Reisende Geduld, da es dennoch zu Verspätungen und Ausfällen kommen könne.

Boots-Rettung für 200 Schafe

Eine spektakuläre Rettungsaktion erlebten Hunderte Schafe auf einer Weide in Dortmund. Starke Regenfälle hatten die Weide mit rund 300 Tieren geflutet. Die Feuerwehr setzte ein Rettungsboot ein und baute Stege, um die Tiere vor dem Ertrinken zu retten, wie ein Sprecher der Einsatzkräfte am frühen Montagmorgen sagte. Bis 02.00 Uhr waren den Angaben zufolge 200 Tiere von der Weide geholt. Die Wiese stand nach Angaben eines dpa-Fotografen anderthalb bis zwei Meter unter Wasser. Mehrere Tiere, darunter auch Lämmer, seien in den Wassermassen verendet. Die Feuerwehr war nach eigenen Angaben mit 120 Einsatzkräften vor Ort.

Die Verwaltung des Nationalparks Harz warnte am Montag vor dem Betreten der Wälder in dem Mittelgebirge. Es könnten jederzeit Bäume umstürzen, sagte Sprecher Friedhart Knolle am Morgen in Wernigerode. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Leipzig wurden am frühen Montagmorgen Windgeschwindigkeiten von knapp 145 Kilometern pro Stunde auf dem höchsten Berg des Mittelgebirges gemessen.

Im Saarland gingen bis 2.20 Uhr rund 50 Notrufe wegen umgekippter Bäume oder Bauzäune ein. Ein Baum sei auf ein geparktes Auto gefallen.

Der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes zufolge sollen sich die stärksten Böen über den Norden in den Nordosten und Osten Deutschlands verlagern, wo sie bis zum Nachmittag anhalten sollen. "Im Norden und Nordosten ist das Schlimmste noch nicht überstanden", sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Montag über die Lage nach den nächtlichen Stürmen. Etwa von der Ostsee bis zum Erzgebirge bleibe es bis in die Nachmittagsstunden stürmisch, während das Tief ins Baltikum weiterziehe. Dort, wo schauerartige Regenfälle hinzu kämen, könnten sich die Windgeschwindigkeiten auf Orkanstärke steigern. An diesen Orten drohten auch Unwetter mit Windgeschwindigkeiten von 110 Kilometern in der Stunde. Im Westen hingegen sei die Lage wieder weitgehend stabil.

Der Deutsche Wetterdienst hatte das Tief "Mortimer" als ein kleines Tief, "das recht flink unterwegs ist und nicht unterschätzt werden sollte", angekündigt.

Gefahrenpotenzial sah der DWD unter anderem, weil die Bäume noch voll belaubt seien und dem Wind damit eine große Angriffsfläche böten, so dass sie auch bei nicht ganz so hohen Windstärken umstürzen könnten. (dpa/SZ)

- Die aktuelle Wetterlage beim DWD

- Das Wetter in Sachsen beim DWD