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Mourinho kann es nicht lassen

Der Portugiese provoziert auch, wenn Manchester United überraschend gewinnt und Juventus Turin die erste Saisonniederlage zufügt.

© dpa

Von Lena Klimkeit

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Die Dresdner Eislöwen gehen ohne Georgiy Saakyan in die neue Saison.

Was für eine Genugtuung. José Mourinho läuft über das Feld, hält seine rechte Hand an sein Ohr, verzieht das Gesicht so stark, als ob es auch die Anhänger von Juventus Turin auf dem hintersten Rang sehen sollen. Mit Manchester United hat er gerade Italiens Fußball-Rekordmeister die erste Saison-Niederlage zugefügt und sich ein famoses Comeback beschert. Doch statt zu jubeln, provoziert der Portugiese am Mittwochabend – aus seiner Sicht bloß eine Reaktion auf 90 Minuten Beleidigungen durch die Fans von Juventus.

„Beleidigend war, was sie mit mir gemacht haben“, sagte er nach dem 2:1 in Turin. „Das“, und er hielt sich wieder die Hand ans Ohr, „ist keine Beleidigung. Das bedeutet: Ich will ein bisschen mehr hören.“ Wenn der 55-Jährige einen kühlen Kopf gehabt hätte, wäre er eventuell direkt heimgegangen. „The Special One“ ist berüchtigt für seine Gereiztheit, Konfliktbereitschaft und Wutausbrüche. Doch bereits im Hinspiel wurde er von den Juventus-Anhängern geärgert. Als Antwort streckte der Teammanager des Klubs aus der Premier League drei Finger in die Luft und weckte ungute Erinnerungen bei den Turiner Fans: 2010 holte er mit Inter Mailand das Triple aus Champions League, Meisterschaft und Pokal. Den Juventus-Profis konnte das nicht gefallen. Leonardo Bonucci kam mit Paulo Dybala auf Mourinho zu und redete auf ihn ein. „Ich trainiere Manchester United und denke nicht an meine Vergangenheit bei Inter Mailand oder Real Madrid. Sie sind es, die nicht vergessen können“, sagte Mourinho später in Richtung der Fans.

Die Gastgeber, die Manchester United eigentlich deutlich überlegen waren, müssen die überraschende Heimniederlage jetzt aufarbeiten. „Die Lektion ist klar und könnte in Zukunft nützlich werden. Die Champions League erlaubt keine Zerstreutheit“, gab der Verein auf seiner Homepage bekannt. „Es ist richtig, von dem Ergebnis enttäuscht zu sein, aber (wir können) optimistisch sein wegen dem, was wir auf dem Feld zeigen“, teilte Turins Coach Massimiliano Allegri bei Twitter mit. „Wenn wir die kleinen Dinge verbessern, kommen wir bald wieder auf den richtigen Weg.“

„Das Spiel war ein sehr gutes, auf höchstem Niveau“, sagte Mourinho. „Ich bin da, um meine Arbeit zu machen. Das Ende spielt keine Rolle. Ich hätte das vielleicht nicht tun sollen, aber wenn ich und meine Familie von den Fans beleidigt werde, dann reagiere ich eben so.“ (dpa mit sid)