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Müffelnder Mühlgraben

Die Stadträte können dem Abriss inzwischen zustimmen. Vorher ist vom Abwasserzweckverband aber noch einiges zu klären.

© Dietmar Thomas

Von Heike Heisig

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Roßwein. Fast eine Stunde haben sich die Stadträte am Donnerstag noch einmal mit dem Abriss des Wehres am Stadtbad beschäftigt. In dieser Zeit konnten die meisten ihrer Fragen geklärt werden. „Das sehe ich schon als positives Zeichen“, sagte Heinz Kaiser, Betriebsteilleiter Mulde bei der Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen.

Die Behörde hatte bei der Kommune ursprünglich nur angefragt, städtische Grundstücke für den Abriss befahren und betreten zu dürfen. Das hatte zu allerhand Fragen rund um den möglichen Wegfall des Wehres geführt. Auf eine wesentliche jedoch erhielten die Räte nur eine für sie ungenügende Antwort. Es geht um den Mühlgraben. Der wird bei einem bestimmten Wasserstand noch mit Muldenwasser befeuchtet. Das entsprechende Rohr soll verschlossen werden – weil es nach dem Wehrrückbau gar nicht mehr mit der Mulde in Berührung kommt.

Ein von den Räten befürchtetes Austrocknen des Grabens, der jetzt ein Biotop ist und auch bleiben soll, ist nach den Worten von Heinz Kaiser nicht zu befürchten. Das begründete er zum einen mit dem Rückstau von der Mulde und zum anderen mit den verschiedenen Regenwasserzuleitungen, die es offenbar noch gibt. Diese Auffassung teilen nach seinen Angaben sowohl die Fachbehörde in der LTV als auch die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Mittelsachsen.

Geklärte Fragen

Am Stadtbad gibt es vor Baubeginn eine Bestandsaufnahme, Risse werden dokumentiert. Das hat die Talsperrenverwaltung zugesichert. So sind Vergleiche und Schadensnachweise möglich.

Die Löschwasserentnahmestelle in der Nähe des Wehres kann nach dessen Rückbau wie bisher genutzt werden.

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„Beim Geruch ist es die Frage, ob der erwartet wird oder wie ihn die Leute, die ihn schon einmal wahrgenommen haben, beschreiben“, stellte der Mann von der Talsperrenverwaltung in den Raum. Gestank könne verschiedene Ursachen haben. Denkbar wären im konkreten Fall Altschlämme aus der Zeit, in der noch Mischwasser in den Graben eingeleitet wurden. Auch stehendes Wasser könnte zu müffeln beginnen. „Ein Ingenieurbüro könnte den Ursachen durchaus auf den Grund gehen und Lösungsvorschläge bieten“, so Kaiser. Der Schlamm könnte ausgebaggert werden. Möglicherweise würde aber auch schon eine Bepflanzung helfen.

Der Betriebsteilleiter stellte klar, dass die LTV keine Kosten für Arbeiten im Mühlegraben übernimmt. „Das ist ein Gewässer zweiter Ordnung“, erklärte er. Dafür müsse eigentlich die Kommune oder der Abwasserzweckverband zuständig sein. „Wir lassen uns ihr Problem, das sie jetzt schon haben, nicht unterschieben“, stellte Kaiser klar.

Rico Söhnel (CDU) hätte sich gewünscht, dass es zwischenzeitlich schon Überlegungen zusammen mit dem Abwasserzweckverband gegeben hätte. Sowohl Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) als auch sein Stellvertreter Peter Krause (Linke) gaben zu, dass sie das Problem erst jetzt in der Zuständigkeit von Kommune und AZV erkannt haben. Die Stadträte beschlossen daraufhin, den Zweckverband zu beauftragen, eine Lösung vorzulegen. Die LTV wolle dabei gern mit Fachwissen helfen, sicherte Kaiser zu. Dem Wehrrückbau stimmten die Räte schließlich zu.